News aus der Berner Musikszene

Über

Juerg Kilchherr ist ein Schweizer Künstler, der im Bereich Literatur, Musik und Malerei arbeitet. Hier veröffentlicht er seine Berichte über die Berner Musikszene.

Alter: 46
aus: 3177 laupen/ch
 



Blog

webba - uswärts

Auf zu neuen Ufern
Wie einer aus dem Weltraum Gelandeter steht Webba auf dem neuen Album “Uswärts” vor einer Grossstadt auf der Erde (!) und die kämpferische Pose seines eher schmächtigen Körpers will sagen, auch im 13. Jahr seiner Karriere will es der Berner Rapper nochmals wissen. Begann er als Human-Beatboxer sind heute Dupsteps und DnB Einflüsse seine Stärken. Mit einer ganzen Schar von Gastmusiker von den Steff la Chefe und Baze die bekanntesten sind, versucht Webba auf den ausgelutschten HipHop-Pfaden Neues zu schaffen. Sein Ausbruch aus den Pfaden ist sehr spacy und die harten Beats peitschen durch ein Album, das versucht die männlichen harten Seiten mit leichten Songs auszubalancieren. Das zweite Album des Berners ist eine Bestätigung des SwissHipHopAwards 2011 als bester Produzent, bietet interessante Effekte und mit Dupstep wenigstens eine Neuerung, während die Raps Mittelmass bleiben und Webba kein besondere Stimme hat im Gegensatz zu seinen Gastrapper, um seine Erkenntnis über sein Leben weiterzugeben.
www.webba.ch



eleganzashowgroup - wechsel ans dj pult

Vom Tanz zum DJ Pult
Bisher sah die Woche der Bernerin Yuko Graber und der Thurgauerin Talana Hefti so aus, dass sie neben der regulärer Arbeit am Abend die Fotos aus verscheidenen Quellen studierten für Ideen fürs Nähen von Kostümen der ausgewöhnlichen Art. In diesen verrückten Kleidern tanzten sie dann am Wochende im In- und Ausland als Eleganza Tänzerinnen und versetzten die Discobesucher gleich doppelt in Erstaunen übers Auge. Zum einem mit den Kreationen und zum anderen mit dem nicht immer leichten zu vollziehenden Tanz damit. Doch 2012 werden die Kostüme nicht in das ehe schon grosse Kleiderlager verstaunt, nein, es ändert sich die Art der Animation. Die beiden Frauen wechseln hinter das DJ Pult und legen in ihren speziellen Kleidern House auf, während die restlichen Eleganzatänzerinnen aus Solothurn, Luzern und Lausanne als Gruppe weiter ihre Körper bewegen. Zu den neuen Projekten gehört auch ein eigenes Eventlabel im Berner Du Théâtre. Der Wechsel ins Fach Plattenauflegen ist sicher mit dem Alter der zwei Gründerinen zu begründen aber auch mit dem Wunsch nach mehr Freizeit. Den bis jetzt war ein Teil von Eleganza sein, ein Vollzeitarbeit in der Freizeit, die mit Herzblut vollzogen wurde. Schliesslich galt es den Ruf als Mädchen, die sich gerne verkleiden und dabei auch so was wie Kunst und Extravaganz zu Tage bringen, zu verteiligen im schnelllebigen Discobetrieb. Die Tanzgruppe besteht seit rund vier Jahren. Genug Zeit also um zwischen den drei 20 Minutenblöcken als Tänzerinnen an einem Abend den DJs über die Schultern zu schauen, von ihrem Können zu lernen und Kontakte zu knöpfen für die Zukunft. Die aktive Tänzerinnenzeit bei Eleganza war für Yuko Graber und Talana Hefti auch eine Zeit, in der ihre Freundschaft weiter wuchs und sie lernten die Gefahren und Spiele der Discoszene zu durchschauen. Im Gegensatz zu vielen DJs, die den Versuchungen der Nacht nicht widerstehen konnten, machen sie heuten einen bodenständigen, gesunden Eindruck und hoffen auf ein erflogreiches Jahr als Eleganzashowgroup. www.eleganza-dancers.com




fauve - clocks'n'clouds

Ein Soundtrack, der keiner ist
Wenn ein Schweizer Musik zu Beginn seiner neusten CD in “Cotton Fields” die Baumwollfelder besingt, muss ein Kopfmensch mit Sinn für Symbole an der Arbeit sein. Nicolas Julliard aus Genf ist “Fauve” und für ihn stehen die Baumwollfelder für die unerkannten Helden der Arbeit und ihre Mühen. Seit 2004 ist Fauve aktiv und seither hat der Genfer auch Filme vertont oder Broadway Melodien geschrieben. So erstaunt es nicht, das “Clocks’n’ Clouds” auch mit Geräuschen aus New York, wo die Cd entstanden ist, arbeitet und auch sonst ist der Aufbau der Songs sehr episch. Die Leichtigkeit seines angelsächischen Pop, Elektro Minimalismuses gehen ans Herz. Fauve schreibt Melodien, die sind zart und schön. “Clocks’n’Clouds” ist ein Kleinode eines Romands mit grossem Musikkönnen, der es schafft Hoffnung in Musik zu übertragen und weil in diesen Arrangements kein Note zuviel ist, ist es Harmonie pur. Augen schliessen und der Film startet. www.fauve.info

henrik belden- barrique barrel

Schweizer Antwort auf Amy McDonald
Nun der 26-jährige Henrik Belden hat keine schottischen aber schwedische Wurzeln. Er stammt aus einer musikalischen Familie, liebt seine Wollmütze, die Natur und beherrscht den Poprock und die Poesie. Sein Händchen für einprägsame Melodien sind auch auf dem Zweitling “Barrique Barrel” nicht verschwunden, auch wenn sie eine Spur lockerer klingen. Doch die Schwermut in den persönlichen Texten mit einer rauchigen Stimme vorgetragen, ist geblieben und das erinnerte an die Schottin. Und es ist diese Stimme, die so viel Inneres preisgibt, damit die Worte nie leer verhallen. Intimität und Ehrlichkeit prägt diese Cd, die zwölf Mal und dann noch ein Mal gehört werden will. Stiess schon das Debut auf viel Wohlwollen, sollte bei Henrik Belden der Zweifel an sich und seine Fähigkeiten verflogen sein, den “Barrique Barrel” hat Herz und könnte der Höhepunkt des helvetischen Musikschaffens im Frühling werden. www. henrik-belden.ch
Cd erscheint im März


familie gantenbein - ueli dr knecht

Durchgeknallte Spassrocker
Es gibt Männer, die sind Schweine, Gott sei Dank. Es gibt Männer, die aus den Berner Bergtäler um Frutigen sind, die bleiben Lausbueben und narren als durchgeknallte Zirkusrocktruppe von der Bühnen aus das Publikum. Familie Gantenbein ist ihr Name und das Auftreten der Männer, die sich nicht so ernst nehmen, ist so erfrischen wie der Rock, den sie machen auf der EP “Ueli dr Taenzer”. Ihr Berndeutsch ist eine Mischung aus Stiller Haas gekreutzt mit Polo Hofer. Die unbekümmerte Spielfreude ist RocknRoll ohne die Ambition Kunst hervorzubringen. Besser für das Konzert als auf Cd ist diese Interpretation von Mundartrock und sie macht unheimlich Spass. Wer den Blues der Winternächte vertreiben will, besucht ein Konzert von Familie Gantenbein und die Adaption von Gotthelfs Ueli der Knecht und die Eskapaden auf der Bühne wird ihm die Tränen in die Augen treiben. www familiegantenbein.ch

chris hess - unterwegs/angekommen

Nach 130 Produktionen endlich solo
Chris Hess ist einer jener Musiker, dessen Namen bei vielen Produktionen im Beiheft auftauchen, so auch bei Scream oder Carmen Frenk. Sie, Slädu und Ralf Gustke (Xavier Naidoo) sind die bekannten Namen, die nun halfen, dass das Solowerk “Unterwegs/Angekommen” eine Produktion mit Mass und das Thema der CD Veränderung würdevoll bearbeitet wurde. Den Chris Hess ist ein religiöser Mann und seine Texte in Hochdeutsch und Englisch sind tiefgründig. Sie beschreiben die menschliche Verunsicherung in einer Welt, die sich so rasch verändert, das einem schwindlig wird und die Auswirkungen davon kennt der Steffisburger auch. Die Cd ist keine Gitarrenstunde, es ist Poprock. Das zweite Werk nach 1995 ist eine Stunde eines alten Hasen im Musikgeschäft, der sich nun mal an den Tisch gesetzt hat und reflektierte. Doch gab es nach der Plattentaufe auch eine Stimme, die im Internet schrieb, er hätte nicht alle mitreisen können. Dieser Eindruck kommt auch bei der Cd auf. Chris Hess ist mehr Songwriter, der viele musikalische Ideen hat und was zu sagen, aber irgendwie ist seine Stimme zu wenig stark, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Hätte doch besser alles auf Englisch gesungen. www.chrishess.ch

blomstre - hearts and demons

Wo ein Herz ist, ist auch ein Teufel
Während uns die Firmen jetzt ihre Jahresbilanzen präsentieren und stolz auf ihr Wachstum sind, ist Christian Lundsgaard-Hansen ein Vertreter der neuen Bescheidenheit. Zwei Jahre nach seinem Debut “Revelations” als Blomstre, das von der Presse hochgelobt wurde, macht er immer noch alles selber in seiner Musikerkarriere und stetzt auf Nähe zum Publikum bei seinen Wohnzimmerkonzerten. Die Idee, das Musikbegeistere in der ganzen Schweiz ihre Wohnung und WGs zur Verfügung stellen und dann mit einem unvergesslichen Abend belohnt werden, wenn Blomstre sein neues Werk “Hearts and Demons” vorsingt, ist eine Idee des Sozialwissenschaftlers. “Hearts and Demons” ist das zweite Werk des 22-jährigen Berners aus dem Simmental mit Wurzeln in Skandinavien. Die Musik ist wie immer etwas düster und geheimnisvoll. Mit Gitarre oder Synthie werden die Gegensätze zwischen juvenilen Herzen und Dämonen besungen. Der auch an Philosophie interessierte Blomstre ist kein grosser Sänger, doch für diese düstere Dubstep-Produktion genügt die Fähigkeit des Singer/Sonwriters zerbrechliche Stimmungen aufzubauen. Dem Hörer öffnet sich diese verinnerlichte Schau auf Hochs und Tiefs in der Seele des Sängers erst nach mehrmaligem Hören und so ist die Idee eines Wohnzimmerkonzertes eine Gelegenheit durch den einen oder anderen Gesichtsausdruck des Sängers etwas Wärme und Klarheit von der Kälte und dem Geheimnisvollen der zweiten Scheibe beim direkten Kontakt zu erhalten. www.blomstre.tumblr.com

shop kleiderschrank bern

Damit Berner Männer chic aussehen

Damit Berner Männer chic aussehen


Umgeben von internationalen Modeketten, dem Casino und dem Wahrzeichen der Stadt, der Zytglogge, befindet sich am
Theaterplatz 4 in Bern im Kellergeschoss seit Dezember der “Kleiderschrank”. Mag der Name des Shops im ersten Moment
etwas alt tönen, die Mode und die Haltung des Besitzers Alain Zingg sind es nicht. ““Fashion und Lounge” ist das Motto
des Geschäfts und wer die Treppen in den Keller runtersteigt, sieht auf den ersten Blick keine Mode sondern eine Bar,
wo der Kunde etwas trinken und die Gemälde und Grafiken des Besitzers bestaunen und nach eigenem Wunsch in Auftrag
geben kann. Das der 31-jährige auch ein Auge für das Dekoraktive hat, zeigt sich in allen Räumen, wo neben der Labels
aus den Niederlanden, Deutschland, Schweden, Italien immer wieder Fotos von Helden oder wertvolle Möbel stehen. Zwei
Sofas laden zum Verweilen und einen Schwatz mit dem Besitzer ein. Auch Christian Gross, der Chef der Fussballsclubs Young
Boys konnte dem lokeren Ton des ehemaligen Sportverkäufers nicht widerstehen und gehört zu den Kunden, für die hier
viel Zeit genommen wird oder auch die Möglichkeit haben, sich ausserhalb der Oeffnungszeiten den Laden für ein privates
Shopping öffnen zu lassen. Die Männermode besteht aus Jeans und Casual und im Frühjahr kommt die erste T-Shirt
Kollektion von Alain Zingg in den ” Kleiderschrank”, den er ohne fremde finanzielle Hilfe auf die Beine gestellt hat
und junge und junggebliebende Männer Jahren ansprechen soll und es auch tut, weil das Ambiente hier so locker ist.
www.kleider-schrank.ch


phenodem- eiland

Phenodem mit Mundartreggae zurück Drei Jahre nach seinem letzten Album veröffentlicht der Zürcher Phenomden “Eiland”, das er auf einer viermonatigen Tournee durchs Land mit Kienbart vorstellen wird. Das Erfolgsrezept, das er als erster eidgenössischer Mundartreggaesänger seit rund acht Jahren verfolgt, ist er auch auf “Eiland” treu geblieben. Jamaikanische Volksmusik mit einer Zürcherschnauze besingt persönliche Erlebnisse und Zeitgeschehnisse. Die Aussagen sind nicht immer verständlich, aber die Fröhlichkeit setzt sich durch. Denis Furrer, wie der Adliswiler mit bürgerlichem Namen heisst, hörte in seiner Jugend HipHop und bekanntlich liegt der Sprechgesang des Reggae nicht weit vom Rap. Mit der Zusammenarbeit mit The Scrucialists wie auf auf dem aktuellen Album, hat sich er seinen exklusiven Status in der helvetischen Musiklandschaft über Jahre bewart. Auch im grossen Kanton ist der in Zürich-Wiedikon lebende Phenomden ein Begriff und einige Gedanken zur Sozialpolitik greifen auch Deutschland an. Nachdem Phenodem ein Jahr in Jamaika verbracht hatte, weil ihm der Grosserfolg des letzten Albums dies finanziell ermöglichte, ist das Modern-Roots-Album “Eiland” auch eine noch tiefere Auseinandersetzung eines Schweizers mit der Reggaekultur. www.phenodem.ch

havana del alma - margarita

Latinos in der Seele Auch wenn der Bandnamen Havana del Alma vermuten lässt, dass hier das Liedergut der letzten kommunistischen Insel neu aufgelegt würde, ist die zweite Cd “Margarita” eine Mischung lateinamerikanischer Stile und ihre Sängerin Brigitte Wullimann war noch nie in Kuba. Doch die Zürcherin hat genug Lebendigkeit, um zusammen mit dem Bandleader und den zwei Musiker das Temperament des Südens wiederzugeben. Der Kubaner und Bandgründer Abdiel Montes de Oca schreib keine durchwegs tanzbare Platte, es hat auch für Salsapop Platz. Die Platte kann gut zu Hause angehört werde ohne dass das Tanzbein geschwungen werden muss. Kubanische Volkslieder ergänzen die Eigenkompositionen und über den zehn Liedern liegt der Hauch der Leichtigkeit des Seins. Wer Loungemusik vom Feinsten sucht, ist mit dieser Gruppe gut bedient.www.havanadelalma.com/

the corleons - better bitter than too sweet

70er Rock aus Steffisburg Eine grosse Portion Motivation und erspartes Geld haben ausgereicht, kurz vor Jahresschluss nochmals ein fettes Ding aus dem Berner Oberland names “Better bitter than too sweet” von The Corleons auf die Leute loszulassen. Ohne am Computer die Lieder zu schneiden oder editieren, also analog aufgenommen, klingt der Sound der Steffisburgerband warm, erdig und wie in den 70er. Das grosse Los haben die Rocker mit dem Sänger Stefan Ramseier gezogen. Der tönt wie Led Zepplin und kann mit seinem Organ jeden Song gefühlsvoll wiedergeben. Gitarren, pulsierede Bäss und dann wieder Balladen, diese Cd macht einfach Spass und auch wenn der Sound eher für das Publikum der Provinz gedacht ist. Es sei, als würden würde sich die Band von der Umgebung abtrennen und in ihrer Leidenschaft voll und ganz aufgeben, sagte den Gitarrist Mike Roethlisberger über den Versuche mit Rock aus der Vergangenheit die Ohren von heute zu erreichen. Reinhören lohnt sich. www.thecorleons.com

five blue - wicked ways

Der Bazedrummer solo unterwegs Fünf Jahre nach seinem Erstling aus dem Wohnzimmer “Moon” versucht sich der Drummer Christof Jaussi (Wurzel 5, Trummer, Baze) als Singer/Songwriter mit Poprock auf “Wicked Ways” und nennt das Projekt Five Blue. Sage und schreibe zwölf Musiker aus der Berner Musikszene unterstützten ihn dabei. Handgemacht, eingängig und schnörkellos reihen sich zwölf Songs aneinander ohne allerdings bleibenden Eindruck zu erwecken. Dazu nimmt sich Christof Jaussi als Sänger zu sehr zurück. Da diese Scheibe von A bis Z eine Verwirklichung einer eigenen Vision ist, schien Jaussi die Zeit gefehlt zu haben, sich auch auf der Gefühlsebene mit dem Songthema auseinanderzusetzten. Alles tönt in der gleichen Stimmlage. Das grosse Plus ist die Bandbreite der Songs, die von Stadiosound bis intime Ballade reicht und ein grösses Talent vermuten lässt und ideal ist für einen abwechslungsreichen Konzertabend www.fiveblue.com

shirley grimes - the long way home

Zu den Feldern ihrer Kindheit Weil es in letzter Zeit ruhiger um Shirley Grimes wurde und ihre langjährige Band The Insiders sich teilweise auflöste, sagt der Rotschopf “adieu” auf dem ersten Lied der neuen Cd “ the long road home”. Doch es geht weiter und das wimmernde Harmonium, Geige und Bass im Dreivierteltakt erinnern sofort an Irishfolk. Im Südwesten Irland ist Shirley Grimes geboren und kehrt nach zwanzig Jahren wieder zu den Felder, wo sie als Kind gespielt hat, zurück in “Dandelion Bouquet”. Die neue Cd ist somit eine Hommage an die Wurzeln ihres Seins und kommt sehr entspannt daher und das Balladeske steht im Vordergrund. Seit 1993 versuchte Shirley Grimes mit wechselhaftem Erfolg erdige Musik zu machen, doch nie ist es ihr besser gelungen wie auf “the long road home”, ihrer Rückkehr zum Anfang ihrer Karriere mit Irishfolk und globaler Musik. www.shirleygrimes.com

Leben, Lieben und Musik in Thun

Leben, Lieben und Musik in Thun Thun gilt für viele als Tor zum Berner Oberland oder als Station des letzten WKs. Doch wie erleben Musiker die Stadt mit 42000 Einwohner heute? Juerg Kilchherr schlenderte mit der Poprockband Undiscovered Soul durch die Strassen. Die meisten Touristen strömen vom Bahnhof an den Schiffsteg des Thunersees, doch der Sänger Jay und der Gitarrist Michi von Undiscovered Soul können keine Hundert Meter gehen ohne das ihnen jemand hallo sagt. Die zwei sind keine Einheimische und erst seit rund zwei Jahren hier seeshaft, doch viele Junge, die hier leben, kamen aus den Dörfern und Bergen nach Thun und blieben hier und so kennt man sich wieder, was der Stadt etwas “heimeliges” gibt. Die Schiffslände und der Schadaupark sind die Grünflächen, wo sich viele Jugendliche treffen und hier gibts einen Ueberblick, wer den hier eigentlich lebt. Es sind im Gegensatz zu den Gemeinden des linken Seeufers wie Oberhofen, wo Polo Hofer in der reichen Gemeinde lebt, das gemeine Volk und viele Ausländer aus verschiedenen Nationen, die das Leben Thuns prägen. Im Gegensatz zu Bern, das in letzter Zeit gehetzt und wirtschaftsorientiert daherkommt, ist der Schwatz mit dem Kollegen in den Gassen hier gern gesehen. Und so finden wir die Musiker oft auf dem Mühleplatz, wo ab den ersten warmen Sonnenstrahlen bis tief in den Herbst hinein, das leichte Leben stattfindet. Cafes,Bäckereien, mehrere Restaurants und unzählige Stühle im Freien prägen das Bild, während die Aare meterhoch unter der alten Brücke davonschwimmt. Hier seien einige Texte und Ideen entstanden zum Debut “Dresscode Love”. Mit dieser Cd und melodiösen Liedern über die Suche nach sich selbst und der Liebe geht die Band im November auf Englandtournee, obwohl sie in der Schweiz keinen Plattenvertrag hat. Trotzdem verkauft sich ihre Cd wegen den unplugged sessions in den Gassen gut. Die Thuner Altstadt ist gut erhalten und somit Zeuge vom Handel aus dem 12. Jahrhundert. Auf den einzigartigen Hochtrottoirs in der oberen Gasse lädt der Kleinhandel zum shoppen ein. Der Ausgang findet seit der Schliessung der Unterhaltungsmeile Servelareal nun am Ufer oder den wenigen verbleibenden Lokalen wie das Cafe Mokka statt. Undiscovered soul durfte hier zum 25jährigen Jubiläum der Musikbeiz spielen, die auch heute der Treffpunkt ist für Konzerte und musikalische Entdeckungen. Im Winter könne aber Thun schon langweilen, wer nicht Ski fahre, meint Michi und schaut vom Dach seiner Wohnung auf das Alpenpanorama, in desssen Täler Richtung Frutigen zum Zeitpunkt des Treffs ein Unterwetter grossen Schaden angerichtet hat. Kontakt zu den Touristenorten des Berner Oberlandes habe man seit der Schliessung des Servelareal weniger und der Blues hänge noch Jahre nach der Schliessung über das ganze Oberland. Leider hat die Stadt auch das Drogenmilieau nicht im Griff und so werden wir angequatscht. Auch sei die Gewalt an manchen Wochenenden und die Differenzen mit den Ausländern Gründe, warum es an manchen Wochenden zu Problemen kommen könne, gibt Michi zu und fügt an, dass er mit dem Alter von 22 Jahren (!) auch ganz gerne zu Hause bleibe. “Dafür bin ich gerne am Cafe trinken und flirten tagsüber, den Thun hat einfach die schönsten Frauen der Schweiz”, sagte er nicht ohne zu schmuzeln. Packt die Koffer und reist wie manche Musiker (Philippe Frankhauser) oder die Videokünstlerin Chantal Michel ins Ausland und wird es Jahre später als Künstler zu Hause erkannt.

Interview Bastian Baker in Freburg 8.10.

Der Glücksbringer aus Lausanne ist ein Charmeur und perfekter Unterhalter Neben Stress ist der Singer/Songwriter Bastian Baker der zweite Lausanner, der den Sprung über den Röstigraben schaffte. Trendmagazin traf ihn an der Saane in der Freiburger Altstadt vor seinem ausverkauften Konzert und erfuhr viel Persönliches. Du warst 13 Jahre Eishockeyspieler und somit ein Teamplayer. Nun bist Du als Sänger solo unterwegs. Welche Unterschiede spürst Du? BB: Eishockey spielte ich, weil mein Vater, der heute im Restaurantgewerbe in Lausanne tätig ist und mein grösster Förderer ist, ein Profispieler war. Es war für mich eine Lebenschule, die mich lernte den Stress, wie bei den momentan vielen Konzerten besser wegzustecken und mich gesund zu ernähen. Ich liebe Fleisch (Steckt sich nach dem Ragout mit Kartoffelstockessen Bündnerfleisch in den Mund und lacht). Meine Eltern hörten viel Queen und R.E.M. Ich schrieb meinen ersten Song “Having fun” auf Englisch und ich wollte als einer der fünf Sprachen spricht, aber schlecht Rechnen kann, immer in einer anderen Sprache singen und auftreten seit ich 15 Jahre alt bin. -Du hast mit Spitzenmusiker und Produzenten an dem Erfolgsalbum “Tomorrow may not be better”, das in der Romandie und Deutschschweiz ein Erfolg ist, gearbeitet. Wie kams dazu? BB: Mein Musikkarriere war ja lange eine, wo ich nur an kleinen Anlässen sang und viele Kollegen gar nicht wussten, dass ich Musik mache. Bei meinem Auftritt am Capricefestival in Grand Montana sah mich Fergus Gerrand (Madonna) und fand mich gut. Ich sandte ihm meine Cd und dann ging es im Mai mit ihm und Produzenten Patrick Delarive in Paris ins Studio. Ich habe immer in meinem Leben die richtigen Leute zur richtigen Zeit getroffen. -Wie gehst du mit dem Druck als Solokünstler um? Strebst du eine internationale Karriere an? BB: Viele von meiner Band und auch mein Manager sind wie ich Debütanten. Doch wird sind eine Familie und haben Selbstvertrauen. Klar, ich habe momentan keine Zeit für eine Freundin. Doch ich weiss auch, dass ich die Chance der Stunde nutzen und hart arbeiten muss, damit ich keine Eintagsfliege bleibe. Schön wäre es, wenn nach den Schweizerinnen auch die Französinnen mich auch bald entdecken würden (Lacht über den Abendessenstisch und alle Damen am Tisch sind von seinem Charme angetan und die Mädchen auf der Strasse im Regen, die ans Fenster drücken, kreischen) -Du sprichst perfekt Deutsch mit dem Deutschschweizer Publikum. Gibt es einen Unterschied zum welschen? BB: Ich mag beide, habe aber das Gefühl die Deutschschweizer sind verrückter und mutiger, sie gehen bei den Konzerten mehr aus sich raus. Konzertkritik: Im ausverkauften La Spiralekonzert, da mehrheitlich von jungen Damen besucht wurde, war Bastian Baker ein Charmeur, der von Anfang weg mit seiner kräftigen Stimme überzeugte und eine romantische Stimmung zauberte, über eine Stunde akkustisch bestens unterhielt, alle Vorschlusslorbeeren bestätigte und bewies, dass er trotz Modelgesicht sich als erstzunehmender Musiker sieht, dessen Stern lange am Himmel leuchten wird, weil er Einblicke in neues Material gab und das ist noch besser als “Lucky”. Juerg Kilchherr