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Phenodem mit Mundartreggae zurück Drei Jahre nach seinem letzten Album veröffentlicht der Zürcher Phenomden “Eiland”, das er auf einer viermonatigen Tournee durchs Land mit Kienbart vorstellen wird. Das Erfolgsrezept, das er als erster eidgenössischer Mundartreggaesänger seit rund acht Jahren verfolgt, ist er auch auf “Eiland” treu geblieben. Jamaikanische Volksmusik mit einer Zürcherschnauze besingt persönliche Erlebnisse und Zeitgeschehnisse. Die Aussagen sind nicht immer verständlich, aber die Fröhlichkeit setzt sich durch. Denis Furrer, wie der Adliswiler mit bürgerlichem Namen heisst, hörte in seiner Jugend HipHop und bekanntlich liegt der Sprechgesang des Reggae nicht weit vom Rap. Mit der Zusammenarbeit mit The Scrucialists wie auf auf dem aktuellen Album, hat sich er seinen exklusiven Status in der helvetischen Musiklandschaft über Jahre bewart. Auch im grossen Kanton ist der in Zürich-Wiedikon lebende Phenomden ein Begriff und einige Gedanken zur Sozialpolitik greifen auch Deutschland an. Nachdem Phenodem ein Jahr in Jamaika verbracht hatte, weil ihm der Grosserfolg des letzten Albums dies finanziell ermöglichte, ist das Modern-Roots-Album “Eiland” auch eine noch tiefere Auseinandersetzung eines Schweizers mit der Reggaekultur. www.phenodem.ch
Latinos in der Seele Auch wenn der Bandnamen Havana del Alma vermuten lässt, dass hier das Liedergut der letzten kommunistischen Insel neu aufgelegt würde, ist die zweite Cd “Margarita” eine Mischung lateinamerikanischer Stile und ihre Sängerin Brigitte Wullimann war noch nie in Kuba. Doch die Zürcherin hat genug Lebendigkeit, um zusammen mit dem Bandleader und den zwei Musiker das Temperament des Südens wiederzugeben. Der Kubaner und Bandgründer Abdiel Montes de Oca schreib keine durchwegs tanzbare Platte, es hat auch für Salsapop Platz. Die Platte kann gut zu Hause angehört werde ohne dass das Tanzbein geschwungen werden muss. Kubanische Volkslieder ergänzen die Eigenkompositionen und über den zehn Liedern liegt der Hauch der Leichtigkeit des Seins. Wer Loungemusik vom Feinsten sucht, ist mit dieser Gruppe gut bedient.www.havanadelalma.com/
70er Rock aus Steffisburg Eine grosse Portion Motivation und erspartes Geld haben ausgereicht, kurz vor Jahresschluss nochmals ein fettes Ding aus dem Berner Oberland names “Better bitter than too sweet” von The Corleons auf die Leute loszulassen. Ohne am Computer die Lieder zu schneiden oder editieren, also analog aufgenommen, klingt der Sound der Steffisburgerband warm, erdig und wie in den 70er. Das grosse Los haben die Rocker mit dem Sänger Stefan Ramseier gezogen. Der tönt wie Led Zepplin und kann mit seinem Organ jeden Song gefühlsvoll wiedergeben. Gitarren, pulsierede Bäss und dann wieder Balladen, diese Cd macht einfach Spass und auch wenn der Sound eher für das Publikum der Provinz gedacht ist. Es sei, als würden würde sich die Band von der Umgebung abtrennen und in ihrer Leidenschaft voll und ganz aufgeben, sagte den Gitarrist Mike Roethlisberger über den Versuche mit Rock aus der Vergangenheit die Ohren von heute zu erreichen. Reinhören lohnt sich. www.thecorleons.com
Der Bazedrummer solo unterwegs Fünf Jahre nach seinem Erstling aus dem Wohnzimmer “Moon” versucht sich der Drummer Christof Jaussi (Wurzel 5, Trummer, Baze) als Singer/Songwriter mit Poprock auf “Wicked Ways” und nennt das Projekt Five Blue. Sage und schreibe zwölf Musiker aus der Berner Musikszene unterstützten ihn dabei. Handgemacht, eingängig und schnörkellos reihen sich zwölf Songs aneinander ohne allerdings bleibenden Eindruck zu erwecken. Dazu nimmt sich Christof Jaussi als Sänger zu sehr zurück. Da diese Scheibe von A bis Z eine Verwirklichung einer eigenen Vision ist, schien Jaussi die Zeit gefehlt zu haben, sich auch auf der Gefühlsebene mit dem Songthema auseinanderzusetzten. Alles tönt in der gleichen Stimmlage. Das grosse Plus ist die Bandbreite der Songs, die von Stadiosound bis intime Ballade reicht und ein grösses Talent vermuten lässt und ideal ist für einen abwechslungsreichen Konzertabend www.fiveblue.com
Zu den Feldern ihrer Kindheit Weil es in letzter Zeit ruhiger um Shirley Grimes wurde und ihre langjährige Band The Insiders sich teilweise auflöste, sagt der Rotschopf “adieu” auf dem ersten Lied der neuen Cd “ the long road home”. Doch es geht weiter und das wimmernde Harmonium, Geige und Bass im Dreivierteltakt erinnern sofort an Irishfolk. Im Südwesten Irland ist Shirley Grimes geboren und kehrt nach zwanzig Jahren wieder zu den Felder, wo sie als Kind gespielt hat, zurück in “Dandelion Bouquet”. Die neue Cd ist somit eine Hommage an die Wurzeln ihres Seins und kommt sehr entspannt daher und das Balladeske steht im Vordergrund. Seit 1993 versuchte Shirley Grimes mit wechselhaftem Erfolg erdige Musik zu machen, doch nie ist es ihr besser gelungen wie auf “the long road home”, ihrer Rückkehr zum Anfang ihrer Karriere mit Irishfolk und globaler Musik. www.shirleygrimes.com
Leben, Lieben und Musik in Thun Thun gilt für viele als Tor zum Berner Oberland oder als Station des letzten WKs. Doch wie erleben Musiker die Stadt mit 42000 Einwohner heute? Juerg Kilchherr schlenderte mit der Poprockband Undiscovered Soul durch die Strassen. Die meisten Touristen strömen vom Bahnhof an den Schiffsteg des Thunersees, doch der Sänger Jay und der Gitarrist Michi von Undiscovered Soul können keine Hundert Meter gehen ohne das ihnen jemand hallo sagt. Die zwei sind keine Einheimische und erst seit rund zwei Jahren hier seeshaft, doch viele Junge, die hier leben, kamen aus den Dörfern und Bergen nach Thun und blieben hier und so kennt man sich wieder, was der Stadt etwas “heimeliges” gibt. Die Schiffslände und der Schadaupark sind die Grünflächen, wo sich viele Jugendliche treffen und hier gibts einen Ueberblick, wer den hier eigentlich lebt. Es sind im Gegensatz zu den Gemeinden des linken Seeufers wie Oberhofen, wo Polo Hofer in der reichen Gemeinde lebt, das gemeine Volk und viele Ausländer aus verschiedenen Nationen, die das Leben Thuns prägen. Im Gegensatz zu Bern, das in letzter Zeit gehetzt und wirtschaftsorientiert daherkommt, ist der Schwatz mit dem Kollegen in den Gassen hier gern gesehen. Und so finden wir die Musiker oft auf dem Mühleplatz, wo ab den ersten warmen Sonnenstrahlen bis tief in den Herbst hinein, das leichte Leben stattfindet. Cafes,Bäckereien, mehrere Restaurants und unzählige Stühle im Freien prägen das Bild, während die Aare meterhoch unter der alten Brücke davonschwimmt. Hier seien einige Texte und Ideen entstanden zum Debut “Dresscode Love”. Mit dieser Cd und melodiösen Liedern über die Suche nach sich selbst und der Liebe geht die Band im November auf Englandtournee, obwohl sie in der Schweiz keinen Plattenvertrag hat. Trotzdem verkauft sich ihre Cd wegen den unplugged sessions in den Gassen gut. Die Thuner Altstadt ist gut erhalten und somit Zeuge vom Handel aus dem 12. Jahrhundert. Auf den einzigartigen Hochtrottoirs in der oberen Gasse lädt der Kleinhandel zum shoppen ein. Der Ausgang findet seit der Schliessung der Unterhaltungsmeile Servelareal nun am Ufer oder den wenigen verbleibenden Lokalen wie das Cafe Mokka statt. Undiscovered soul durfte hier zum 25jährigen Jubiläum der Musikbeiz spielen, die auch heute der Treffpunkt ist für Konzerte und musikalische Entdeckungen. Im Winter könne aber Thun schon langweilen, wer nicht Ski fahre, meint Michi und schaut vom Dach seiner Wohnung auf das Alpenpanorama, in desssen Täler Richtung Frutigen zum Zeitpunkt des Treffs ein Unterwetter grossen Schaden angerichtet hat. Kontakt zu den Touristenorten des Berner Oberlandes habe man seit der Schliessung des Servelareal weniger und der Blues hänge noch Jahre nach der Schliessung über das ganze Oberland. Leider hat die Stadt auch das Drogenmilieau nicht im Griff und so werden wir angequatscht. Auch sei die Gewalt an manchen Wochenenden und die Differenzen mit den Ausländern Gründe, warum es an manchen Wochenden zu Problemen kommen könne, gibt Michi zu und fügt an, dass er mit dem Alter von 22 Jahren (!) auch ganz gerne zu Hause bleibe. “Dafür bin ich gerne am Cafe trinken und flirten tagsüber, den Thun hat einfach die schönsten Frauen der Schweiz”, sagte er nicht ohne zu schmuzeln. Packt die Koffer und reist wie manche Musiker (Philippe Frankhauser) oder die Videokünstlerin Chantal Michel ins Ausland und wird es Jahre später als Künstler zu Hause erkannt.
Der Glücksbringer aus Lausanne ist ein Charmeur und perfekter Unterhalter Neben Stress ist der Singer/Songwriter Bastian Baker der zweite Lausanner, der den Sprung über den Röstigraben schaffte. Trendmagazin traf ihn an der Saane in der Freiburger Altstadt vor seinem ausverkauften Konzert und erfuhr viel Persönliches. Du warst 13 Jahre Eishockeyspieler und somit ein Teamplayer. Nun bist Du als Sänger solo unterwegs. Welche Unterschiede spürst Du? BB: Eishockey spielte ich, weil mein Vater, der heute im Restaurantgewerbe in Lausanne tätig ist und mein grösster Förderer ist, ein Profispieler war. Es war für mich eine Lebenschule, die mich lernte den Stress, wie bei den momentan vielen Konzerten besser wegzustecken und mich gesund zu ernähen. Ich liebe Fleisch (Steckt sich nach dem Ragout mit Kartoffelstockessen Bündnerfleisch in den Mund und lacht). Meine Eltern hörten viel Queen und R.E.M. Ich schrieb meinen ersten Song “Having fun” auf Englisch und ich wollte als einer der fünf Sprachen spricht, aber schlecht Rechnen kann, immer in einer anderen Sprache singen und auftreten seit ich 15 Jahre alt bin. -Du hast mit Spitzenmusiker und Produzenten an dem Erfolgsalbum “Tomorrow may not be better”, das in der Romandie und Deutschschweiz ein Erfolg ist, gearbeitet. Wie kams dazu? BB: Mein Musikkarriere war ja lange eine, wo ich nur an kleinen Anlässen sang und viele Kollegen gar nicht wussten, dass ich Musik mache. Bei meinem Auftritt am Capricefestival in Grand Montana sah mich Fergus Gerrand (Madonna) und fand mich gut. Ich sandte ihm meine Cd und dann ging es im Mai mit ihm und Produzenten Patrick Delarive in Paris ins Studio. Ich habe immer in meinem Leben die richtigen Leute zur richtigen Zeit getroffen. -Wie gehst du mit dem Druck als Solokünstler um? Strebst du eine internationale Karriere an? BB: Viele von meiner Band und auch mein Manager sind wie ich Debütanten. Doch wird sind eine Familie und haben Selbstvertrauen. Klar, ich habe momentan keine Zeit für eine Freundin. Doch ich weiss auch, dass ich die Chance der Stunde nutzen und hart arbeiten muss, damit ich keine Eintagsfliege bleibe. Schön wäre es, wenn nach den Schweizerinnen auch die Französinnen mich auch bald entdecken würden (Lacht über den Abendessenstisch und alle Damen am Tisch sind von seinem Charme angetan und die Mädchen auf der Strasse im Regen, die ans Fenster drücken, kreischen) -Du sprichst perfekt Deutsch mit dem Deutschschweizer Publikum. Gibt es einen Unterschied zum welschen? BB: Ich mag beide, habe aber das Gefühl die Deutschschweizer sind verrückter und mutiger, sie gehen bei den Konzerten mehr aus sich raus. Konzertkritik: Im ausverkauften La Spiralekonzert, da mehrheitlich von jungen Damen besucht wurde, war Bastian Baker ein Charmeur, der von Anfang weg mit seiner kräftigen Stimme überzeugte und eine romantische Stimmung zauberte, über eine Stunde akkustisch bestens unterhielt, alle Vorschlusslorbeeren bestätigte und bewies, dass er trotz Modelgesicht sich als erstzunehmender Musiker sieht, dessen Stern lange am Himmel leuchten wird, weil er Einblicke in neues Material gab und das ist noch besser als “Lucky”. Juerg Kilchherr