CH-Kultur pur - das Neuste aus der Schweiz

Über

Juerg Kilchherr ist ein Schweizer Künstler, der im Bereich Literatur, Musik und Malerei arbeitet. Hier veröffentlicht er seine Berichte über die Schweizer Kulturszene und vielen anderen Bereichen.

Alter: 52
aus: 3177 laupen/ch
 


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Blog

Ricco Wassmers Liebe zu Jünglingen und mehr im Kunstmuseum Bern

Diesen Winter geben gleich zwei Berner Institutionen homosexuellen Persönlichkeiten aus dem Kanton Raum. Während das Kornhausforum das Leben des Flaneurs und Dekorateurs Alfred Jonathan Steffen genannt "Bob" ausstellt,nimmt sich das Kunstmuseum mit einer Retrospektive dem Maler und Fotografen Ricco Wassmer an. 100 Jahre alt wäre der in Allschwil geborene aber ab der Jugend mit Bremgarten bei Bern eng verbundene Maler dieses Jahr geworden, dessen surreale Arrangements zwischen naiver Malerei, neuer Sachlichkeit und magischem Realismus ein Thema haben, sich selbst. Seine Bilder waren stets Mittel zu Selbstbehauptung und Ausdruck als Homosexueller.Im Erdgeschoss des Kunstmuseums werden die 200 Werke eng aneinander ausgestellt und bereits der erste Raum fordert den Betrachter heraus. Ist der erste Blick auf die Bilder mit kindlichem Charakter weil im Stil der naiven Malerei gemalt etwas enttäuschend, gehen die Mischungen aus Erzählerischem und Illustrativem tief und tiefer. Die zentralen Themen wie Jüngling, Stilleben, Matrose und Meer sind nicht einfach alleine im Raum. Dies hätte gegen die Denkweise des Grenzgängers und Abweichlers Ricco Wassmer verstossen.Er malt Geschichten, jedes Bild ist eine Mischung aus einer Seele eines Schriftstellers und eines Malers und enthält viele Symbole seiner homoerotischen Neigung. Die Vorliebe für Jünglinge und ihre Körper aber auch ihre Sicht auf die Welt ziehen sich wie ein roter Faden durch das Werk. Die Grenzen zwischen der Kindheitswelt und der Jugend vermischen sich auf den grossflächigen Bildern, die nie Gewalt zeigen sondern Träume oder Unbewusstes. Sinnlichkeit, Nähe und Distanz sind wichtiger als die Natur in der diese jungen Männer übergross dastehen.Ricco Wassmer war auch in Thaiti. Doch anders als Degas zeichnete er nur zwei einheimische Frauen, lieber sind ihm Männer, die dem Einfluss des weissen Mannes nicht abgeneigt sind.Seine Liebe zu den Jünglingen brachte Ricco Wassmer in Konflikt mit dem Gesetz und er wurde wegen Unsichtlichkeit mit Minderjährigen ins Gefängnis gesteckt.Die letzten Jahre verbrachte er im Schlösschen Bompré und Ropraz bei Lausanne. Der Magische Realismus und die Fotografie sind Themen dieser Zeit, doch an die Buntheit seiner Berner Jahre kommen diese Werke nicht mehr heran. Sie sind aber wie alles von Ricco Wassmer Rätsel, die es noch bis zum 13. März im Kunstmuseum Bern zu entziffern gilt.

Poesie und Meditation - Rigolo in Winterthur

Wer heute die Zeitung aufschlägt oder durch die verstopften Strassen geht, weis die Poesie spielt im Alltag keine Rolle, weil wir immer mit kaufen beschäftigt sind, damit wir eine Eintrittskarte für die Gesellschaft haben. Doch Haben ist nicht die Bestimmung im Leben eines Menschenleben und es fördert selten die Schöpferkraft und die Leidenschaft. Doch um diese drei Dinge geht es bei "Rigolo-Wings in my heart", das vom 20.November bis zum 3. Januar in der Halle 52/53 in Winterthur aufgeführt wird.Zu Beginn des ungewöhnlichen Tanztheater setzt sich sein Schöpfer Mädir Rigolo aus Wattwil im Toggenburg in einer Videoeinspielung an ein altes Pult und schreibt mit einer Feder weise Worte. Die Feder macht sich selbständig und die Reise durch die Posie mit schamanischen Zügen beginnt. In einem Kaleidoskop aus Tanz, Artistik und einer Sanddornpalme verschmelzen Künstler, Naturerzeugnisse und Installationen zu einer Einheit in einer mystischen Welt.Weder Zirkus noch Musical noch Theater sondern etwas Neues haben die Rigolo-Gründer Lena Roth und Mädir Rigolo in ihrer letzten Bühnenarbeit geschaffen. Die Klangwelten mit Harfe, der Tanz mal Ballet, dann Step, dann Hip-Hop und die Akrobatik am Seil, mit Tauben oder Sand und immer wieder mit dem Palmrippen verzaubern zwei Stunden ohne, dass man eigentlich so genau weis, um was es geht, Es sind einfach schöne Bilder, die meditativen Charakter haben, ohne Sprache aber nicht ohne Worte aufkommen. Die Artisten setzten sich mit ihren Körpern und Bewegungen mit einer mystischen Welt auseinander und vollbringen Höchstleistungen. "Wenn deine Seele das Dunkle umarmt, leuchten die Sterne", schreibt die Feder im Laufe des Stücks. Rigolo - Wings in my heart " verleiht der Seele Flügel.rigoloTipp an die Zuschauer: Wer mit der Bahn anreist, braucht 10-15 Minuten zur Halle wegen der Bauten beim Bahnhof Winterthur. Die Halle 52/53 ist eine alte Industriehalle ohne Schönheit und recht kalt, ziehen sie sich warm an. Das Stück ist oft still und meditativ, für Kinder bis 12, Jahren, die nicht still sitzen können , finde ich es nicht geeignet. Auch empfiehlt es sich einen Platz in der Mitte und nicht ganz vorne zu nehmen, da man sonst die Videoprojektionen nicht recht sieht.Die Halle ist schlecht angeschreiben, Es hat vor dem eigentlichen Eingang eine Autoeinstellhalle.

Ciao cuore! Roberto Brigante zeigt Dir Thun, vienni !

Es ist eigentlich egal, dass sich der Sänger und Liedermacher Roberto Brigante an diesem Vormittag eine halbe Stunde verspätet, weil er einem Radio in seiner Heimat Ampulien, Italien noch ein Telefoninterview geben muss, den wer in Thun aus dem Zug steigt, währt sich in den Ferien mit dem See und Alpenpanorama. Dann ist er der 52-jährige Plattenleger und Musiker da, wirft seinen Mantel ab, schaut kurz zu Eiger, Mönch und Jungfrau, wo der kommende Schnee schon liegt und posiert vor dem "Berner Oberländer Schiff "und ich werfe ihm die erste Frage an den Kopf:Das erste Lied deiner sechsten CD namens "Roberto Bigante" heisst "l'estate" und das hast du sicher hier in dieser Stimmung geschreiben oder?Die aktuelle Cd entstand über 3,5 Jahre und einzelne Lieder wurden immer wieder hier in der Stadt aufgenommen und bearbeitet unter der Mithilfe von kreativen Köpfen aus Schweden, Schweiz und Italien. Als vorbildlicher Italiener habe ich den Supersommer mit der Familie meiner drei Kinder in Frankreich, Deutschland und nur wenige Tage in meiner alten Heimat verbracht (lacht). Das Lied "l'estate" mit der fröhlichen Melodie ist eine Ode von Menschen an das Leben.Das Eis ist gebrochen, wir marschieren lachend an der Post vorbei und bald erscheint das nächste Wahrzeichen von Thun die Holzbrücke. Ein Stück Geschichte und ob es am dunklen Holz liegt oder einfach an der Trauer über die Terroranschläge von Paris, Roberto wird etwas nachdenklich als er auf die Aare schaut und ich frage:Politik und Macht von ihrer unschönen Seite bewegen die Menschen im Moment, Du besingt immer das Gute. Könntest du Dir auch vorstellen, wie Luca Dalla politische Lieder zu singen?Nein. Ich habe nachdem ich als Junge Gitarre gespielt habe, sie dann zur Seite legte und mit 37 Jahren anfing professionell aufzutreten, eine Fangemeinde aufgebaut und die liebt mich, weil ich vom Herzen und seinen Freuden und Leiden singe. Ich habe zwar auch Lieder, die Probleme behandeln, aber bin kein Protestsänger. Ich liebe aber die Diskussion und den Dialog. Seit August habe ich den Schweizer Pass, nachdem ich schon 30 Jahre in Thun lebte. Es wäre wünschenswert, dass Ausländer oder Eingebürgerte besser in die politische Diskussion einbezogen würden.Eigentlich will Roberto einen Capuccino trinken, doch ich schaue zum Himmel, wo das Wetter sich verschlechtert und dränge ihn zum nächsten Foto. Wir können keine hundert Meter gehen, ohne das nicht ein Polizist, eine Frau, ein Hotelangestellter ihn grüsst oder ein Auto hornt. Hier kennen ihn alle.Vor einem italienischen Spezialitätengeschäft lehnt sich Roberto an eines der zwei Fässer, lacht und sagt, dass es wohl besser sei, der Besitzer habe erst am Nachmittag offen, den sonst würden wir bei einem Glas Roten verweilen.Auf deiner neuen CD "Roberto Bigante" singst du nur italienisch und es hat 3,5 Jahre gedauert bis sie erschien, warum?Bisher mischte ich Mundart und Italienisch in den Texten der Liedern, das hat sich nun geändert. Doch auch wenn ich zwei Herzen in meiner Brust trage, ergeben sie ein Leben. Das ist meine Realität und darüber singe ich. Ich muss in der rechten Stimmung sein, um ein Lied aufzunehmen, dann hat es Tiefe, die hört man. So wie ich mich zeige, kennen mich die Leute in der Stadt auch, Nichts ist erfunden. Ich kam als 5-jähriger hierher, lebte dann kurz wieder in Italien und reiste dann 12 Jahre später ohne Eltern aber mit den Brüdern nach Thun und lebe hier seither. Nur wenige Schritte weiter liegt das Studio H2U von Thies Steiner. Roberto zündet sich eine Zigarette an, wirkt etwas schüchtern als er ans Fenster nicht Türe des Aufnahmestudios klopft und sein Mentor öffnet. Wir müssen leise sein für das Foto, den die Volksmusiker Oesch di 3 nehmen gerade eine Platte auf. Thies Steiner hat dein Konzert in deiner Heimatstadt Tricase Apulien gefilmt und zusammen mit deinen acht Liedern ist es auf der neuen Cd. Frauen und Mütter sind für Italiener wichtig, hast du sonst noch Inspirationsquellen?Meine eigene Familie, das tägliche Leben, das sich in den schönen Plätzen dieser Stadt wie dem Schadaupark, der Altstadt oder weiter oben im Oberland der Lenk abspielt. Ich schreibe recht viel über die Momentaufnahmen, die ich sehe und manchmal gibt es ein Lied für mein Programm, das ich an Hochzeiten, Firmenanlässen und Konzerten spiele. Wir steigen ins Auto und fahren an die Länggasse 13, wo Roberto Bigante sein Bodenlegergeschäft mit zwei Angestellten hat, aber auch den Plattenladen für seine sechs Cds. Er holt mir einen Kaffee vom Kiosk. Ich fotografiere ihn ein letztes Mal, Er erzählt mir, dass er am 27.11. im Gasthof Rössli Ueberstorf auftritt und nächstes Jahr im Februar 19. in Spiez, Solinalokal und am 26. in der Trinkhalle Interlaken auftritt. Doch vorher will er über die kommenden Festtage seine Eltern besuchen und gleich noch bei zwei Radiosendern in Ampulien vorbeischauen, die seine Feel-good Songs rauf und runter spielen. Auf dem Weg zum Bahnhof schenkt er mir noch zwei Lollipops und seine Vita und singt mir zwei Lieder im Auto vor während der Mittagsverkehr und die Buezer mit ihren leeren Mägen an uns vorbeiziehen. Ich denke, dass mir Roberto Brigante sagen (singen) will, dass der Mensch nicht vom Geld alleine lebt, sondern auch vom Herzen und dass das in dieser schweren Zeit und kommenden Vorweihnachtszeit verdammt wichtig ist.

Eine Reise zum Luxus im Saanenland gegen schwierige Zeiten

Mein Herz trägt noch Trauer über die Terroranschläge in Paris vom Vorabend als ich nach Mittag in Zweisimmen, Berner Oberland in den Panorama Golden Pass Zug steige und einen Blick durchs Glas über dem Kopf auf den Himmel werfe. Mit der Ahnung von Ewigkeit öffnet sich nun das Simmental und den spektakulären Ausblick werde ich später immer wieder finden, wenn ich auf den Balkon des Ermitage Hotels in Schönried trete.60 Jahre Bestehen feiert das 5 Stern Hotel diesen Winter und kann sich trotz des starken Frankens und Konkurrenz in Gstaad behaupten. Einer seiner Gründe neben seinem Service ist seine Lage auf der Anhöhe Schönrieds und den Blick auf den Diablerets Gletscher.....und vielen anderen Bergen, die auf dem stündigen Panoramaweg nach Gstaad bestaune, bevor mein Zimmer bezugsbereit ist.Als mir der jeune homme die Tür zur Suite im neuen Teil des Hotels öffnet, erschrecke ich ein wenig über der Grösse. Der Chaletcharakter mit seinen Holzwänden wurde auf dem Boden und Wänden auch im Zimmer konsequent weitergeführt und bald huscht mir ein Lächeln über die Lippen als ich die Badewanne mit Aussicht auf die Berge entdecke und mir der Angestellte auch noch das Dampfbad und Cheminee zeigt, bin ich sprachlos.Mit Sauna, einigen Schwimmzügen im kalten und warmen Wasser geht die Sonne vor der 3500 m Wellnessanlage unter und ich fühle mich spätestens als König, als mich der neue Direktor Stefan Walliser mit seinem breiten Schnauz persönlich begrüsst...... und im Weinkeller auf meine Magenkrankheit Rücksicht nimmt und mir einen Traubensaft einschenkt, während der Rest der Weinkellerbesucher Tropfen aus kleinen Schweizer Anbaugebieten probiert.Einen seltenen Einblick in die versteckte Welt eines 5 Stern Hotels gibt mir Marc-André Dietrich in der Küche, als er den Big Green Egg Grill vorstellt.Das Ermitage will ab diesem Winter mit Fleisch aus dem Saanenland einen neuen Akzent in jedem seiner sieben Essensspycher setzten. Vom Schweine-T-Bones, Rindsfilet, Lammrack bis zum Luma-Beef sollen die Gäste das Fleisch von der "Schönrieder Buure Metzg" geliefert und auf dem Holzofen Big Green Egg gegrillt, geniesen. Bevor es soweit ist, serviert mir der Kellner, der mich fortan jedes Mal beim Namen nennt, eine Thunfischkreation mit grüner Sauce.Dann dauert es ziemlich lange, der Grill ist ja auch klein für ein volles Haus bis das durchgebratene Filet vom Schwein kommt und jeder am Tisch reicht dem anderen eine andere Sauce während der Keller uns auffordert ein spezielles Schweizer Messer aus einer Schatulle zu wählen. Die Swissness wird in der Ermitage gross geschrieben. In der Lobby oder an der Swarovski-Bar mit tausend funkelnden Kristallen klingt der Abend aus, habe ich mir gedacht.Als ich ins Zimmer trete, leuchten mir die Flammen des Chemninees den Weg zum Bett und auf dem Nachtisch liegt noch eine Aufmerksamkeit aus Marzipan und Früchten und ich schaue dem Feuer noch lange zu.Am Sonntag gehe ich noch vor dem Frühstück, ins eigene Dampfbad und in der Badewanne mit wechselndem Licht beobachte ich durchs Fenster wie ein alter Mann am Stock auf dem Weg zur Kirche zu den Bergen schaut wie ich und beide hoffen wir auf Frieden auf der Welt.Das Saanenland und das Wellnes & Spa Hotel Ermitage in Schönried geben Kraft in schwierigen Zeiten tief durchzuatmen für das Weitermachen. Probieren Sie es aus!

Argovia Philharmonic und die Jungstars der Klassik in concert

Louis Schwizgebel wurde 1987 in Genf geboren und als er das erste Mal nach seinen Studien in Lausanne und Berlin vor das Publikum trat und seine Finger über die schwarzen und weissen Tasten des Klaviers glitten, waren alle begeistert wegen der Musik, dem Talent und dem Vorteil der Jugend seinem Aussehen. Die Fingerfertigkeit und das schweizerisch-chinesische Gesicht, eine gewisse Extravaganz bei dem Konzerten und die Welt lag und liegt ihm bis heute zu Füssen. Ausser in der Deutschschweiz. Da ist sein Bekanntheitsgrad immer noch relativ. Das Konzert vom 28.11.15 20.00 Uhr in Aarau und die neue CDArgovia Philharmonic bietet dem Genfer seit September in einer Reihe von Auftritten sein Können den Deutschschweizern vorzustellen. Am Samstag den 28.11. hat der mittlerweile 28-jährige seine dritte CD im Gepäck. Sie trägt den Titel "Saint-Saems- Pianoc Concertos 2 & 5". Nicht ohne Zufall kann man behaupten, wählte der Schweizer Charles Saint Saens aus. Den wie er war auch der Pariser ein Jungtalent, das mit drei Jahren begann Musik zu spielen und mit sechs Jahren seine erste Komposition schrieb. Der 1835 geborene Franzose übte später noch vier weitere Berufe wie Organist, Musikwissenschaftler, Musikpädagoge und eben Pianist/Komponist aus. Ein wenig viel auf einmal, um die Kraft ganz auf das "Starsein" zu verwenden. Jedenfalls starb er vergessen. Nun hat sich Louis Schwizgebel zusammen mit dem BBC Symphony Orchester zwei Klavierkonzerten der Romantik angenommen. Das erste beginnt mit einer einfachen Tonleiter bevor das Orchester einsetzt. Das erste Konzert ist live aufgenommen und ein leichtes Rauschen hört man oft. Mag Louis Schwizgebel Saint Saems fehlerlos interpretieren und ist der zweite Teil sehr romantisch, bliebt doch ein Nachgeschmack. Anders als Schwizgebels Debut "Poems" , die voller erstaunlicher Momente ist, beginnen die Klavierkonzerte von Saint Saems irgendwann zu langweilen. Ihr Aufbau ist konservativ und altmodisch und irgendwie hat man jeden Akzent schon einmal irgendwann gehört. Doch ein Konzert von Louis Schwizgebel lebt nicht nur von der Musik sondern von der Hingabe des Künstlers, seiner Aura und seinem Charme. Davon hat der Genfer viel und wird die Aargauer verzaubern, davon bin ich sicher, den er bringt noch eine Russin mit:Albina Ibragimova wird zum ersten Mal in der Schweiz spielen und zwar gleich dreimal hintereinander. 24., 27, 29.11 sind die Daten an denen die russische Geigerin das Violinkonzert "D-Dur op. 61 von Ludwig van Beethoven" aufführen wird.Einen Vorgeschmack wie die 30-jährige Russin spielt, gibt ihre neue CD mit fünf Violinkonzerten von Johann Sebastian Bach "Bach Violin Concertos". Posiert Albina Ibragimova auf dem Cover noch lässig an einer Bushaltestelle als zierliche Frau, überrascht jeder Ton dieser CD. Voller Wärme und Seele geigt sich die Russin durch die Bach-stunde und setzt derart in Erstaunen, das diese CD unter der Leitung des Dirigenten Jonathan Cohen ein Muss ist, aber kein beiläufiges Hören erlaubt.

Der gesunde Mensch - Fitness Expo Basel

Die Basler St. Jakobshalle mit ihren 23 000 Quadratmetern gehört am ersten Novemberwochende den Trends zum Thema Fitness - und Freizeitbranche. Ein Augenschein vom ersten Tag der Fitness Expo.Trotz der frischen Temperaturen im Schatten haben sich bereits vor zehn Uhr eine Menge Männer und wenige Frauen vor der St. Jakobshalle versammelt, die ihre Jacken offen oder nur T-Shirts tragen, damit jeder ihre Muskeln sieht. Gleich werden sie durch einen Gang in der Fitness expo gehen, wo Frauen ihnen Muster abgeben für Produkte und Mitarbeiter von Fitnessketten Abos aufschwatzen wollen oder Gerätehersteller die neusten Foltermaschinen für die Lust am Schmerz und die Verbesserung der Leistung nach dem Arbeitsstress im Fitnessstudio zeigen.Eine Halle weiter ist die Musik voller harter Beats und die Produktmarken stechen sofort ins Auge. Die Ergänzungsprodukte, die alle mit Kraftausdrücken werben sind bunt, die Kleider für das Training ebenfalls und die Geldscheine der jungen Kundschaft wechseln über den Ladentisch, den sie möchten so sein, wie ihre Helden auf youtube. Eine dieser Star des Kaftsportes ist Mischa Janiec. Mehrmals wöchentlich veröffentlicht der Bieler seine Videos auf dem Kanal, zeigt seine Muskeln und Produkte. Nun kaufen die jeunes hommes diese. Neben den Ständen legen sich junge Männer legen sich auf die Bank, heben Gewichte, die zu schwer sind für ihre noch nicht ausgewachsenen Glieder. Ihre Suche nach Männlichkeit dokumentieren diese Jünglinge nach dem Gewichtheben anschliessend mit einem Posieren für ein Foto auf den Sozialmedien. Mir geht beim Zuschauen ein Buchtitel durch den Kopf: Im Fegefeuer der Eitelkeit.In der grossen Halle des Stadions wird im Halbstundentakt mit der Masse geturnt. Jane Fonda, die Aerobic-Vorturnerin aus den 80-er hätte ihre Freude daran gehabt wie auch Arnold Schwarzenegger, Den in der nächsten Halle lockt ein aufgestellter Moderator Besucher an die Geräte. Die älteren Jahrgänge beschränken sich auf das Zuschauen oder wechseln in den Untergrund, wo Yoga und Pilates angeboten wird.Auf dem Weg zu Fitness Podiumsgespräch lichtet ein Fotograf Körper von Bodybuilder ab und ich denke mir, das Maschinen auch bei der Gesundheit immer wichtiger werden oder helfen sie nur das Mittelmässige am Menschen mit seinen Problemen und Schwächen zu verdecken? Nach der gesunden Nahrung ist die Fitness über das letzte Jahrzehnt zu einem der grössten Wirtschaftszweige überhaupt aufgestiegen. Doch der Gang ins Fitnessstudio steht einem Wechsel bevor wie Hans Muench, Direktor der IHRSA in seinem Referat bestätigt. Apps mit Uebungen für zu Hause laufen den Geräten und den überteuerten Studio-Abos den Rang ab. Waren die USA bei der Kraftgeräteherstellung lange führend, haben die Asiaten aufgeholt und fast im Monatstakt werfen die Hersteller neue Trends auf den Markt, die an den Mann gebracht werden müssen. Damit dies geschieht, sammeln Fitnessketten wie die Suchmaschinen im Internet viele Daten über ihre Studiobesucher, damit sie sie durch den Personaltainer oder virtuelle an sich binden können. Der gläserne Mensch gibt es also auch im Fitnesstudio.Es ist kurz vor Mittag. Die Masse an jungen Menschen wird immer grösser. Sie strahlen mit ihren Körpern Schönheit, aber auch Ehrgeiz und Verbissenheit aus. Die Besucher der Fitnessexpo sind Menschen, die es zu etwas bringen wollen im Leben und ihren Körper im Studio für den Leistungs- und Konkurrenzdruck vorbereiten. Hier holen sie sich Tipps, wie und wo es noch besser gehen könnte. Interessant war auch zu sehen, wie Ausländer oder andere Hautfarben die Fitnessangebote nutzen, um sich der europäischen Lebensweise anzupassen, damit das Bild auf facebook ein Waueffekt oder der erste Blick auf der Strasse ein wohlwollender wird.

Paul Lascaux - Mehr als Mord in Bern

Ueber die letzten fünf Wochen lebte Paul Lascaux das, als was ihn die Leser kennen, einen viel schreibenden Krimiautoren aus dem Breitenrainquartier Berns. Heute unterrichtete er wieder als Lehrer, Doch nach der Amtausübung radelte er mit seinem Rad zur Heiliggeistkirche zum Interview. Noch mit einer Schweissperle auf der Stirn beantwortet er meine erste Frage:Eine Literaturagentin sagte, ein Buch müsse ein Autor in einem Satz zusammenfassen können, sonst interessiere es sie nicht. Worum geht es im neusten Werk "Nelkenmörder"? Es geht um die tödliche Faszination vom Supermodel der Renaissance und um das schräge Detektivenpaar aus dem Breitenrain.Natürlich war das sehr oberflächlich und salopp ausgedrückt, Der Krimi stochert in den Dunstkreisen von Raubkunst, Kunstfälscher und Geldwächserei. Auf der Front nah es Bundeshauses stellt sich Paul Lascaux vor den Marronistand und verrät, dass hier ein Berner Original bedient, das unter anderem Namen auch in seine Krimis von Bern eingeflossen sein könnte. Sie sind ein Literaturgeograh, der das Geschehen der Stadt und Kanton Berns mit Fiktion vermischt, warum?Ich liebe es Geschichten zu erzählen. Zum realen Hintergrund gesellt sich in meinen Krimis seit rund zwanzig Jahren eine fiktive Geschichte. Der Wiedererkennungswert für die Leser ist damit gegeben und deshalb meine Stärke. Ausserdem passt dieses Konstrukt in die Verlagsreihe mit Autoren mit einem lokalen Touch.Durch Marktgasse geschlendert, stellt Paul Lascaux fest, dass er in den letzten fünf Wochen nie shoppen war, nur geschrieben hat in seinem Haus im Breitenrain. Dazwischen sei er schnell ins Migros einkaufen gegangen oder habe das Brot vom Bäcker geholt, obwohl er eine Brotpackmaschine hätte. Er schliesst das Rad ab und stellt sich vor den Kindlifresserbrunnen und ich frage:Waren früher viele Ereignisse flüchtig, wird heute alles, was geschieht auf der Welt im Internet oder mit dem Handy dokumentiert. Ist es da als Autor nicht schwer fiktional zu arbeiten?Der Krimi ist ja die aktuellste Gattung der Literatur. Ich kann reale Probleme aufzeigen und trotzdem eine fiktionale Handlung drumherum schreiben. Ich bin bei der Recherche schon sehr genau, spreche mit Fachleuten, gebe ihnen das Geschriebene zum Nachlesen, den Leser lesen genau.Nachdem uns ein Abt und die Polizei beim Zytglockenturm begegnet sind, will Paul Lascaux zum Münzplatz und als St. Galler, der fast sein ganzes Leben in Bern verbracht hat, weiss er auch die Geschichte zu diesem Platz und zeigt mir diese mit der eingemeiselten Zeichnung hinter den Bäumen des Casinoparkplatzes. Dank eboobs sind heute Bücher Inhalt kein Gegenstand mehr. Schreiben sie Krimis um unerkannt zu bleiben und schnell verdauliche Ware zu produzieren?Nein, ich begann 1983 mit Schreiben und fünf Jahre später erschien mein erstes Buch im Alter von 32 Jahren. Als Lehrer, BZ-Kritiker wählte ich einen Künstlernamen, damit sich nicht beide Welten kreuzen. Mich interessieren Krimis, weil sie doppelt funktioneren. Auf der einen Seite vom Verborgenen ins Enthüllende und umgekehrt.Zwischen Trams und Autos wechseln wir rasch die Strassenseite, wo Paul Lascaux die Aare erblickt, lächelt. Ja, auch hier hat der Berner Autor schon eine Leiche verschwinden lassen. "Nelkenmörder" ist kein klassischer Krimi, eher Prosa mit Krimizügen. Raffiniert gemacht, aber auch irgendwie neu für Paul Lascaux oder irre ich mich da? Ich bin kein Actionautor. Ich verwebe immer etwas Geschichte von Bern in meine Bücher und im neusten " Nelkenmörder" gehen die Spuren bis nach Florenz in die Renaissance. Ich möchte Stimmungsbilder schaffen mit meinen Worten und die Sinne ansprechen, darum wird auch relativ wenig gemordet in meinen Büchern. Im "Nelkenmörder" wird viel gesprochen und ich habe lange an den Dialogen gefeilt.Es wird dunkel und im Casinocafe erzählt der Autor beim Kaffee und Tee, dass er sich seit neustem auch gerne in ein klassisches Konzert setzt, obwohl er doch Rockmusik liebe. Auch besuche er als ehemaliger Kunstgeschichtsstudent Ausstellungen und habe gerade bei einer Wanderung durch das Lötschental viel fotografiert, da sein neuer Krimi auch in dieser Gegend spiele. Bald habe er mehr Zeit zum schreiben, den nächsten Juni lasse er sich pensionieren. Doch so wie ich Paul Lascaux kenne, wird er sich auch dann selber disziplinieren, schon früh in den Garten setzten und täglich bis 12 Seiten von Hand schreiben über das Ermittlerehepaar Heinrich Müller und Nicole Himmel aus dem Breitenrain und einen Mord in Bern.Paul Lascaux Nelkenmörder Gmeiner Verlag

Die Legos und Miro in Zürich

The Art of the Brick - Puls 5 Zürich bis 10.1.16In der Kindheit des Nathan Sawaya aus Washington muss es gewesen sein, wie bei uns. Die Mädchen hatten die Barbies und die Buben die Legos, um die Welt der Erwachsenen nachzumachen, um sie zu verstehen. Aus dem Amerikaner wurde ein Anwalt bis das Kind in ihm wieder nach dem dänischen Spielzeug rief und er wieder begann zwischen Daumen und Zeigefinger mit den zackigen Steine zu spielen und diesmal Werke namhafter Künstler nun als eigener Künstler nachzubilden. Das war der Anfang einer Bildhauerkarriere mit Legos.Bis zu einer Million Legos hat Nathan Sawaya in der 100 Arbeiten umfassenden Ausstellung in Zürich benutzt, um Menschen,Tiere und Gefühle dazustellen. Waren die ersten Arbeiten noch historische Figuren wie der römische Heerscher Augustus oder Michel Angelos David, verwendete Sawaya die Steine und ihre 3 D Dimension später um Gefühle hervorzurufen oder sich philosophische Fragen zu stellen und die Antworten mit den stets an Pop Art erinnernden Legos zu malen oder besser gesagt, darzustellen. So findet das Selbstporträt oder der Totenkopf Einzug in die spezielle Kunst mit einem Kinderspielzeug.Alle Werke haben etwas von verpixelten Bilder und spätestens mit der Zusammenarbeit mit dem Fotografen Dean West in der Serie "In Pieces" findet das Legoobjekt eine neue Heimat. Die Bahnschiene oder der Regenschirm aus Lego wird nun in der Landschaft als echter falscher Gegenstand in Szene gesetzt zusammen mit Menschen, die ihrem Alltag nachgehen und die Kamera hält diese Szenerie als Foto fest.Zu Schluss der Ausstellung, die sich sowohl an Erwachsene wie Kinder richtet, kann jeder selber in den Kasten greifen und mit den Legos Kunst oder Spielzeug wie anno dazumal machen.Miro - Mauer, Fries und Wandbild - Kunsthaus Zürich bis 24.1.16 Das Glück des Katalanen Joan Miro war es einige Jahre vor Picasso berühmt zu werden, den nur so konnte sich die Kunstwelt an das Wenige, was auf seinen Gemälden war gewöhnen und für gut finden. Noch heute rutscht es Nichtkunstkernern aus dem Mund, dass sie diese paar Pinselstriche, ein wenig Farbe auch selber hätten malen könnten, den sie erinnerten an Kinderbilder. Doch dieses Oberflächliche und Einfache ist die Absicht des Künstler, der die Malerei ermorden wollte und die abstrakte Sparsamkeit wie den angstfreien Umgang mit der Leere im Bild und an der Wand sein ganzes Leben suchte.Die aktuelle Ausstellung in Zürich setzt das Wandbild in den Kontext des Gesamtwerkes und veranschaulicht mit Werken aus allen Epochen der Laufbahn des Künstlers seine Liebe für grosse Formate. 70 Werke Miro, 70 Linien, Farbklecks, Fabelwesen auf Leinwand, Sandpapier oder Sackleinen gegen die Trübsal des Lebens, das findet sich im Kunsthaus Zürich mit Leihgaben aus privaten und öffentlichen Sammlungen. Die momentale Form und die Reduziertheit der Bildsprache zeugen auch vom Vertrauen Miros in die Interpretationslust der Zuschauer, der das Grossfigürliche von kindlicher Leichtigkeit zu deuten weis mit seiner Phantasie.Gerne hätte man sich für diese Ausstellung noch ein besseres Licht gewünscht, damit die Texte neben dem Bild besser zu lesen wären.

Die verborgenen Naturschönheiten in der Urlandschaft Sense

Laut dem WWF ist die Sense zwischen dem Schwarzsee und Laupen der unberührtste Gebirgsfluss der Alpen. Peter Imhof aus Niederscherli zog bei jedem Wetter mit der Kamera durch die Auenlandschaft und wilden Schluchten. Sein Buch "sense" stellt er am 29. Oktober im Schloss Schwarzenburg vor.Ich als Laupener kenne nur das Ende der Sense. Wo fängt sie an und auf welchen Abschnitt haben Sie sich in Ihrem Buch konzentriert?Die Sense besteht aus der Warmen Sense - sie hat ihren Ursprung im Schwarzsee –und der Kalten Sense, die vom Gantrischsee und den Seitentälern der Gantrischlandschaft stammt.Die Sense mündet in Laupen in die Saane. Ihre Länge wird mit 35 km angegeben.Für mein Buch sind hauptsächlich die 15 km zwischen Guggersbachbrücke und Heiti-Büffelrelevant. Im Buch habe ich mich grösstenteils auf diesen Flussabschnitt konzentriert.Ich nehme an, der Fluss wurde durch das Abwasser der Alpen gegründet. Mir macht er auch etwas Angst und Freude zugleich, weil er so wild und ursprünglich ist. Geht es Ihnen auch so und welches sind ihre Geheimtipps und wo sieht man sein Leben an der Seite des Flusses am besten?Früher einmal war die Sense ein Gletscherfluss, mächtige Gletscher haben ihn mit Wassergespiesen, das bis heute eine 200 m tiefe Schlucht in den Molassegrund eingegraben hat.Der Name „Sense“ stammt angeblich aus der Keltenzeit (um ca. 600 Jahre v.Chr.) und bedeutet „die Mächtige“Wenn ich die Sense möglichst für mich geniessen will, dann investiere ich am liebsten ein bis zweiStunden Fussmarsch von der Sodbachbrücke flussaufwärts. Doch der Fluss kann immer und überallfaszinieren. Wichtiger ist, dass man all die schönen und spannenden Dinge sehen und entdecken kannIm Sommer baden nahe der Schwarzwasserbrücke viel nackt , machen Steinmännchen, die dann im nächsten Sommer verschwunden sind, weil das Wasser die Landschaft verändert. Gehen Sie nach jedem Unwetter dem Fluss entlang um Veränderungen zu fotografieren oder wie erleben Sie die Jahreszeiten am Wasser?Ehrlich gesagt, mich und noch viele Flusswanderer stört die FKK Szene von der Hängebrückebis praktisch vor die Ruchmühle extrem. Es scheint sich jedoch endlich etwas zu bewegen.Ich begegnete diesen Sommer Polizeipatrouillen, die die Aufgabe hatten, Nacktbadende mitzu büssen.Was mir auffällt ist, dass sich die Senselandschaft tatsächlich laufend verändert. Jedes Hochwasserhinterlässt seine Spuren. Natürlich bin ich jedes Mal gespannt, wie und wo sich die Senseverändert hat. 2014 hat es zwei Hochwasser gegeben, die zu sehr markanten Veränderungender Flusslandschaft geführt haben. Diese habe ich dokumentiert und teilweise im Buch abgebildet.Gerne würde ich einmal eine markante Flutwelle beobachten. Doch solche Ereignisse geschehennicht selten in der Nacht.Ich versuche, jede Jahreszeit an der Sense zu erleben. Die grösste Schwierigkeit besteht jedoch darin,dass der Wasserstand in der weglosen Senseschlucht für mein Durchkommen bestimmend ist.Bei einem Wasserstand zwischen 2 und 5 Kubikmeter/Sekunde (wie sehr oft in diesen Sommer) ist ein Queren des Flusses problemlos. Bei höherem Wasserstand wird es zum Risiko oder sogargefährlich. Bei einer Wanderung von ca. 5 Stunden in der Schlucht quert man dabei mindestens50mal das Wasser. Zu solchen Strapazen sind nur wenige bereit.Sehr eindrücklich war die Sense im Winter 2012 mit Temperaturen von 20 Grad minus.Grosse Teile waren damals zugefroren zu einer kompakten Eisdecke. Märchenhaft!Jede Jahreszeit hat hier ihre eigene Faszination.Der Landraub für Wohnhäuser ist in diesem Land extrem.Welchen Gefahren ist die Sense ausgesetzt?Die Sense steht grösstenteils unter Naturschutz – sowohl vom Kanton Bern wie auch vomKanton Freiburg. Sie ist ein Fluss von nationaler Bedeutung. Bauten in Flussnähe sind praktischnicht mehr möglich. Vor Jahren wurden einige Wochenendhäuser im Uferbereich sogar abgerissen.Jedes Hochwasser hat den Vorteil, dass es viel Unrat, den die Camper jeweils vergessen,nachsichtig wegschwemmt.In Ihrem Buch hats auch Tierfotografien. Nichts ist so schwierig wie Tiere vor die Kamera zu bringen. Uebernachten sie vor Ort oder sind Sie verkleidet als Naturmensch, um die Tiere so nah ran zu bekommen?Im Buch habe ich mich vorwiegend auf Reptilien, Amphibien und Schmetterlinge konzentriert.Diese Tiere sind tagaktiv und lassen sich mit der nötigen Geduld und entsprechender Kenntnisin der jeweiligen Tages- und Jahreszeit gut fotografieren.Gemsen, einen Hirsch, den Biber, den Luchs oder seltene Vögel vor die Kamera zuzu bekommen ist viel zu aufwändig und erfordert teure Fotoausrüstungen. Und dies würdetatsächlich bedingen, dass man in der Schlucht übernachten müsste. ln einer Glunggemit der Taucherbrille unter Wasser in einen Fischschwarm hineingeraten. Hunderte von Fischenum mich herum, die vor mir nicht geflüchtet sind. Ich hatte den Eindruck, dass sie mich als „Mitfisch“akzeptiert haben. Ein Erlebnis, das mich noch heute fasziniert.

Von Afrika nach Düdingen - die ungewöhnliche Schrifstellerlaufbahn des Jean Pascal Ansermoz

Es ist kalt an diesem Herbstsonntagnachmittag, doch für den Schriftsteller Jean Pascal Ansermoz kein Grund sich nicht auf das Experiment einzulassen, sechs Fragen in einer Stunde beim einem Spaziergang durch seinem Wohnort Düdingen zu beantworten, kurz vor seiner Lesung bei Stef's Kultur Bistro.Literatur kann nichts verändern, ausser als ein Mittel gegen die Dummheit der Welt ankämpfen, behaupte ich. Warum sollen man Ihre Bücher lesen?Ich versuche mit meiner Literatur wie "Längs no zum pressiere?" Positive zu sein als ein Mittel gegen die täglichen negativen Schlagzeilen. Wie hier beim Kioskcafe im Zentrum Düdingen habe ich auch bei meiner sechsjährigen Tätigkeit als Buchhändler im Berner Bahnhofsbuchladen die Leute beobachtet und auf meinen Leserreisen nach Frankreich schnappe ich Alltagssituationen auf und bearbeite sie mit dem Stilmittel der Satire. Ich begann meine Schriftstellerkarriere 2004 auf französisch, heute schreibe ich auch auf deutsch. Als ich Sie das erste Mal sah im Buchladen oder der S-Bahn, so ein kräftiger Mann hat noch andere Spuren als schweizerische. Da lag ich nicht ganz unrichtig oder?Ich wurde in Dakar geboren, mein Vater war da Ingieuer Chemiker, ging in die französische Schule und war eine Leseratte, die immer mit einem Stapel Bücher in die Ferien ans Meer reiste. In den 80er Jahren kamen wir in einem Vorort von Basel zurück und ich ging nie mehr nach Afrika zurück, Nach dem Studium der Geisteswissenschaften in Lausanne lernte ich meine Frau kennen, die hier in Düdingen wohnte.Hier sind wir vor dem Brockenhaus, ein tolles Haus mit Geschichte. Auch wenn der Ort im Zentrum modern aussieht, findet man sofort in den Nebenstrassen Orte für meine Geschichten wie die Kirche oder die kommende Zugsbrücke.Düdingen ist ja ein Paradebeispiel für den Röstigraben mit den Gegensätzen Deutsch, Welsch. Auch Sie schreiben Gegensätzliches wie Krimis und Prosa?Schreiben von unterschiedlichen Literaturgattungen ist auch ein Spiegel von mir.Ich schreibe Bücher, die ich gerne auch lesen würde.Ich liebe Spannungsliteratur wie den Krimi, wo ich ein Thema extremer darstellen kann als in der Prosa. Eine Kurzgeschichte schreibe ich in 3-4 Stunden an einem Krimi bin ich 8 Monate dran und falle regelmässig in eine Depression, wenn ich ihn abschliesse und die Figuren darin verlasse. Da helfen mir Spaziergänge durch den Ort und die Natur. Nun gehen wir zu den Schrebergärten während über uns der Intercity rast.Sie haben gerade auf Ihr Smartphone geschaut, wie viele Junge oder die Pendler lesen Gratiszeitungen. Wie wollen Sie als Selfmademan Leser gewinnen?Ich bin aktive auf den social media, das gehört heute dazu. Ich mache nach negativen Erfahrungen mit Verlagen und Literaturagenturen alles selber. Publiziere auch on demand wie auf auch bei Verlagen und bin sehr viel unterwegs zu Lesungen. Ich schreibe 2-3 Bücher pro Jahr, habe eine Familie und es braucht Selbstdisziplin dieses Pensum durchzuhalten. Deshalb schreibe ich auch nachts, den 20 Seiten pro Woche müssen es schon sein. So nun gehts bergauf zum BahnhofNoch nicht auf dem Bahnsteig angekommen, hört man in Düdingen den Senslerdialekt, in der Freiburger Altstadt sprechen sie "Bolze" Ist dieses Umfeld für das Schreiben in Deutsch und Französisch wichtig?Es ist tatsächlich anregend und ich leiste mit meinem Baslerdialekt noch Eingabe zur Dialektvielfalt. Ich fühle mich hier sehr wohl, den hinter diesen Menschen mit den einzigartigen Dialekten sind Traditionen und das ist mir wichtig. Nun wird es aber kalt und die S-Bahn fährt ein..Mit oder ohne Zug. Was macht der Jean Pascal Ansermoz hier im Herbst?Als ich noch kein Vater war, ging ich gerne ein paar Tage ins Kloster Hauterive zum Rückzug. Nun gehe ich nicht mehr oft aus. obwohl Düdingen mit dem Bad Bonn oder anderen Orten Unterhaltung zu bieten hat. Mit den Kindern besuche ich gerne die Düdinger Möser, ein Naturschutzgebiet, das nah meiner Wohnung liegt. Meine Lesung bei Stef's Kultur Bistro in Ostermundigen findet am 22.10. statt und ich werde neben Gedichten,. Kurzgeschichten auch singen.

Musik und Geschichte in Avenches - Spaziergang mit Singer/Songwriter Christian Tschanz

Sänger und Liedermacher Christian Tschanz ist Ambassador von Avenches, seine aktuelle CD heisst "Aventicum". Was bedeuted für Sie diese Kleinstadt mit rund 4200 Einwohner und Wurzeln bis 15 -13, Jahrhundert v. Chr.?Vor 21 Jahren wollte ich als Thuner ein Welschlandjahr machen und fand eine Lehrstelle als Metzger in Avenches, wo ich bald darauf meine Frau vor Ort kennen lernte und heiratete.Wir haben hier alle acht Kinder gezeugt, meine Musik der drei Alben ist hier entstanden wie auch meine Musikschule, wo ich täglich unterrichte. Als Ambassador singe ich bei Anfragen des Tourismusverbandes die offizielle Hyme "Aventicum"- ein Lied von mir oder trage es wie kürzlich bei einem Konzert in Albanien in die Welt hinaus.Die Geschichte ist in diesem Städtchen vor und hinter den Mauern sehr gegenwärtig. Wie gehen sie als Kleinkünstler mit dem Vergangenen um?Ich liebe Geschichte, weiss über den Ort und seine Spuren wie das römische Theater Bescheid. Ich bin auch ein Mensch, der gerne zurückschaut auf die Zeit mit meiner Frau, die ich seit dem 16. Lebensjahr kenne und wie wir gemeinsam etwas hier aufgebaut haben. Beim Spaziergang durch die Mauern und Ruinen mit meinen Kindern kommt das lange und das kürzliche Vergangene zusammen und es entsteht eine neue Geschichte.Sie haben sich hier im Waadtland eine Musikerkarriere aufgebaut, die in der Deutsch- wie Welschschweiz dank Texten in der jeweiligen Sprache funktioniert. Welche Charaktereigenschaften mussten sie entwickeln, um im Musikgeschäft als Berner Oberländer zu überleben?Ich wusste mit 13 Jahren, dass ich Musik machen wollte, musste aber zuerst etwas Bürgerliches lernen. Dann schrieb ich fast zehn Jahre Texte, lernte die Gitarre spielen und komponieren bis im letzten Jahrzehnt vor das Publikum trat. Das Musikgeschäft ist wie ein Boxkampf, man kämpft sich hoch. Stolz bin ich neben den drei Alben, DVD, unzähligen Konzerten auch auf die Musikschule mit 60 Schülern.Avenches mit Sicht auf historischen Bauten, den Mont Vully und Murtensee hat auch was Spirituelles? Sie machen Musik, haben viele Kinder, sind sie ein religiöser Mensch?Ueber Religion zu sprechen, ist bei mir eigentlich tabu. Es ist etwas sehr persönliches. Ich gehe bei der Geburt, Hochzeit und dem Tod in die Kirche. Religion ist für mich, das, was ich aus dem Leben mache. Ich lebe weniger nach einer Religion, als mit dem gesunden Menschenverstand. Die Musik hilft mir bei der inneren Entwicklung. Sie ist zuerst etwas für mich selbst, das ich später weitergebe. Und ich wusste schon früh, was ich will und bin kein Suchender mehr, das spart Zeit.Ihre Texte sind oft persönlich. Könnte es sein, dass sie in Zukunft auch Themen wie die Flüchtlingspolitik aufnehmen und darüber singen?Mein Song "au paradies" für die Vorentscheidung zum Eurovision handelte von einem Flüchtling. Meine Kinder erzählten mir die Geschichte, wie ein Mitschüler nicht mehr erschien, als er ausgeschaft wurde. Die Texte und ihre Themen haben mit mir zu tun, sie sind daher authentisch.Die Herbst ist da und der Nebel legt sich über die Felder, wie wir bei den Fotoaufnahmen sahen. Was kann man nun in Avenches machen und was steht bei Ihnen an?Im Sommer ist mit dem Open air und dem Klassikfestival und den vielen Touristen hier sehr viel los. Jetzt findet der Besucher Ruhe, kann stundenlang spazieren zum See oder durch Wälder, den Mont Vully Kuchen im Hotelrestaurant de la Couronne geniesen, wo mein erster Sohn gerade eine Kochlehre macht. Ich spiele noch einige Konzert diesen Monat, dann mache ich Weihnachtspause und bereite die Vorproduktion zur neuen Cd vor.

Erotik und Artistik am Rand zur Orgie - Ohlala-Zirkus

lDie Stunden vor Mitternacht gehören in den Schweizer Schlafzimmern der Liebe. Nachhilfestunden in Sachen Erotik und Körperverrenkung gab es im Beisein von viel Prominez an der Gala-Premiere in Dübendorf bei Gregory Knies "Ohlala"-Zirkus. Wurde beim fünften Mal eine Grenze überschritten?Als Sprössling der 7. Generation Knie hatte der heute 37-jährige Gregory Knie in der Kindheit einen tollen Spielplatz zwischen Tieren und Artisten, aber ein Problem. Er hat kein Talent, um in der Manege wie sein Vater den Clown zu spielen oder abseits Bilder zu malen. Also studierte er Wirtschaft und betreibt seit seiner Rückkehr von Mallorca und den USA in die Schweiz mit seinem Vater den "Salto Natale".Doch sein Lieblingsarbeitsplatz ist seit fünf Jahren als Produzent und Regisseur der "Ohlala" Zirkus. Jeden Herbst versucht er dem Untertitel "Sexy-Crazy-Artistic" gerecht zu werden, indem er Künstler aus der ganzen Welt in sexy Kleider steckt, sie ihre Artistiknummern vorführen lässt und weil das alles schon wie alles im Zirkus mal gesehen wurde, legen die Herren und Damen am Schluss manchmal ihre Kleider ab. So wie Jean Passos, der im zweiten Teil der zweistündigen Show in einer Badewanne plantscht, während über ihm Tücher hängen. In nassen Unterhosen zieht er sich dann hoch, macht seine artistische Darbietung und eigentlich starrt in diesem Moment jeder nur auch seine Stofffetzen. Wieder im Wasser entledigt sich der Brasilianer seiner Hose. Für einen kurzen Moment verzieht er sein Gesicht, die Haltung wird unsicher, doch das Publikum tobt und die Regieanweisung heisst, raus aus dem Wasser und nackt zum Bühnenausgang.Gregory Knie möchte mit seinem Zirkus bewusst Grenzen überschreiten und so müssen jedes Jahr neue Effekte her. Das Ballet des Zirkus spritzt sich im gedämpften Licht Neofarben auf die nackte Haut, am Schluss zieht eine Frau ein Plastikbaby aus ihrem Schnitt. Der Applaus ist verhalten, war wohl zuviel des schlechten Geschmacks.Dann kommt Latigos. Auf den ersten Blick ist es ein Latino mit Peitsche. Er holt eine Zuschauerin aus dem Zelt, greift sich dabei ein Dutzend mal in den Schritt, gibt ihr Papierrollen in den Mund und eine Rose in die Hand. Die Peitsche knallt, die Sachen sind entzwei, Noch komme etwas für die überrumpelte Zuschauerin, sagte der Mann, das Kostüm fällt und die Frauenbrust von Judith Perozo aus Venezuela verblüfft alle. Das war "fifty shades of grey" in einer Zirkusvariante. Die fünfte Ausgabe des "Ohlala-Zirkus" setzt im ersten Teil auf den ästhetischen Genuss von schönen, durchtrainierten Körpern in schrillen Kostümen und ein Verbesserung in der Chorografie, dem Ablauf und des Lichts. Wortlos gingen die Nummer des Sich-Verbiegens, Liebesklamauk, Partner- und Hula Hoop-Tanz in schnellem Tempo aber wenig provokativ über die Bühne. In der Pause lieferte das Zirkusballet eine Orgie im Aufenthaltsraum,was mache Zuschauer verärgerte und gab so den Ton an für den zweiten Teil der Show, der die grösste Boulevardzeitung der Schweiz dazuverleitete, Gregorys Knie Variante als "Sex-Zirkus" abzustempeln. Etwas hart, aber nicht ganz falsch. Die prickelnde Atmosphäre der Anfänge des "Ohlala"-Zirkus ist einer direkten Erotik gewichen. Es ist die Phantasie von Gregory Knie, eine männliche. Wäre schön, wenn er sich mal eine Frau als Regieassistentin holen würde. Dann käme vielleicht weniger Effekthascherei raus und mehr Herz und Intimität.

Der Mann hinter Arno Camenisch

Der in Biel lebende Schriftsteller Arno Camenisch ist der erfolgreichste Schweizer Schreiber der Gegenwart. Gerade ist sein neuestes Werk "Die Kur" erschienen. Urs Engeler ist sein Verleger und gibt im Interview Einblicke in die Zusammenarbeit mit dem Bündner Autor.Urs Engeler, wann begegneten Sie Arno Camenisch das erste Mal?Das war am Bieler Literaturinstitut, wo ich Dozent bin. Arno las fünf Minuten aus einen Text bei einer öffentlichen Lesung. Er war witzig, sehr päsent und ich war begeistert. Das war 2007.Welches sind Ihre Aufgaben als Verleger und Betreuer von Arno Camenisch?Die Aufgaben sind vielfältig. Ich lese seine Texte, versuche sie zu verstehen und mache ihn auf Sachen, die darin nicht funktionieren aufmerksam. Die Texte der ersten Bücher kamen fast fertig auf meinen Schreibtisch und ich musste nur kleine Aenderungen vornehmen. Bei neuen Buch "Die Kur" ging es langsamer zu und her. Wir haben Episode um Episode angeschaut. Mir war im ersten Entwurf der Mann des pensionierten Ehepaares, das bei einen Wettbewerb vier Nächte in einem Fünfsternhotel gewinnt, zuerst zu extrem. Eher unsympatisch, da er ein grosser Nörgler ist. Ich habe meine Gedanken Arno mitgeteilt und nun ist die Figur verfeinert rausgekommen.Kann Arno Camenisch eigentlich veröffentlichen, was er will?Ja, es ist seine Literatur nicht meine. Mein Geschmack ist zweitrangig und nicht massgebend, ob ein Text veröffentlicht wird oder nicht. Ich bin eher für die sprachliche Kleinarbeit da, die Wortwahl, den Rhythmus usw.Warum ist der Bündner so erfolgreich auf der ganzen Welt?Weil er es sein will.Er macht ja extrem viele Lesungen, kann bei einer Anfrage fast nie nein sagen. Zudem ist es seine Person, sein Charm, seine Art, den Text aufzuführen, die eine Lesung unterhaltsam machen. Er bekommt auch viele Anfragen für Kolumnen in Zeitungen. Bis jetzt hat er keine gemacht. Ich plane auch seine Termine. Schlussendlich macht Arno, was er will.Ist ein Verleger auch da, wenn es bergab geht?In der Oeffentlichkeit nimmt man Arno als Strahlemann wahr, doch es gab in den sieben Jahren Zusammenarbeit Auf und Abs beim Schreiben. Da gab es auch intensive Gespräche.Wird aus einer Verlegerzusammenarbeit auch eine Männerfreundschaft?Ja, wir machen manchmal einen Ausflug mit der Tochter von Arno zusammen.engeler verlagWas die Glarnerin Christa Pelliciotta über das neue Buch von Arno Camenisch "Die Kur" denkt, sehen sie hier.

Ist Io senza te das neue ewigi Liebi Musical?

Sieben Jahre hat Peter Reber am Musical "Io senza te" , das nicht die Geschichte über der Schweiz erfolgreichstes Trio Peter, Sue und Marc ist, geschrieben und herausgekommen ist ein unterhaltsamer Abend mit unlogischen Handlungssträngen.Im fernen Bahamas beschliesst die Tochter eines Aussteigers nach ihrem Wirtschaftsstudium zurück in die Schweiz nach Zürich zu reisen, wo die entspannte Lebensweise der Hektik zwischen Technologie und dem Geld nachrennen folgt. Dieser Einstieg ins Muscial "Io senza te" überrascht. Verloren zwischen Dow Jones und Bildschirm versucht Ky (Anja Haeseli) im rauen Berufsalltag einen Halt zu finden. Der Einstieg ist zwar auch mit Liedern des Trios untermalt, aber ist auch eine Kritik an das Computerzeitalter und eine Parodie auf die Schweizer Mentalität, bei der durch die restlichen drei Stunden, die Zürcher oft das Fett wegbekommen. Gleichzeitig lernt der Zuschauer die zwei weiteren Handlungsorte kennen mit ihren Darstellern. Zum einem das Ehepaar und Besitzer der Bahamas Bar, zum anderen die WG von von Dieter (Jörg Neubauer),der studiert, aber lieber am Computer Musik komponiert und Gio (Ritschi)der in der Bahamas Bar arbeitet und sich in Kay verliebt, als diese einen Peter, Sue und Marc Song zum Besten gibt. Während sich das Ehepaar des Barbesitzers am zehnten Hochzeitstag trennt, gründen Dieter, Kay und Gio eine Coverband mit den Hits des legendären Trios aus Bern. Doch wie der Manager sagt, sie haben das Leiden, die Sehnsucht und das Fernweh massentauglich gemacht, wirken wie Peter, Sue und Marc, sind aber nur ein Generikum. Solche Sprüche und Seitenhiebe gibt es neben den typischen Musicalmerkmalen wie Gesang, Tanz und Drama und etwas Erotik (Richie nackt in der Dusche) viele, so dass das Publikum nach dem ernsten Einstieg nach 40 Minuten einem Musical, dass auch als Volkstheater sein könnte, beiwohnt. Bis zur Pause wird jeder Song, jeder Gag mit Applaus bedankt vom Publikum mittleren Alters, dass man meinen könnte, die Schweiz hätte zwei Jahre nach dem Ende von "Ewigi Liebi" einen neuen Hit mit Hits aus dem eigenen Land.Der zweite Teil, oh je!Das Theater 11 in Zürich Oerlikon gab Peter Reber eine Chance, sein musikalisches Erbe mit einer Geschichte einer jungen Band im Spannungsfeld von Selbstverwirklung und Kommerz und auf einer anderen Ebene eines Ehepaars in Krise aufzuführen. Doch der zweite Teil dieser Geschichte ist missraten. 90 Minuten lang wird nun jeder zehnte Sätze mit einem Hit aus den 70/80er Jahren von Peter, Sue und Marc und einigen neuen deutschen Liedern gesungen und jeder Aspekt der beiden beschriebenen Ebenen zu detailliert dargestellt. Das Musical kommt ins Stocken. Zwar haben die drei Hauptdarsteller ausgiebig die Möglichkeit ihre Gesangeskünste , hier sei besonders die von Anja Haeseli hervorgehoben, weniger das schauspielerische Talent von Richie darzustellen, aber die Zeit läuft davon, so das der Schluss mit einer Zusammenkunft aller in der "Swiss Bar" auf Bahamas völlig unlogisch ist, war doch das Trio kurz vorher noch bei einem Fernsehauftritt als Revuesänger mit dem Titel "Charlie Chaplin", übrigens der musikalische Höhepunkt des Abends.Doch in Peter Rebers Welt haben sich alle lieb und so ist dann die Schlussnummer im Sitzen eine A-cappella-version von "Morning Sun" eine Versöhnungsnummer, obwohl sich das Trio vorher aufgelöst hat."Io senza te" ist nicht die Gesichte von Peter, Sue und Marc aber spielt mit vielen Aspekten aus dem Leben des Trios. Es vermittelt über lange Strecken Unterhaltung zwischen Ernsthaftigkeit und Festzeltniveau, hat viele Lacher, nimmt die Schweizer Mentalität, die Medien und Showgeschäft auf die Schippe, hat aber dramaturgische Fehler. Wer einen Abend mit den Hits der Abbas der Schweiz, wie Ex-Bundesrat Adolf Oggi das Trio nannte, will, bekommt es und schaltet dabei den Kopf am Besten aus und das Herz ein, Dann ist "Io senza te" ein Mittel gegen verlorenen Träume der Verlierer, die im Publikum sitzen, aber fast jede Vorstellung bis zum 1.November ausverkauft sein lassen.

Licht, Wasser, Weite - der Mont Vully gegen den Herbstblues

Falls Sie zu den Menschen gehören, die im Herbst bei dem aufkommenden Nebel und somit verminderten Sonneneinstrahlung melancholisch werden, ist ein Ausflug auf den Mont Vully eine gute Medizin gegen schlechte Laune.Auf 653 m. M. thront der Berg als Verbleib als der Murten-, Neuenburger- und Bielersee noch eins war. Die ehemalige Insel bewohnten die Kelten und die Helvetier. Feinfühlige Menschen werden aber neben sichtbaren Spuren dieser Stämme noch viel mehr Energie spüren, den die Natur ist dank Wasseradern reich.Von Murten fahren Schiffe über den See und halten in Motier, wo es Wanderwege durch die Rebberge, die nun geerntet werden auf der Waadtseite auf den Berg gibt,Der Anstieg ist anspruchsvoll, doch mittendrin tauchen Nahe des Hotel de Vully die Grotten von Lamberta auf,Wer nun denkt, die seien von den Kelten liegt falsch. Sie wurden 1916/17 zur Verteidigung des Mittellandes von der Armee gegraben wie auch der 200 m lange Stollen. Früher versteckten sich hier die Soldaten, heute spielen die Kinder mit den Löchern im Sandstein.Einen anderen happigen Aufstieg gibt es aus dem freiburgischen Sugiez, den viele Radfahrer wählen und einmal oben angekommen, bleibt ihnen die Luft weg, auch weil es hier eine Fernsicht um 360 Grad gibt, die weite Teile der Deutschschweiz, der Alpen und auf der anderen Seite die Westschweiz bis zum Chasseral zeigt. Da der Berg oben flach ist, ist es das Wandern leicht und die Zeugnisse der Kelten erscheinen bald. Das Oppidum von Bas-Vully auf den 2. Jahrhundert v. Chr. hat zwei westliche Sporn. Die Wälle sind eine Art Mauer aus Steinen und Lehm.Die drei Seen immer im Blick wandern wir weiter durch Weiden und das Licht ist so intensiv, dass hier besonders viele Bäume und speziell Eschen wachsen. Stellen Sie sich mal unter eine und sie spüren deren Energie.Vorbei an Landwirtschaft stösst man in den Wäldern auf bauliche Ueberreste von Bunkern, die aber dank zusätzlicher Bewaldung als Schadfleck im Verstecken bezeichnet werden darf.Waren auf der einen Seite die Rebberge prägend, sind es auf der Neuenburger Seite die Wälder. Wie Urwälder sind die Baumkronen ineinander vernetzt und das Unterholz ist voller Leben bis plötzlich ein Findling am Weg einen Namen trägt.Der Agazziz- Stein wurde von Gletscherforscher Jean Louis A. aus Motier entdeckt und stammt aus dem Furkagebiet. Agazziz, ein Wissenschafter, der später in den USA ein Star wurde und zu seinen Ehren dort Berge benannt wurden, Der Findling hat auch den Uebernamen eines rollenden Palastes. Lustig sind auch die Mythen um diesen Stein, in denen der Stein dem Teufel gehörte, der die Tore abends öffnete und Menschen verschluckte.Mit oder ohne Messgerät, die Schwingungen hier sind sehr hoch, spüren Sie sie selbst.Wieder aus dem Wald geht die Sonne unter, färbt die Rebberge golden und wir sind mit dem Licht des Wistenlachs wie die Deutschschweizer den Mont Vully nennen aufgeladen für den Winter.