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Miraval

Welscher Rockpop mit Berner Wurzeln

Wenn sich ein Zehnjähriger eine Scheibe von Black Sabbath unter dem Christbaum wünscht, um sie dann laut im Zimmer anzuhören und dabei alle Engel verschreckt, ist es eigentlich erstaunlich, dass Bernard Miraval erst im 45 Lebensjahr seinen Lebenstraum erfüllte und ein Rockpopalbum namens "a coeur ouvert" aufnahm. Noch vor dem Börsencrash und der Verdammung aller Manager hängte der Berner mit marrokanischen Wurzeln und heute in der Westschweiz Lebende seinen Job an die Wand, um sogleich die Rockgitarre umzuhängen und einzutauchen in seine Gefühlswelt, für die er 14 Songs voller Poesie fand. Mögen gleich zu Beginn von "a coeur overt" die Gitarren heulen, sind es die zahlreichen Midtempi-Nummern  und Balladen in französisch mit englischem Einschlag, die sagen, das etwas auch sanft sein kann um zu gewinnen und überzeugen. Die raue Stimme - die Schweiz hat endlich einen Rod Stewart-Ersatz - ist besonders auf "poussiere noire" eindringlich, wo der Welsche über seinen Vater singt, der schon mit 14 ein Minenarbeiter wurde. Der Rockblues eignet sich für Miraval als Kommunikationsmittel hervorragend, um diese Cd, die gleichzeitig auch ein Rückblick auf ein bewegtes Leben ist, wiederzugeben. Da hat einer emotionale Intelligenz mit Rockleidenschaft gut gepaart, so gut das es niemanden um die Festtage verschreckt, wenn der Kuschelrock auf franzöisisch durch der Wohnung schalt.

www.miraval-music.com

juerg kiclhherr am 28.10.08 14:25

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