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Pleroma

Pleroma - Rockiger Melancholiker

Mindestens einmal im Jahr reist Luca Colomba, Sänger der aufstrebenden Rockband Pleroma aus Thun nach Paris ans Grab von Jim Morrison oder als Italiener der dritten Generation mit Cure im Ohr nach Piemont zu den Grosseltern. Dann wird ihm bewusst, dass er eigentlich ein anderes Leben als das eines Bünzli in einer Versicherungsfirma führen möchte. Sein Wunsch und das seiner vier Bandmitglieder wäre es, sein zweites Ich, den Rockstar ganz zu leben. Bereits heute erzählt dieser Feierabendmusiker, dass nicht alles dunkel ist, was auf den ersten Anhieb dunkel erscheint. "Para: Noia King" ist das Debut, der unter dreissig Jährigen, die sich bereits 1998 kennengelernt haben, aber erst mit Hilfe der Thuner Band Aextra ihre Geschichte jetzt veröffentlichen konnten.

Auf dem Debut steigt Sänger Luca Colomba, der Mann mit den traurigsten Augen des Berner Oberlands, tief in seine Seele hinab und beschreibt bis zur Schmerzgrenze seine unterschiedlichen Phasen. Nachdem er alles gesagt habe über die Geister im Kopf, den Trennungsschmerz, gehe es ihm besser, berichtet Luca über die Reinigung vom Weltschmerz durch Songwriting. Doch dieses Hoch dauert nur kurz, die Schwermut kehrt zurück und die Traurigkeit singt wieder von Lucas Lippen Rock, der manchmal ziemlich poppig daherkommt. Das sei bewusst gewählt, schliesslich wolle man im Radio gespielt werden. Die Rechnung ging auf, DRS3 spielt ihr "Hello". Das sei ein Trostpflaster für die Mühen beim Fensterputzen, dem Job, den jeder neben der Lohnarbeit leistete, damit das Debut produziert werden konnte. Nun da es erschienen ist und sich Pleroma auf eine kommende Tournee vorbereiten, kann Luca Colomba wieder lesen. Hermann Hesse aber auch der Bandnamensgeber Schriftsteller Jostein Gaarder mit Sophies Welt liegen auf seinem Nachttisch. Die Philosophie, die Literatur sind die Hobbies von Luca Colomba, einem anderen Rocker aus Thun, der seine Rebellion gegen sein katholisches Elternhaus mit Musik auslebt und sich gerade überlegt, ob er nicht doch eine Seelenverwandtschaft mit dem Doorssänger eingegangen ist in der Stadt der Liebe. www.pleroma.ch

juergkilchherr am 5.12.06 23:43

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


leser (16.2.07 08:52)
sehr geile band! das interview kommt sehr sympatisch und echt rüber! habe mir aufgrund dieses berichtes gleich mal die cd gekauft und muss sagen: "oberklasse" hätte nicht gedacht das eine schweizer band einen solchen dampf an den tag legen kann! chapeau!