CH-Kultur pur - das Neuste aus der Schweiz

Ein Besuch im Papiliorama Kerzers

In den Regenwald zum Tanz der Schmetterlinge

 

 

Ein Blick über die schwarze Erde des Seelandes, wo Gemüsebauer ansähen, zeigt den Chasseral im Schnee, doch bald wird es tropisch schwül, als sich die Türe zur ersten von drei Kuppeln öffnet im Papiliorama in Kerzers. Gleich begrüssen ein Dutzend Schwalbenschwänze die Besucher und wer Glück hat, auf dessen Finger setzt sich einer der Tausend Schmetterlinge ab und schlägt mit seinen Flügeln. Die Anmut bei diesem Anblick ist gross, doch der Tierpfleger hat seine Augen auf die dünnen Holzstängel hinter Glas gerichtet. Hier kleben 400 Puppen aus Costa Rica und anderen Topen der Erde und warten bis die Zeit reif ist, bevor sich der Kokon öffnet. Dann fliesst Blut in die nassen Flügel und eine halben Stunde nach dem Schlüpfen fliegt der Atlasfalter durch die künstlich geschaffene Nachbildung des Amazonas in Kerzers. Der Biologe und Direktor Caspar Bijleveld will mit dem Papiliorama dem Besucher den direkten Kontakt mit Tieren und Pflanzen aus den Tropen näher bringen, informieren über die Art und ihren Lebensraum, aber auch aufzeigen wie sehr durch die Überbevölkerung in der näheren Umgebung und Südamerika die Vielfalt der Schmetterlinge und der vielen anderen Tiere bedroht ist. Gestorben wird aber auch direkt vor Ort. 40 Tage nachdem sich der Schmetterling mit Nektar ernährt hat, stirbt er und so finden sich auch in der Kuppel Schmetterlinge, die sich zum Sterben in die Höhle begeben. Der Besucher kann neben den Faltern die üppige Vegetation, die Vögel und den Wasserfall geniessen. Welche eine Poesie, doch bald geht es in die nächste Kuppel und hier ist die Welt verkehrt. Die Uhr zeigt 22.30 Uhr, aber es ist morgens. Im Noctorama ist es stockdunkel und es riecht stark, doch langsam gewöhnen sich die Augen an die Vollmond-Stimmung und schon fliegt ein Fledermaus durch die Luft, schwingt sich ein Nachtaffe von einem Ast zum anderen, während das Faultier den Nachwuchs säugt. Die wenigen Geräusche machen die unheimliche Stimmung noch grösser als sich eine grosse Anakonda  aus dem Wasser hinter einen Stein verkriecht  und einen Kadaver verspeist. Der Zuschauer kann von einer Brücke aus die nachaktiven Tiere aus dem amerikanischen Tropenwald beobachten und schon bald mehr. Denn das Papilorama beabsichtigt dem Zuschauer auch das Leben hinter den Kulissen, die Aufzucht von Tieren zum Fressen und anderes zu zeigen. Wer aber glaubt, dass alle diese Tiere eingefangen wurden, irrt. Sie sind Schenkungen von Zoos und schon von klein an den Menschen etwas gewöhnt.

Die dritte Kuppel ist das Herzstück der Stiftung des Papiliorama, die nicht nur den Schweizer die Tropen und das Leben dort näherbringen möchte, sondern auch konkret Natur schützt. 11000 Hektar gross ist das Schutzgebiet in Belize, einem Kleinstaat in Zentralamerika, das dank Gönnern am Leben erhalten wird und dessen Leben in der dritten Kuppel eins zu eins nachgebildet wurde. Der rosa Löffler, die Leguane, der Nasenbär und die frei lebendenden Tukane laufen in der üppigen Pflanzenwelt rum, wo die Wurzel der Bäume noch sichtbar und Bananenblätter riesig sind. Auf einer 7 m hohen Panoramabrücke durch die Baumkronen ist die Aussicht durch das Grün und die Vögel atemberaubend.

Ein Pavillon mit Schweizer Schmetterlinge, der Streichelzoo und eine Cafeteria runden diesen Ausflug ab und hinterlassen beim Zuschauer ein Gefühl von Poesie mit dem Leben der Natur rund um den Globus.    www.papiliorama.ch


 

juerg kilchherr am 10.3.14 20:15

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