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Das geheinmisvolle Buch des DADA - Kunsthaus Zürich

100 Jahre Dadaismus - das Kunstmuseum Zürich beginnt die Feierlichkeiten mit einer Ausstellung vom 5.2 bis 1.5.16 mit 160 Werken von 40 Künstlern zu einem Buchprojekt von Tristan Tzara unter dem Titel "Dadaglobe Reconstructed", das es so nie gegeben hat.Anfang November 1920 schrieb der Dada Mitbegründer und sein Freund Francis Picabia Max Ernst, Sophie Trauber und 48 anderen Künstlern einen Brief, indem er sie um die Mitarbeit mit einem neuen Werk an "Dadaglobe" bat. Per Post flatterten die schnellen Eingebungen der Künstler, zum Teil schon gefaltet, zu Tzara für sein Projekt die Kunstbewegung dokumentarisch in einem Buch festzuhalten. Daraus wurde nichts, doch die Entwürfe haben überlebt und sind nun im Erdgeschoss des Kunstmuseums Zürich im Raum neben der Kasse eng aufeinander ausgestellt.Dada in Deutschland war wie bei allen am ersten Weltkrieg beteiligten Staaten eine Reaktion auf die Versailler Friedensverträge und die daraus entstandene Ueberwachung der Kommunikationswege. Aus Angst vor der Zensur ist die Kunst verschlüsselt und so muss der Betrachter in der Ausstellung schon sehr nahe an die Collagen, um das Gemisch aus Literatur, Zeitungsauschnitten und Fotos zu entwirren und die Botschaft entziffern zu können. Vieles wirkt rastlos, schnell hingeworfen, doch Max Ernsts Einsendungen sind als ein Wechselspiel aus Reproduktion und Bildlegende zu einer neuen Buchseite trotz Kleinformat künstlerisch wertvoll.Dada in Zürich wurde am 5. Februar 1916 von Hans Arp, Hugo Ball mit dem Cabaret Voltaire an der Spiegelgasse 1 gegründet, also schon nach dem Krieg. 100 Jahre später sind mit der Ausstellung "Dadaglobe" die Werke der genannten Künstler und auch von Sophie Taeuber zu sehen, Geometrie, Kanten, Ecken, Figurliches. der leise Protest gegen die Staatssicherheit und Visapflicht des Nationalismuses kann jeder daraus lesen, der weiss, dass die Künstler nach New York schauten, weil die Stadt damals eine Weltoffenheit lebte, die sich die Künstler wünschten und die Bevölkerung eigentlich erst heute bei uns hat."Dadaglobe Reconstructed" ist zwar mit 160 Werken zusammen mit der Veröffentlichung der digitalisierten Dada-Sammlung des Kunstmuseums Zürich eine umfassende Rundumschau dieser Bewegung, doch die vielen Kleinformate ermüden. Besonders als Brillenträger muss man jedes der Werke fast mit der Nase auf dem Glas anschauen, weil sie klein sind und das ist mühsam und ein Besuch für Leute aus weiteren Orten lohnt sich nur mit einem Rundgang durchs Kunstmuseum. Doch mit einem DADA-Konstümball am 13.2. und der Retrospektive von Francis Picabia ab 3. Juni gibt es 100 Jahre Dadaismus in Reinform als was sich die Bewegung auch verstand, nämlich Lust am Spass.Kunstmuseum Zürich

juerg kilchherr am 4.2.16 09:18

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