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Ueber die Erfahrungen einer Zahnbehandlung in Ungarn

Seit Jahren sind die Preise der Schweizer Zahnärzte hoch und die Behandlungen strapazieren das Budget des Mittelstandes. Der Berner Serge Stauffer rechnete und entschied sich dann für eine Zahnarztbehandlung in Ungarn. Wie es ihm dabei ergangen ist, erzählt er im Interview.Serge Stauffer, du bist in einem Jahr ein halbes Jahrhundert alt, liebst das Essen und Schokolade und letztes Jahr zeigt sich die Alterserscheinungen bei den Zähnen. Einiges musste gemacht werden und du begannst zu rechnen.Meine Zähne sind brüchig. Als ich durch kräftiges Zubeissen vor zwei Jahren zwei weitere Kauzähne verlor, empfahl mir mein Zahnarzt, eine Brücke machen zu lassen.Die in der Offerte genannte Summe überstieg alles, was ich jemals für Zahnbehandlungen ausgegeben hatte. Es wäre ein erheblicher Teil meiner Ersparnisse gewesen.Daher versuchte ich, mit meinen Zahnlücken zu leben. Ende letzten Jahres meinte dann mein Zahnarzt, es müsse jetzt unbedingt etwas getan werden.Mein zweitletzter Kauzahn oben rechts hatte bereits Risse. Bei einem Verlust wäre mein ganzes Gebiss instabil geworden.So begann ich, mich für eine bezahlbare Lösung umzusehen. Nach einigen Recherchen im Internet und Erkundigungen im Freundeskreis war es für mich klar, dass ich in der Schweiz kaum drum herum kam, mehrere Monatslöhne für meine Zähne auszugeben.So habe ich dann versucht, mich auch über Zahnbehandlungen im Ausland schlau zu machen. Dabei erfuhr ich, durch eine Arbeitskollegin, von der Praxis Barladent in der ungarischen Stadt Sopron.Meine Arbeitskollegin hatte sich, wie viele ihrer Bekannten, dort behandeln lassen. Alle waren zufrieden, auch nach Jahren. Das war genau das, wonach ich suchte.An der österreichischen Grenze liegt das ungarische Städtchen Sopron mit 268 Zahnärzten auf 60000 Einwohner, die alle mit billigen Preisen werben. Wie hast du dich in diesem Ueberangebot zurecht gefunden? Ohne jemanden direkt zu kennen, der gute Erfahrungen gemacht hat, hätte ich mich nie in Ungarn behandeln lassen. Dann kam der Tag der Anreise und wie ging es weiter bis zum Eingriff?Am Tag meiner Anreise wurde bereits eine Panorama-Röntgenaufnahme gemacht. Danach gab es eine längere Besprechung mit dem behandelnden Zahnarzt, was es in meinem Fall für Möglichkeiten gab. Ich erhielt zwei Offerten, für Implantate oder zwei Zahnbrücken. Dank der sehr ausführlichen Informationen, fiel es mir leicht, mich bis zum nächsten Tag für die Zahnbrücken zu entscheiden.Implantate hätten in meinem Fall Knochenaufbau bedeutet, wofür ich mehrmals hätte anreisen müssen. Dazu strenge Verhaltensregeln, wie drei Monate die Nase nicht schnäuzen ...Einige werden kleinlaut bei den Spritzen, wie war die Betreuung während des Eingriffes? Gab es Probleme?Die Behandlung begann am zweiten Aufenthaltstag. Es war eine Marathonsitzung von ca. zwei Stunden. Dabei wurden mehrere Pausen eingelegt, so dass ich aufstehen, mich strecken und etwas bewegen konnte. Mit Spritzen wurde nicht gespart, was mir auch recht war, da mehrere Zähne angeschliffen wurden. Die Art der Betreuung war nach meinem Empfinden korrekt. Es wurde auf mein Befinden geachtet und ich hatte vorangehend Informationen über alle Handlungsschritte erhalten. Das Tolle an so einer Zahnoperation im Ausland ist, dass man neben den Schmerzen Ferien hat. Wie hast du die freie Zeit im Hotel gestaltet, wie war der Ort?Ich war im Hause des Praxisgründers untergebracht. Dort hatte ich ein Zimmer mit eigener Dusche und Toilette. In der Küche auf der Etage konnte ich mir Mahlzeiten zubereiten. Das war wichtig, da ich wegen den Zahnprovisorien nur selten auswärts essen ging. Sopron hat eine schöne Altstadt, da war ich viel zu Fuss unterwegs und habe vieles im Januarnebel fotografiert. Unvergesslich sind die Konditoreien, wo es sehr leckere (und gut kaubare) Patisserien gibt. In der Halbzeit habe ich mir dann ein Fahrrad gemietet, womit ich die Gegend etwas besser erkundigen konnte. Da Wien nur 60 km von Sopron entfernt liegt, machte ich mit dem Zug einen Tagesausflug dorthin. Das Wochenende vor dem Rückflug habe ich auch in Wien verbracht.Hast du dich mit anderen Patienten ausgetauscht vor Ort und wie lief die Nachkontrolle ab? Mit anderen Patienten hatte ich wenig Kontakt. Januar scheint nicht gerade Hochsaison für Zahntouristen zu sein. Eine Nachkontrolle im eigentlichen Sinn gab es keine, da die Zahnbrücken erst kurz vor der Abreise eingesetzt wurden. Nach einem Monat zu Hause, was würdest du heute anderes machen bei diesem ungarischen Abstecher in Sachen Zahn?Eigentlich nichts, ausser vielleicht, nicht alleine dorthin zu fahren. Angenommen es gibt erst in einem halben Jahr Schwierigkeiten, ist dann der Zahnarzt noch zuständig oder nicht mehr erreichbar?Auf die Zahnbrücken gibt es 5 Jahre Garantie. Sollte es Komplikationen geben, so würde ich das möglichst mit Ferien verbinden.Ich könnte noch ein Dutzend mal hin- und herfliegen, es käme immer noch wesentlich günstiger, als was ich in der Schweiz bezahlt hätte.

juerg kilchherr am 17.2.16 14:11

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