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Note 6 für das Musical Mein Name ist Eugen

ereits wenige Tage nach der Premiere ist klar, dass "Mein Name ist Eugen" das neue "Ewigi Liebi" ist, den der St. Galler Roman Riklin, Autor beider Musicals, hat den Berner Lausbuben Musik und Text auf den Leib geschrieben, damit jeder die fast dreistündige Show voller Seitenhiebe auf die Erwachsenenwelt mit Dauerlachen durchsteht.Klar, die meisten Zuschauer genossen mehr Freiheiten als vier "Berner Giele" aus dem Jugendbuch von Klaus Schädelin, der es 1955 veröffentlichte und als eine Art Abrechnung mit dem konservativen Elternhaus, der Vater war Münsterpfarrer und Theologieprofessor, gesehen werden kann. Bekam das Buch noch den Sticker "An der Grenze zu Kitsch und Schund", sind den vier Buben im Musical von Anfang an die Sympatien der Zuschauer gewiss.Der 44-jährige St. Galler Roman Riklin arbeitete ein Jahr lang gratis am Buch, der Musik und dem Text und nun gilt es mit einer alten Lausbubengeschichte aus der Berner Altstadt mehr als 650 000 Zuschauer in die Maag Halle bei der Hardbrücke in Zürich anzulocken, bevor Geld fliesst. Doch nach "Ost Side Story und Ewigi Liebi" weiss der St. Galler wie man Massengeschmack erschafft. Dabei hilft ihm auch die erst elfährige Verfilmung von Michael Steiner, die immer noch in den Köpfen der Zuschauer rumschwirrt.Im Gegensatz zum Film spielen nun Erwachsene die vier Jungs. Das Kinderarbeitsverbot zwang den Regisseur Dominik Flaschka dazu. Wer nicht in der ersten Riehe sitzt, merkt den Altersunterschied kaum.Die Erwachsenen sind für die Lausbuben blutleere Menschen, also gibt es sie im Musical nur als Puppen am Stecken mit Bauchredner. Auf die Erwachsenen prasseln viele Sprüche und Streiche von den 13-jährigen, die nicht erwachsen werden wollen, ein.Die Ironie, der Humor sind kindlich und frech und das Lachen der Zuschauer darüber hört fast drei Stunden nicht auf, den der Erwachsene von heute erkennt sich als moderner Biedermann in dieser Geschichte, um eine Reise durch die Schweiz auf der Suche nach Fritzli Bühler, Held aller Lausbuben, wieder.Der rasante Schnitt, die Popmusik, wenig Tanz und die Lausbubenstreiche von Eugen, Wrigley, Eduard und Bäschteli machen das Musical "Mein Namen ist Eugen" zu einem Abend des grotesken Humors, der sicher noch Monate in Zürich gespielt wird als Volkstheater für Schulklassen, verlorene Erwachsene ohne Träume und jene, die das Kind in sich nicht verbiegen lassen wollen wie die Berner "Lus-cheibe".

juerg kilchherr am 9.3.16 23:35

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