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Conchita Wurst im Kaufleuten Zürich

Oesterreicher sind wie Schweizer. Sie haben mehr Angst als Mut ausser Conchita Wurst. Ihre Courage als singende Dragqueen statt als Tom Neuwirth durchs Leben zu gehen, wurde vor zwei Jahren mit dem Sieg beim Eurovison Songcontest belohnt. Sängerin Cher twitterte der Wienerin an diesem Abend, sie sollte doch den Nachnamen Wurst weglassen und sich eine neue Perücke kaufen. Erstes tat die Draqueen und tritt nun als Conchita live mit Band in 12 Städten im deutschsprachigen Raum in eher kleinen Hallen wie dem Kaufleuten auf, wo sie doch noch vor einem Monat die Oper im australischen Syndey ausverkauft hat..Doch ausser in ihrer Heimat verkaufte sich ihr kostspieliges Debut schlechter als erwartet, also verlangt man halt 100.-- für ein Konzert von 90 Min, das keines war. Der erste Teil bestand aus milde ausgedrückt einer Hommage an grosse Sängerinnen wie Tina Turner, Celine Dion oder Cher mit Coverversionen oder böse ausgedrückt Karoke mit viel Geschwätz. Den zwischen den Songs erzählte die Dragqueen Geschichten von ihren Anfängen, puderte sich die Nase, strich sich tausend Mal durch ihre Perücke und als sie dann auch noch von der Bühne stieg in ihren hohen Absätzen und das Publikum bat, ihr Fragen zu stellen und Selfies zu machen, war der Tiefpunkt erreicht. Im zweiten Teil versuchte die Frau mit Bart, die sich übrigens nicht rasiert, weil sie mit 28 Jahren nicht wie zwölf aussehen möchte, Terrain gut zu machen und die vierköpfige Band legte sich ins Zeug und endlich kamen die Songs des Debuts.Die eigenwilligen Interpretationen der CD-Songs waren abwechslungsreich, der Gesang Conchitas wechselt wie ihre Person zwischen den hohen Tönen einer Frau und den tiefen eines Mannes innerhalb eines Liedes. Tönt gewöhnungsbedürftig und war sicher nicht fehlerfrei dargeboten. Der Junge aus der Steiermark und die Dragqueen aus Wien - zwei Seelen in einer Brust, die Theatralik, ein gutes Mundwerk, ein Auge für Mode und Musikgehör vereinen. Dem Publikum in den vordersten Reihen vermiste der Schlagzeuger den Abend, der so laut war, dass sich die Leute, die Ohren zu hielten. Auch war das all zu grelle Licht auf Conchita ein Schmerzpunkt.Zwei Zugaben, von denen "Rise like a Phoenix" der beste gesungene Song des Abends war, gab es für den ausverkauften Kaufleutensaal in dem auch Michael von der Heide sass neben der ganzen Dragqueen- und schwulen Szene Zürichs. Michael hat ja gerade eine Cd mit Paola-songs rausgegeben. Paola vertrat unser Land vor 36 Jahren am ESC. Wer wird sich angesichts dieses mittelmässigen Konzerts von Conchita 2050 noch an die Oesterreicherin erinnern?In zwei Wochen wählt Europa ein neues Siegerlied am ESC in Stockholm und einen neuen Helden, der aus der Phönix steigt.

juerg kilchherr am 29.4.16 09:18

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