CH-Kultur pur - das Neuste aus der Schweiz

Über

Juerg Kilchherr ist ein Schweizer Künstler, der im Bereich Literatur, Musik und Malerei arbeitet. Hier veröffentlicht er seine Berichte über die Schweizer Kulturszene und vielen anderen Bereichen.

Alter: 52
aus: 3177 laupen/ch
 


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Dr Göpdäl fahrt vo Herisau nach Rorschach - die letzte Etappe der Herzroute

"Sönd willkomm" - seit willkommen durch die Kantone St. Gallen, Appenzell Innen und Ausseroden bis an den Bodensee führt die Ostherzroute zu ihrem Ende. Doch "trödala" - Zeit verschwenden, kann der Fahrer bei so vielen Hügeln, Wald und See nicht. Der Erlebnisbericht.Also einen Appenzeller mit Ohrring sieht man im modern Herisau, dem Kantonshauptort von Appenzell Ausseroden nicht. Halb Dorf, halb Stadt geht es erst nach dem Bahnhof und nicht ab der zwei Kilometer entfernten Ausgabestelle des Rades auf die Herzroute. Bald verlasse ich die Hauptstadt undfahren Richtung St. Gallen auf dem Landweg an den Gübensee.Hier wie auf dem Weg hat es Wanderer und Frauen mit Hunden. Ich nehme neben Wasservögel mein Pick-nick ein, fahre dann am Stadtrand St. Gallens Richtung Appenenzell und erst jetzt nach einer Stunde kommt das grosse Staunen nach einem steilen Aufstieg.Das matte Grün, die vielen Hügel, der Alpstein, wenig Bauernhäuser ergeben eine malerische Kulisse.Ich bremse und lasse dieses Wunde auf mich wirken und weiss, dass ich wiederkommen werde, den zwischen Haslen bis Schlatt ist alles, was sich ein Berner vom Cliché Appenzell wünscht vorhanden und ich pfeife ein Lied und verdrücke eine Träne über die Schönheit.Steil den Hügel hinab und schon tönt lärmig, den hier wird das Bier, der Käse, der Schnaps gebrannt und die Kirche steht in der Mitte nicht des Dorfes sondern der Kleinstadt Appenzell.Dem ungewohnten Dialekt lausche ich bei Mittagessen und müsste mir wohl ein Wörterbuch kaufen, um alles zu verstehen. Das denke ich im Wallis auch und dann geht es doch ohne.Töfflibuebe wie ich mal einer war, kommen mir entgegen, als ich weiterfahre durch das spärlich besiedeltes Land. In einen Wald zieht ein Schatten, nein zehn über mich.Wenig später landen die Fallschirmspringer vor meinen Füssen, als ich ins St. Galler Rheintaleinfahre und die Etappe mit einer Besichtigung der vielen alten Häuser von Altstätten beende.Altstätten - RorschachDer letzte Tag der Herzroute Ost ist angebrochen und die Bademeisterin beim Abgabeorte des Rades sprich es laut aus: Nein, sie haben falsch geschaut, Die Herzroute geht nicht der Strasse nach an den Bodensee, das wäre zu einfach. Zuerst geht es dort hinauf." Sie wendet sich und zeigt auf einen Berg.Mein Frühstück war ausgiebig und ich brauche nun alle Kraft, den über eine Stunde fahre ich vom Rheintal bergauf ins appenzellerische St. Antonauf über 1100 m. M. Obstbäume, Weiden, Kühe, Schafe, Lamas und der Nebel säumen die Strasse. Der Nebel wird immer dichter, die Finger langsam steif vor Kälte, die Ohren rot. Ja der Herbst ist da und ich habe kalt und sehe fast nichts mehr als ich auf dem Gipfel bin. Zum Glück hatte ich nicht die Unterstützung "high" eingestellt, sondern lieber etwas mehr in die Pedalen getreten, den die nächste Akkustation Walzenhausen ist noch weit entfernt. Ich will vom Nebel weg und es geht endlich wieder bergab, die Sonne kommt und das einzige Geräusch ist der Velogummi auf dem Teer. So still ist es lange und ich kann Oberegg in Appenzell Inneroden, mich und die Landschaft geniesen. Diese ist wieder schön, aber die Häuser deutlich ärmer und Menschen erst wieder nach dem ersten Blick auf den Bodensee in Walzenhausen, ein Kurort modern gekleidet.Ein Strassenarbeiter begrüsst mich beim Eintritt in den Thurgau und ich versuche zurück zu lachen, doch mein Gesicht ist noch gefrohren. Vorbei an Herbstboten wie Trauben, bunten Sträuchern,Aepfeln ist der Ort Rheineck eher hässlich. Fernsicht mit dem Bodensee toll, Nahsicht mit den verbauten Orten schlecht - das haben sich wohl auch die Herzroutenplaner gedacht und so schicken sie mich nochmals durch den Wald auf den Rorschacherberg.Meine Beine werden schwer, ich spüre wie eine Traurigkeit in mir aufsteigt durch die Villenquartiere, den ich wenigen Minuten bin ich am Ende angelangt, dachte ich. Doch wie so oft auf dieser Tour versagen die roten mit 99 angeschrieben Wegweiser in den Städten. So verpasse ich die Abzweigung nach Rohrschach, mache einen kurzen Umweg auf dieser Etappe, die nur auf geteerten Strassen stattfand. Doch schliesslich finde ich die Herberge See,die Abgabestelle des E-Bikes. Ich streichle nochmals über den Sattel, mache ein Foto vom Bike vor einem vorbeifahrendem Schiff und gehe zu Fuss zum Bahnhof Rorschach. Fazit: Die Herzroute Ost Willisau - Rorschach ist wie die Route West Lausanne -Willisau ein Genuss für das Auge. Sie zeigt dem E-Biker soviel Unbekanntes der Schweiz, dass wer eine gute Kondition hat, dieses Auf und Ab durch Wald, Wiese, Dörfer, Städte auch schafft. Würde jeder Architekt diese Tour de Suisse der speziellen Art mal machen, er würde mehr Rücksicht nehmen auf die Schönheit dieses Landes und nicht alles verbauen. Die Schweiz ist ein Wunder. Schauen Sie sie an und sie erkennen sich darin wieder und noch viel mehr von ihren inneren Werten, den die Herzroute ist Pilgern auf moderne Art und Weise.

Mord im Marzili- ein Spaziergang mit Krimiautor Tony Dreher

Trotz der hohen Temperaturen in diesem Sommer wurde in den Badeanstalten gelesen und zwar oft das Debut vom Berner Tony Dreher "Aareschwimmen". Wer ist dieser Autor und über was schreibt er? Ein Spaziergang zu einigen Schauplätzen des Krimis durch Bern gibt darüber Auskunft.Im Marzli unter dem Bundeshaus an der Aare herrscht meist Spass, doch in ihrem Debut "Aareschwimmen" ist es damit vorbei, warum?Am 1. August ist es heiss und der Journalist Mike will sich eigentlich abkühlen in der Aare, da hört er einen Schrei und wenig später wird eine angekleidete Leiche aus dem Fluss gezogen. Seine journalistische Neugierde und der Zufall, dass er zufällig an den Ort eines Verbrechens ist, verändern sein Schicksal und er beginnt nachzuforschen und entdeckt viel Verborgenes, das ihn in Schwierigkeiten bringt.Sie wählten den Journalisten Mike als Schnüffler und Aufdecker eines Mordes mit Verstrickungen bis in die höchsten Bundeshausetagen, warum keinen Kommissar?Ich wollte die Untersuchng des Falles von innen zeigen, ein Unbeteiligter deckt auf, während die Polizei angewiesen wird, den Mord zu vertuschen. Die Aare ist für mich hier auch Symbol für einen Ereignisfluss, der das Leben eines Menschen auf den Kopf stellt.Sie leben in der Nähe des Bundesstadt, wer sind sie?Ich bin als Kind von Schweizer Eltern in Mexikostadt aufgewachsen, lebe seit 25 Jahre hier und habe mein Schweizerdeutsch nicht vergessen, den ich ging ja in die deutsche Schule in Mexiko. Zuerst schreib ich auf Englisch, merkte aber, dass das nicht geht bei einem Stoff, der so lokal verankert ist.Das Kino ist ihre Leidenschaft, woher holten sie die Inspiration zu ihrem Buch?Im Buch kommen ja die USA, Mexiko auch vor und dann Meiringen im Berner Oberland, wo ich Skifahren gehe, doch zentral bleibt Bern, wo mir alles bekannt ist und sich doch die Umstände wegen des Mordes verändern. Zudem arbeite ich als Informatiker und Hacker sind auch in meinem Buch am Werk.Die Orte Bern, Solothurn, das Oberland sind Schauplätze ihres Waffen- und Kunstschmugglerverbrechens, was aussergewöhnlich ist. Wollten sie die Ruhe der Berner mit ihrem Roman stören?Es ist ja alles nicht so böse gemeint, wie es scheint. Ich suchte einfach schöne Orte für die Handlung. Reiste auch an die Schauplätze, damit alles stimmt, doch zuerst war die Handlung und der Mord an der Aare. Ich begann schon 2011 mit dem Schreiben."Aareschwimmen" ist bis auf die Erklärungen der Computertrojaner spannend, aber die Figuren haben wenig Psychologie, wollen Sie das bei der Fortsetzung ändern?Ich schreibe sehr actionreich, wollte alles atemlos machen und flüssig. Ja, es gibt eine Fortsetzung nach dem Erfolg. Es wird ja schon nach wenigen Monate die dritte Auflage gedruckt In der Fortsetzung bekommt Mike mehr Tiefe durch Beziehungen und Einblicke ins Privatleben.Ich bin schon gespannt, wie meine Leidenschaft mein Schreiben, das ich neben der eher phantasielosen Arbeit als Informatiker liebe, im neuen Buch mögen, Es beginnt mit einem Toten im Gletscher im Berner Oberland.Das Buch Aareschwimmen erschien im Gmeiner Verlag

Toulouse-Lautrec und die Fotografie im Kunstmuseum Bern

Wie sehr Glück und Pech im Leben von Henri Toulouse-Lautrec zwischen 1864 bis 1901 beieinander liegen zeigt bis 13.12. die Ausstellung im Kunstmuseum Bern. Die Fotografien aus dem Leben des französischen Künstlers belegen sein Glück, dass er aus einer Adelsfamilie stammte und keine Geldsorgen hatte. Sie belegen aber auch, dass im Alter von fünf Jahren seine Beine wegen einer unheilbaren Knochenkrankheit aufhörten zu wachsen. Vielleicht der Ursprung seiner Sichtweise auf das Leben am Montmatre, die als eine Suche eines Kleinwüchsigen nach Anerkennung und Liebe als Mann und erst in zweiter Linie als Künstler zu verstehen mir scheint.Der 150. Geburtstag des Franzosen nahm das Kunstmuseum Bern zum Anlass den Aspekt der Fotografie dieses eher grafisch den malerisch begabten Künstler aufzuzeigen. Die Tatsache, dass Toulouse-Lautrec nie eine Kamera besass oder fotografierte erstaunt bei der Menge an Bilder, die im Erdgeschoss hängen. Doch er besass einen Freund, Francoise Gauzi, der mit der damals modern Abbildung durch die Kamera vertraut war. Gauzi bekam auch einen Aspekt in Henris Charakter vor die Linse, das Verkleiden und Darstellen fremder Personen.Die schwarzweiss Fotografien zeigen diese narzistische Ader.Leider sind die Formate im Erdgeschoss klein und gehen in der grossen Halle etwas verloren, doch es gibt ja noch das Obergeschoss. Et volià, hier reihen sich die Farblitografien und sind in die Interessen Toulouse-Lautrec unterteilt in: Das geheime Leben in den Bordellen, Artisten und Zirkus und das Nachtleben am Moulin Rouge.Die Fotografie diente ihm das Skizzierte zu verfeinern oder salopp ausgedrückt, sich nach dem Vergnügen an das Geschehen zu erinnern.Der Franzose hatte also durchaus was von einem Lebemann. Als Zeicher brachte er es aber nur bei seiner grafischen Kunst und den Werbeplakaten zu aussergewöhnlichen Fähigkeiten. Es gelang ihm wie kein zweiter die Begegung und Spannung ins Bild zu bringen.Interessant ist dabei, dass er ja gehbehindert war, zwar Schwimmen nicht eben nicht der Hit der damaligen Zeit Autofahren konnte, aber beides liebte und wohl seinen Frust, dass er nicht Rennen fahren oder Schnellläufer werden konnte, mit der Malerei kompensierte.So ist Toulouse-Lautrec im Kunstmuseum Bern eine biografische und erst im zweiter Linie werkorientierte Ausstellung, die das Leben zwischen Theater und Vergnügen eines Parisers ins rechte Licht rückt.

Musik- und Schweissperlen in Gstaad

Der Sommer gehört im Saanenland der Klassik und trotz der hohen Temperaturen war auch das letzte Augustwochenende vom Menuhin Festival in Gstaad gut besucht. Dieses Jahr verlieht der Intendant Christoph Müller dem Festival den Untertitel "ironie et musique". Damit wolle er auf die Hochs und Tiefs in der menschlichen Seele, denen die sensiblen Künstler im besonderen unterworfen sind und der Ironie, die diese der inneren und äusseren Umständen in vielen klassischen Stücken entgegensetzen, Rechnung tragen. Amadeus Mozart Don Giovanni Kein Stück als Mozarts "Don Giovanni" erfüllt diese Kriterien besser. Die Oper aller Oper von 1787 mit ihren gespenstischen Modulationen, den grossen Arien und tragisch-komischen Momenten hörte Sänger Erwin Schrott mit acht Jahren zum ersten Mal. Nun besuchte er als Star und als Frauenheld und Schwindler in Mozarts Stück das erste Mal das Berner Oberland. Bei gefühlten 40 Grad war es seine Aufgabe vor einem fast ausverkauften Zelt vor dem Orchester und ohne Kulisse drei Stunden durchzuhalten. Bereits beim ersten Erscheinen beiendruckte der Südamerikaner durch seine körperliche und seelische Präsenz trotz seiner 42 Jahre. Die Damen schmolzen dahin, als er den Mund aufmachte, den was für eine Stimme ohne Mikrofon da erklang, doch sein Italienisch verstand niemand. Also wendeten sich die Blicke wegen der schlechten Aussprache zu den seitlichen Bildschirmen, die den Text übersetzten. Bei den Frauen tönte es anders. Die moldawische Sopranistin Tatiana Lisnic war als "Donna Anna" raumfüllend und so wie man sich Operndiven vorstellt: Gross und angsteinflössend. Das Mitglied der Wiener Staatsoper zeigte durchs Band eine gute Leistung, doch noch präziser im Gesang war Regula Mühlemann aus dem Kanton Luzern. Mit zierlicher Figur liess sie sich nichts anmerken von der hohen Temperatur und sang sehr genau. Der zweite Akt war lustiger und Erwin Schrott steigerte sich, stiess seine mittelmässige Leistung des ersten Teils zur Seite und konnte mehr Leidenschaft im Schauspiel zeigen. So überzeugte er das Publikum in Solostücken, während einige zeitweise mit Hitzeschwindel das Zelt verliessen und von denen die geblieben waren, fanden bei einer Umfrage den Abend mittelmässig. Tschaikoswsky, Strauss und Schönberg Wieder brannte die Sonne vom Himmel am Sonntag und wieder füllte sich das Zelt an der Saane, die leichte Muse war angesagt und ein Genie stand auf dem Dirigentenpodest. Der Inder Zubin Mehta hat sonst die Münchner Philharmoniker unter sich, nun musste er ein Heer von Juden des Israel Philharmonic Orchester durch romantische Stücke wie den Till Eulenspiegel von Richard Strasuss, Verklärte Welt von Artur Schönberg und schliesslich Pathetique von Pitor Tschaikoswsky führen. Die Damen und Herren fecherten mit dem Programmheft nach Luft, die Musiker spürten keinen Schmerz. Voller Leidenschaft, ohne Fehler gaben sie zwei Stunden alles. War der Strauss noch kurz und verspielt, erinnerte Schönbergs Stück an einen Film mit grossem Spannungsbogen, bevor die russische Sinfonie viele Stimmungen in sich vereinte. Neun Tage vor Tschaikoswskys Tod wurde "Pathétique" uraufgeführt und wer seine Ohren spitzte, wusste, das so ein Stück Klassik nur einer schreiben kann, der der Welt entsagt. Die Aufführung war trotz der Umstände grandios. Aenderung notwendig Mag das diesjährige Menuhin Festival wieder viele Perlen der Klassik ins Berner Oberland gebracht haben, geht es einfach nicht, dass Zuschauer sehr teuere Karten kaufen, einen langen Weg auf sich nehmen, oft auch übernachten und dann in einem Glühofen Platz nehmen müssen und zwei, drei Stunden darin gefangen sind. Das die Leitung bereits vor Beginn als der Hochsommer schon im Gang war, nicht reagierte und eine Klimaanlage installierte oder wenigstens einige Türen während des Konzerts öffnete, ist eine Ohrfeige und darf es nicht mehr geben sonst geht es Gstaad bald wie den Thuner Festspielen und das Publikum wendet sich ab.

Kurz vor Filmstart - zu Besuch beim Schellenursli

Wenn wir von zwei Schweizer Kinderbücher reden, die Natur, Familie , Freundschaft und Abenteuer vereinen, dann denken wir an die Geschichten von einem Mädchen namens Heidi und einem Jungen namens Schellenursli. Beide kommen aus dem Kanton Graubünden und das Buch "Schellenursli" von Alois Carjiet und Selina Chönz wird als Film vom Oscarpreisträger Xavier Koller Mitte Oktober in die Kinos kommen. Guarda ist der Schauplatz des Schellenursli. Der Ort gehört seit Anfang Jahr zu Scoul. Er hat zwar einen Bahnhof, doch der liegt im Inntal und der Ort auf 1650 m M. also heisst es 40 Minuten steil bergauf zu laufen. Etwas ausser Atmen empfangen einem dann siebzig Engadiner Häuser, Menschen, die Rätromanisch sprechen, die Kultur und das Zusammenleben pflegen, einige Unterkünfte und viel gute Luft und Romantik für Kinder- und Erwachsenenspielwiesen. Wer Lust hat, kann sich nach dem Besuch des Dorfes auf die Socken machen und den Schellenursliweg gehen bis zur Alphütte von Ursli auf 2000 m M. Der Rundweg startet etwas ausserhalb des Dorfes und dauert drei Stunden mit gutem Schuhwerk.

Ein Blick vor und hinter die Kulissen des Menuhin Festivals Gstaad

Noch bis zum 9. September findet in Gstaad und Umgebung das diesjährige Menuhin Festival statt, wo sich Stars der Klassik die Hand geben. Der Chef des Festivals Christoph Müller fand Zeit, einige Fragen per Mail zu beantworten. -Seit einigen Wochen ist das Gstaad Menuhin Festival gestartet. Bevor wir näher auf das Programm eingehen, eine Frage, die sich angesichts der Sommertemperaturen jeder fragt: Ist eigentlich das Zelt in Gstaad gekühlt? Die Konzerte im Festivalzelt finden erst ab Mitte August statt und da ist es bereits nicht mehr so heiss, erfahrungsgemäss! In der Vergangenheit mussten wir eher die Heizung anwerfen. - Das diesjährige Festival, das bis zum 5.9. stattfindet, trägt den Titel “Ironie & Musique”, warum? Ironie in der Musik ist ein wichtiges Ausdrucksmittel und für mich stärker als Humor. Dieses Element begann mich zu faszinieren, als ich mit der Recherche zu diesem Thema, ursprünglich Humor, begann. Ironie ist feiner und subtiler aber auch provokativer. -Nach sechs Wochen nimmt man sie als Leiter des Festivals nicht mehr gross in der Oeffentlichkeit war, wie sieht ihre Tätigkeit im Alltag aus? Sie meinen nach Abschluss des Festivals? Ich habe noch andere gewichtige Aufgaben ausserhalb des Festivals rund um Musikmanagement-Themen, aber die Planung der kommenden Festivalausgaben halten mich auch nach Abschluss des diesjährigen Festivals auf Trab. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel! -Für die Popmusik ist die Hitparade der Gradmesser über die Geschmack des breiten Publikums, wie und wo schauen Sie sich oder ihre Scouts in der Klassik nach Trends um? Wettbewerbe sind sicher eine Plattform, um junge Stars zu entdecken. Wichtiger sind aber Konzertreihen und Podien bei Orchestern weltweit, wo sich die Künstler behaupten müssen. Es geht ja nicht nur um Perfektion sondern auch um Aura, Bühnenwirksamkeit, Sympathie usw… -Jonas Kaufmann oder Cecila Bartoli sind nur zwei von vielen grossen Namen am Festival. Wie kommen sie an die ran und haben die Allüren? Mit Bartoli habe ich auch im Rahmen meiner anderen Aufgaben regelmässig zu tun; die Welt des Jonas Kaufmanns ist die Opern-Szene, wo ich nur am Rand tätig bin. Aber mit der Entwicklung der letzten Jahre des Festivals in Gstaad haben wir auch gewichtige Referenzen, welche für die Überzeugung der sogenannten Schwergewichte der Klassik eine grosse Rolle spielen. -Welche Geheimtipps abseits der grossen Namen sie noch bis 8.9 für unsere Leser? Igudesman & Joo, das urkomische Musiker-Duo, die am 13.8. im Landhaus Saanen auftreten, oder die „Nacht der Violas der Berliner Philharmoniker“: ein wahrscheinlich urwitziger Abend mit den besten Bratschisten der Welt, die auch durchs Programm moderieren und sogar Bratschen-Witze erzählen. Programm unter Menuhin Festival

Ich möchte meine Berge sehen - Auf den Spuren von Maler Segantini in St. Moritz

AUG 3 Ich möchte meine Berge sehen - Auf den Spuren von Maler Segantini in St. Moritz Das Engadin wäre ohne den italienischen Einfluss heute wie gestern ärmer. Heute nerven manchmal die vielen italienischen Arbeiter und man vermisst den Klang des Rätormanischen, doch ein Italiener wie Giovani Segantini gebührt man gerne Achtung. Der Maler aus Arco bei Mailand schuf als späterer Bewohner von Maloja Hochgebirgslandschaften, die niemanden kalt lassen. St. Moritz hat dem Erneuer der Alpenmalerei und Vertreter des Symbolismus nicht nur ein Museum geschaffen sondern auch einen Weg. Der Segantiniweg an der Via Somplez 30 beginnt beim Hotel Soldanella. Dieses findet man, wer im Zentrum beim Kreisel die Wegweiser studiert. Der Weg ist eine nette Abwechslung zur schrecklichen Architektur St. Moritzs und führt durch den Wald. Auf zwei Kilometer, die manchmal steil sind, hat es Schautafeln. Auf ihnen ist nicht nur das Leben sondern des Malers Freilichtmalerei und die wichtigsten naturalistischen Bilder erklärt. Dann erscheint plötzlich eine Kuppel, das Segantinimuseum. Hier sind alle wichtigen Bilder zu sehen in drei verschiedenen Räumen. Als Segantini malte war das Engadin arm und somit sind die Bauern und ihr Leben in und mit der Natur, das Licht des Engadins und immer wieder die Berge die Hauptmotive dieses Malers, der bereits zu Lebzeiten im 19. Jahrhundert ein Berühmtheit war. Seine Abbilder des Engadins sind wohl deshalb so eindrücklich, weil er den Geist der Bauern, also ihr Gebet zwischen den Mühen des Alltags mit Farbe darstellen konnte. Der tiefe Symbolgehalt des ländlichen Lebens, die Allegorie des Todes und das Bild der Frau sind Nuancen seiner Darstellung. Aehnich wie Albert Anker malt er die Wurzel des Lebens mit der Erde, doch die Erhabenheit der Alpen und die versteckte Religiosität der Menschen gehen tiefer als beim Seeländer. Wer nach dem Museum und dem Weg noch mehr vom Licht und den Alpen St. Moritiz sehen möchte, macht einen Spaziergang um den See, dann sehen sie den Berg, den Segantini in seinen letzten Stunden sah, den Satz" ich möchte nocheinmal meine Berge sehen" sagte und deshalb in Gedanken an den grossen Maler "Schafberg" genannt wird.

Till Brönner und Altstars am Festival da Jazz St, Moritz

Zum achten Mal lud der Dracula-Club in St. Moritz zum Festival der Nischenkultur Jazz unter der Leitung vom Christian Jott Jenny. Für 150 Leute pro Abend legte sich der Tenor, Schauspieler und Vorsteher des Amtes für Idee als Zürcher übers Jahr ins Zeug, damit der Sommer im Engadin genauso eine Reise wert ist wie sein Konkurrent das Festival in Montreux am Genfersee. Dieses Jahr hatte Jenny im Verhandeln mit Künstlern, das heute über drei Instanzen, Management, Bookingagentur und Künstler selber geht und dank einem Budget von zwei Millionen nur zwei Stars auf dem Programm: Herbie Hancock und Till Brönner. Letzter war von Beginn an seiner Karriere in den deutschen Hitparaden vertreten und ist dem Schweizer TV-Zuschauer als Mitglied der Sendung "X-Factor" auch den Jungen bekannt. Der Trompeter, Sänger und Komponist hat auch wegen seinem charismatischen Aussehen Anhängerinnen und weil er gerne mit Orchester seine oft seichten Interpretationen wie auf seinem letzten Album " The Movie Album" zum besten gibt, doch in St. Moritz war er nur zu zweit. Die ungewohnte Formation mit Dieter Illg am Bass sei eine Herausforderung für ihn wie auch der sehr nahe Kontakt zum Publikum wie Till Brönner gleich zu Beginn des Konzertes zugab. Seiner Fingerfertigkeit an der Trompete war aber keine Nervosität anzumerken. Die bediente er oft auch mit zusammengekniffenen Augen fehlerfrei. Die zwei Vollprofis schöpften aus dem vollen ihrer Fantasie und das Kammerspiel versetzte das Publikum in einen Raum der Stille, wo jeder Ton eine andere Farbe oder anderes Bild in einem wach werden liess. Doch dann macht Till Brönner nach über einen Stunde einen Fehler und sieht im Publikum die Legende Bill Ramsey mit Krücke sitzen. Er holt ihn auf die Bühne und der alte Mann macht auf Spass und Druck, Der folgende Song zu dritt lässt die Magie, die Brönner kreierte, töten. Zwar versucht das Duo später wieder an die VorRamsey-Phase anzuschliessen, aber das Publikum ist nicht mehr so konzentriert auch weil der Draculaclub unter Sauerstoffmagel litt. Auch im achten Jahr sind die Ticketpreise am Festival da Jazz sehr hoch, die Sitzgelegenheiten bescheiden, die Sicht schlecht, das Secuitypersonal aggressiv und die Luft eine Zumutung. Trotzdem füllte sich der Saal am Nationalfeiertag wieder. Ortella Dallas sei die Ideengeberin gewesen für das Festival und deshalb habe er ihr eine Carte blance gegeben für ihr Konzert an ihrem 90. Geburtstag, erklärte Christian Jott Jenny. Mit Turban und Rosa und Glitterkleid füllte die schwarze Jazzsänger aus Zürich diese Carte Blance mit einer Reihe Oldies aus. Dabei hatte sie auf der kleinen Bühne ein Fünf- Mann-Orchester, das gleich mit einem Schlagzeugsolo einen fetten Einstieg gab. Die alte Dame konnte sich aber nie gegen die überlaute Band mit ihrer Stimme durchsetzten und so war eher ihre Energie, die Achtung vor dem hohen Alter die Sympathiepunkte als der Klangbrei ihrer Oldieinterpretationen mit denen sie das Publikum einwickelte. Dann kam Bill Ramsey am Stock auf die Bühne und seine Gicht zwang ihn im Sitzen die Oldies but Goldies mit guter Stimme und kraftvollem Set als Kontrastprogramm zu Brönner einen altersmässig gemischten Publikum am 1. August vorzuführen.

Das andere Zürich und der Waueffekt - Rapperswil - Wattwil Herzroute E Bike

Heute werden sich viele Türe öffnen und vielleicht ein paar Fenster Diesen Spruch habe ich auf einer Saftpackung gelesen und seine Weisheit und die gute Nahrung werden auf den 55 Kilometer von Rapperswil nach Wattwil noch eine Rolle spielen, doch zuerst treffen am Zürcher Hauptbahnhof und dann in der S-Bahn die Cliches über die Zürcher, die hier nicht einzel erwähnt werden, zu und mir geht der Satz durch den Kopf: Die Natur ist besser als der Mensch Die Herzroute ist die moderne Art des Pilgerns. Der Fahrer ist auf sich zurückgeworfen. Körper und Seele, Augen und Verstand arbeiten an der frischen Luft und ergeben ein Zusammenspiel von Innen- und Aussenschau auf das Leben. Bis es aber soweit ist, suche ich nochmals den Lido. die Schwimm- und Sportanlage in Rapperswil auf für die Uebergabe des Velos und erlebe eine Ueberraschung. Die Frau an der Kasse erkennt mich wieder, obwohl seit meinem letzten Besuch drei Wochen vergangen sind und sie jeden Tag tausende Kinder nach dem Eintrittsgeld fragt. Dann will sie mir auch noch einen Plan für den Weg durch die Kleinstadt Rapperswil ausdrucken, was ich als scheinbar gewandter Radfahrer ablehne und eine halbe Stunde später bereue, denn die verwinkelten Gassen der historischen Stadt sind schlecht ausgeschildert und der Ort viel grösser als gedacht. Nachdem ich die Villenviertel verlasse, fängt das Zürcher Oberland an und ich bin überrascht wie viel Landwirtschaft und Grün es hier gibt. Am Egelsee begegnet mir ein Berner Ehepaar und wir tauschen uns aus. Das macht man auf der Herzroute wenig. Besonders die Ostroute ist eine der Singles wie ich festgestellt habe. Von Dürnten bis Gibswil ist der Zürichsee immer wieder erkennbar, die Landschaft zwar nicht aussergewöhnlich, aber mich interessiert auch viel mehr die Schilder an den Bauernhöfen. Die tragen oft das Logo der Grossverteiler des Landes, was heisst, dass die Bauern hier Lieferanten sind, den sie machen aus Schafsmilch Käse, haben Hochlandrinder, Gänse, Pferde usw. So erfahre ich direkt am Weg, wo meine Nahrung herkommt. Die Bise bringt Wolken und Kälte und zum ersten Mal auf der Ostschweizroute fröstle ich. Ortsnamen sind wie Familiennamen manchmal komisch und nicht immer ergeben sie einen Sinn. Aber Wald ZH macht seinem Namen alle Ehre. Das letzte Stück durch den Kanton Zürich ist so romantisch wie in einem Märchen. 1050 Höhnenkilometer sind dank zwei Akkuwechsel zu schaffen und beim Wechsel bei der Sportbahnen Atzmännig ist viel los, denn die Kinder können auf die Rodelbahn und Erwachsene wie ich verspeisen einen Nussgipfel und einen Kaffee. Nach drei Stunden kommt dann der Wau-effekt mit dem Eintritt ins Toggenburg. Rüeterswil, Oberricken und wie die Orte alle heissen sind nebensächlich. Es ist dieses Grün, die satten Wiesen, die Wälder, die stille Weite, die mich berührt, dass ich fast das Ortsschild des Endpunktes der heutigen Etappe in Wattwil übersehe. Der Spruch an einer Mauer im Ortskern fasst den heutigen Tag zusammen; Jeden Morgen und jeden Abend siehst du Wunder

Aufatmen vom Dichtestress - Wattwil - Herisau E Bike Tour

Das St. Gallische Wattwil ist ein Dorf im Toggenburg, wo selten was passiert. Ich beziehe nach einer langen Hinfahrt bei der Cafe Bäckerei Konditorei Abderhalden mein reserviertes E-Bike, lasse ein Müsterli einer Torte auf der Zunge zergehen und fahrt los an einer Baustelle vorbei, wo keine halbe Stunde später, der Riesenkran umfällt, der Führer in letzter Minute abspringt und ein Auto zerquetscht wird, was das Dorf in die Schlagzeilen bringt. Da bin ich schon am Fluss entlang auf der 55 km Herzroute Richtung Lichtensteig, Krinau unterwegs. In den nächsten vier Stunden werden sich Wald, Wiese, kleine Dörfer regelmässig abwechseln. Mich erstaunt es nicht bei dieser lieblichen Natur, dass mir beim Waldeintritt ein Reh in die Augen schaut und später über Minuten ein Mäusebusard hoch über dem Kopf folgt. Es ist wenig los auf der stets geteerten Strasse und zum ersten Mal atme ich auf und denke:" Was tun wir uns Mittellandsleute uns täglich an mit den überfüllten Zügen, den hässlichen Ueberbauungen und rasenden Autofahrer, wenn doch auch so auch geht?" Menschenleer ist es dann schon nicht, aber eben wenig besiedelt und stets im Wechsel zwischen Bergauf und Bergab, das kosten Beinkraft und Akkuleistung. Nichts stört die Idylle mit saftig grünen Wiesen, die kleinen Flüssen und Wiler. Ich werde von den Bauern, die Heu kehren, mit Argusaugen begutachtet und noch mehr als ich mit meinem Bernerdialekt im Hotel Rössli in Tufertschwil den Akku wechsle. Bis Degersheim wird es wieder so ruhig und ich kann meine Seele baumeln lassen und trotz der unwegsamen Naturstrassen mich auf die Natur einlassen. Die Sonne brennt als es an der Thur entlang geht und dann kommt auch der Atem ins Stocken als ich nochmals bergauf muss durch den Wald Richtung Appenzell. Der erste Blick auf Herisau ist eher ernüchtern nach soviel Grün. Zu viele neue Bauten und sehr schick präsentiert sich der Hauptort des Kanton Appenzell Ausserorden. Aergerlich ist die Rückgabestation des E-Bikes. Das Sportzentrum liegt am Ortsende und der Bus zum Bahnhof hat so knappe Anschlüsse, das sie ältere Menschen verpassen oder ich mit Muskelkater in den Beinen. Den diese Etappe der Herzroute Wattwil- Herisau war anspruchsvoll von der Kondition her, aber fast meditativ wegen dem vielen Grün im st. gallischen Hinterland, das etwas hat, von einer Schweiz vor fünfzig Jahren mit fünf Millionen weniger Einwohner.

Romeo und Julia goes Pop - Thuner Seespiele zeigen 2015 Mut

"Liebe kann Schönes geben, Liebe kann dich zum Himmel erheben" Nachdem die letzten zwei Produktionen der Thuner Seespiele konservativ daherkamen und Publikumsschwund einsetzte, gibt die aktuelle Produktion "Romeo und Julia" alles, um dem Zeitgeist und den Jungen zu gefallen und wird dabei Welttheater. Das ist zum ersten das Bühnenbild. Verona ist dargestellt mit einer Halfpipe in Pink, an den Seiten stehen die Banner der verfeindeten Familien Montague (Romeo) und Capulet (Julia), darunter ihre Häuser in Blau, dahinter die Berner Oberland Alpen. Die kümmern die Jungen wenig, den in den Strassen tobt der Kampf der beiden Familien, den ihre Eltern einst angezettelt haben. Auch hier tragen die vielen jungen Schauspieler bunte Sportlerkleidung. Die wird auch gebraucht, den schliesslich rasen die Jugendlichen mit Rollbrettern oder BMX-Velos über die Bühne und sprechen im ersten Drittel den aufgemotzten mit Jugendslang versehenden Text , der nur bedingt an das Theaterstück von William Shakespeare von 1562 erinnert. Das ist Poparttheater, das Lady Gaga, Boy George und Conchita Wurst rein von den Kostümen in den Schatten stellt. Zwischen süss und trash ist der äussere Schein, die Songtexte genau das Gegenteil. Sehr tiefgründig und mit klarer Stimme besingen die Thunerin Iréna Flury und Dirk Johnston ihren Traum von der Liebe und ihre Schwierigkeiten mit dem Erwachsen werden in einem schwierigen Umfeld. Besonders der aus der RTL-Serie "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" bekannte Dirk Johnston legt sich ins Zeug von Anfang an. sowohl stimmlich wie körperlich, den er rennt, skatet und springt schliesslich auf den Balkon zu seiner Julia. Doch stets gibt es da einen stummen, schmutzigen Mann am Bühnenrand, der Tod. Er symbolisiert den täglichen Verlust von der Liebe, die das berühmteste Paar der Welt. "Gott warum erschuft Du diese Welt, wo alles zu Staub zerfällt." Im zweiten Teil der Tragödie lenkt das schrille Bühnenbild weniger von der Handlung ab und diese orientiert sich wieder mehr am Original und das ist brutal aber sehr spannend inszeniert. Die Kämpf der Band explodieren, es gibt Tode, Julia und Romeo lassen sich versteckt trauen, Romeo ersticht einen Gegner, flieht, Als er zurück nach Verena schleicht, liegt Julia auf dem Todesbett, Liebe führt zu Leiden, Das Kreuz der Liebe. Als Romeo seiner scheinbaren toten Julia mit Gift folgt, brennt ein Herz über dem Thunersee und das Weinen der Mütter zerreist die Stille der Nacht, der Tod zerstreut die Asche. Eine der vielen starken Szene gegen Schluss, Leider ist der zweite Teil nicht ideal ausgeleuchtet für die Seitenplätze. Mit dem Musical "Romeo und Julia" von Gérard Presgurvic aus Israel hat der Regisseur Christian von Götz aus Berlin einen zeitlosen Stoff mit viel Mut, schrägen Ideen aus seinem Team und der Energie und Spielfreude junger Schauspieler/Sänger geschaffen, das für viele konservative Zuschauer wie eine Ohrfeige daherkommt. Noch nie hat Thun soviel Leidenschaft so bunt gesehen. Das dabei die Botschaft, das Liebe den Tod überwindet, nicht verloren geht, ist ein weiteres Plus dieser Inszenierung, die glücklich macht, auch ältere Semester, die aus der Sturm und Drang Zeit hinausgewachsen sind in den Alltag, wo der Tod der Liebe um jede Ecke lauert oder die falsche Liebe abends auf dem Weg nach Hause sich hinter dem Bahnhof anbietet. Die Thunerseepiele dauernd bis zum 22.8.

Der Zucker, der an der Sonne statt mit Hip-Hop schmoltz - Lo & Leduc in Murten

Die meisten von uns stehen nicht auf der Bühne, weil sie mittelmässig sind und kein Glück haben etwas zu geben, dass glücklich für eine begrenzte Zeit macht wie die zwei Berner Rapper Lo & Leduc. Lorenz Häberli wurde 1986 geboren, trägt die Haare zum Zopf, hört bereits früh morgens im Intercity stets laut Musik über den Kopfhörer, isst Gipfeli und schreibt gleichzeitig Sprachreime. Er war in der Stadtszene Bern bereits eine Nummer für eine grosse Klappe bevor er mit seinem Freund Luc Oggier, geboren 1986, einen stets etwas verstimmt dreinschauenden Musiklehrer und Komponisten traf, mit dem er seit erscheinen des Debutalbums "Zucker fürs Volk" alles abräumt, was es in der Schweizermusikszene zu gewinnen gibt. Neben den goldenen Schallplatten auch drei Swissmusicawards. Bern hat wieder nach der Mundartgruppen wie Plüsch eine Nummer eins im ganzen Land, die diese Mal nicht rockt sondern zeitgemäss rappt. Rapper müssen direkt, roh und aggressiv sein, den ihre Musik spielt mit den Eiern und so knallte es heftig als die zwei Rapper mit Band die Bühne am 4.Juli am Stars of Sounds die fast ausverkaufte Pantschau Murten betraten. Doch ein Publikum, das schon stundenlang von 35 Grad Hitze gebraten wurde, noch lebendig zu machen, war selbst für die Stars der Stunde unmöglich. So verstricht die erste halbe Stunde des kraftvollen Sets verhalten. Dann hatte Lorenz Häberli eine Idee. Er fragte das Publikum nach Worten. Emil, Basilikum, Hemd und Wikinger warfen ihm die Jungen an den Kopf und er machte daraus einen spontanen Rap, der zum schmunzeln war. Langsam wurde getanzt, aber auch wie so oft bei Konzerten rege gesprochen und sich selber inszeniert mit Selfies. Rapper sind nur interessante Menschen, wenn sie den Mund aufmachen, sonst langweilig und die Band und Backgroundsängerinnen machen mehr Stimmung wie auch der Reggae oder südamerikanischen Melodien als die Wordakrobatik. Mittlerweile schob sich eine Wolke vor die Sonne und die Stimmung wurde immer bessser, das Publikum war aber nicht gerührt wie bei Roger Hodgsen einfach nur unterhalten. Wie bemerkte der Krokusgitarrist Chris von Rohr an den Musicawards: Soviel Glück am Beginn einer Karriere wie sie Lo & Leduc mometan bekommen, ist gefährlich, Irgendwann werden auch Lo & Leduc mittelmässig Leute, Für einige waren sie es schon in Murten und die gingen stattdessen an den See oder Sport treiben.

So gut wie damals, als Breakfast in America ein Hit war - Roger Hodgsen in Murten

Die Rechnungen sind bezahlt, der Chef zufrieden und trotzdem bleibt am Freitagabend dem 4. Juli das Gefühl im Raum, dass der Schwung von damals weg ist. Damals als es auch 34 Grad noch um neun Uhr abends war und "A long way home oder Logical song oder Breakfast in America" im Radio lief und ein Lebensgefühl wiedergab. Das Gefühl der Nostalgie triebt wohl die meisten der Zuschauer an den zweiten Abend des Stars of Sounds Open airs nach Murten, den Roger Hodgsen, die Stimme von Supertramp ist 65 Jahre alt und seine Fans ebenfalls in die Jahre gekommen. Doch 90 Minuten später tönte es hinter meinem Rücken von einer 20-jährigen:" Der war huuregut" Oldies are goldies, der Spruch bewahrheitet sich auch bei Roger Hodgsen. Auch nach 60 Millionen verkauften Platten, Ehrungen mit Diamandplatten hat er weder die hohe Stimme noch die Spielfreude verloren, auch wenn man bedenkt, dass der seit 40 Jahren auf der Bühne steht, immer ein Stück von sich gibt und als Sänger alleine gegen rund 3000 Zuschauer in der Pantschau seinen Mann steht wie auf der aktuellen Tournee, die ein Jahr dauert. Klar ohne die Phase als Sänger bei Supertramp wäre der Komponist, Texter und Songschreiber von der Bühne verschwunden. So kann er spätere Stücke aus den Soloplatten, die weniger erfolgreich waren, mischen mit den Hits wie "Dreamer"- der Höhepunkt des Abends, "its raining again" - der Mitsinger des Abends oder "School" - der musikalisches perfekteste Song des Abends und keiner läuft davon, wenn seine Kunst aus Klavier, Syntheziser und Gitarre Unbekanntes spielt. Gekleidet wie ein Clochard überzeugte Roger Hodgsen mit Hits aus den 80er Jahren, die dankt einer tollen Band, einem attraktiven Saxophonist so tönten wie damals als es noch Schallplatten gab. Nach dem Konzert war der Backstagebereich offen, der amerkanische Künstler schlenderte zur Bar, dank ein Bier und überlegte wie schon während des Konzertes. ob er auf seine alten Tage nicht nach Murten ziehen sollte. Wann fängt die Rente für Roger Hodgsen an, wenn er den Supertramp, den ewigen Reisenden im Herzen trägt?

Sevens Freiluftdisco in Murten

BackFunkLoveSoul tönt heiss, 33 Grad war es auch am 2. Juli bei der Eröffnung des Stars of Sounds Open airs in der Murtener Pantschau und fünf vor halb Acht war sie noch leer. Dabei war Seven hinter der Bühne schon auf Zappelphilippe für seinen zweiten Auftritt zur aktuellen Freilufttournee mit dem zehnten Album, das gleich auf die Nummer eins der Hitparade schoss. Doch nur zwei Takte des ersten Liedes und schon traten die zahlreichen orangen Hütte, die der Sponsor Migros verteilt hatte aus dem Schatten und die Leute genossen den Prince aus dem Aargau. Funk war sein Programm und die aktuelle Scheibe ist wie gemacht, die grosse Altersspannweite beim Publikum zu überbrücken und zum Tanzen zu animieren. Zuerst in die Beine geht der Schweizer Funker mit internationalem Flair und wer bei der Hitze noch denken konnte, merkt erst viel später wie vielschichtig und intelligent diese schwarze Musik von einem Weisen gemacht ist. 10 Alben hat der Vater und Musiker schon draussen und dankt der hervorragenden Band hat er in Murten einige Fans mit seinem Set, das keine Pausen und Leerläufe hatte, dazugewonnen. Für einmal war die Seepromenade Murtens eine Freiluftdisco, play that funky music.

Wohlfühlurlaub und Yoga in Andalusien - der Test

Das 2015 ist ein halbes Jahr alt und die Vorsätze vom Silvester vergessen oder nur halb umgesetzt, weil alles zu schnell ging und zu wenig Zeit für sich blieb. So oder ähnlich ergeht es sicher den meisten Erwachsenen im Berufsleben und die Ferien sollen das Defizit wieder beheben. Spanien ist noch ein sicheres Urlauberland und in der Nähe von Malaga bietet die Casa el Morisco einen Wohlfühlurlaub mit Yoga an. Hier der Test. Die Lage: Die Casa el Morisco liegt etwa 40 Minuten vom Flughafen Malaga entfernt und einen Kilometer ausserhalb von Benajafe. Zwei Berliner Brüder haben sie vor 18 Jahren gegründet und betreiben sie mit 20 Mitarbeiter. Das Familiäre wird gross geschrieben, der entspannte Ton und die Atmosphäre gehen von der ersten Minute an auf den Besucher über, der mit einem Shuttle vom Flughafen abgeholt wird. Die Anlage ist zwar für alle offen, doch meistens findet man hier viele Frauen mittleren Alters, wenig Männer und noch weniger Junge vor in der grünen Insel, Diese Auszeichnung trägt die Anlage zurecht, den während spätestens ab Mitte Juni die Sonne die andalusische Erde und ihre Vegetation verbrennt, ist es hier überall dank Bewässerung grün. Der Park ist eine Ansammlung von kreativen Garten- und Bauideen, die entdeckt werden wollen. Negativ; Die Anlage ist 20 Minuten vom Strand entfernt, das sind bei 40 Grad Hitze zuviel. Auch ist der Ort Benajarafe wie sein Strand hässlich. Bis Malaga sind es mit dem Bus 40 Minuten. Viele Besucher bleiben deshalb in der Anlage und am Pool. Yoga und Kurse: Der Tag fängt je nach Anzahl Besucher um 7.30 Uhr mit einer Lektion für Fortgeschrittene und um 9 Uhr für Angänger Yoga an. Das Niveau der Yogaleiter ist unterschiedlich und immer in Deutsch. Ab 17 Uhr gibts die zweite Stunde. Dazwischen bieten die Yogaleiter Massagen an. Negaitiv: Der Yogaraum hat keine Ventilation, da wird es bei 20 Teilnehmer oder mehr eng und und heiss. Die zusätzlichen Seminare stiessen nicht bei allen auf Zufriedenheit. Das Essen und die Zimmer und die Geselligkeit Bereits um 7 Uhr geht das Geschwätz der andalusischen Frauen in der offenen Küche los und sie sprechen über alles während ihre Hände drei Mahlzeiten vegan und vegetarisch zubereiten. Das Frühstück kann draussen und drinnen ab 9 Uhr eingenommen werden. Rohkost und viele neue Rezepte folgen am Mittag und am Abend.Die Auswahl ist gross und viele essen sich ein paar Kilo an. Die Zimmer sind zweckmässig, unterschiedlich gross und eigentlich nur fürs Schlafen gedacht, da sich das Leben im Süden draussen abspielt. Jeder Aufenthalt in einer geschlossenen Anlage lebt von der Geselligkeit. Viele deutsche Frauen, wenig Männer und als Schweizer wird man in die Gruppe mehr oder weniger integriert. Negativ: Mögen die Rohkostmenüs noch so schön aussehen, sie schlagen auf den Magen, wenn man nicht daran gewöhnt ist, sind Blähungen danach an der Tagesordnung. Hier fehlt es an Alternativen. Der Einzelzimmerzuschlag ist zu hoch und es fehlt eine mehrmalige Reinigung. Fazit: Der Wohlfühlurlaub in der Casa el Morisco ist mit rund 800 Euro ohne Flug teuer, aber wer aufs Geld schauen muss, erhält mit der Vollverpflegung und dem Yogaprogramm einiges fürs Geld und kann eigentlich die ganze Woche in der grünen Anlage bleiben ohne Auslage. Wer vom Land noch was sehen will, ist zwar mit drei angebotenen Ausflüge nicht ganz verloren, aber sonst bietet die Umgebung wenig. Die Casa el Morisco lebt von der Geselligkeit, dem sich spüren und dem Innehalten und neue Kraft schöpfen.