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gurtenfestival 2007

Das Familienfest schlechthin

Was 1983 auf dem Berner Hausberg als ein Fest für ein paar Hippies begann, lockte mit einem Familienprogramm wieder 57000 Menschen auf den Gurten, die einen Querschnitt aus einem Musikjahr zu hören bekamen. Dank dem Comeback der Waldbühne als Plattform für Schweizer Bands gab es interessante Licht- oder Dunkelpunkte helvetischen Schaffens wie die Berner Hip-Hopper 6er Gascho mit neuem Material, das Churer Grossmaul Gimma als Mann ohne Eigenschaften und Gefühle, der zurecht bald seine Karriere beendet oder Oldies wie die Young Gods aus Lausanne mit Klangwunder. Ob es an der Donnerstagshitze  oder am weissen Schnee lag, der Held fürs Volk Baschi wirkte zeitweise abwesend und introvertiert. Nur der Kern seiner Fans  blieb bis zum Schluss und wurde danke der hervorragenden Band im zweiten Drittel doch noch  belohnt.  Christine Stürmer versuchte mit viel Linzer Charme zu verbergen, dass ihre Stimme den harten Rocksongs nicht gerecht wurde. Ein Armutszeugniss an Inspiration waren Clawfinger, die immer noch tönen wie vor dreizehn Jahren und trotzdem die Berner in den Bann zogen, bevor Avil Lavigne zwischen tanzenden Cheerleadertänzerinnen so tat als sei sie Punk und den ultimativen Stilbruch zwischen Musik und Präsentation leistete.

Einen Tag später, nachdem ein Unwetter im Berner Oberland einigen Plüschmusikern Schaden an ihrer Habe zugeführt hatte, zeigten sie, dass ihr Mundartrock auch nach fünf Jahren noch berührt, was Lunik mit einer arroganten Jael nicht mehr schaffen. Ihr ehemaliger Trip-Hop ist live ein Popbrei. Für das Karriereende hat die Sängerin schon vorgesorgt, als sie tagsdrauf im Naturhistorischen Museum Kindergeschichten vorlas. Eine Marke für sich waren die Fanta 4, die Spass machen und die Messlatte immer sehr hoch ansetzen mit ihrem Sprechgesang.  Die melancholischen Gitarren der Lausanner Magicrays sorgten für einige ruhige Momente. Sie waren genauso eine Entdeckung wie der Countryrock von Hoss Boss aus Berlin, Nada Surf oder Babylon Circus, alles Musiker ohne Gedanken an den Kommerz. Cypress Hill waren eine Wucht. Fiji, die Tanzcombo um die unwiderstehliche Simone verführte auch noch nach Mitternacht. 

 Das Wetter hatte dieses Jahr nicht immer mitgespielt und so verwandelten sich Teile des Geländes  in Schlammwiesen, denen die Organisation auch am Sonntag nicht Herr wurden.

Barfuss und in einem Blumenkleid gehült, öffnete Joss Stone Sinne mit ihrem Soul, der unterstützt wurde von schwarzen Musikern.  Sie sang ohne Nervosität, mit grosser Stimme und errinnerte mit ihrem Stil an die Anfänge des Festival vor vierundzwanzig  Jahren. Zum Schluss schenkte sie dem Publikum einen Strauss Rosen. Bei Dieter Thomas Kuhns Schlagern schaukelten ganze Familien dem Ende des Festival entgegen, bei dem Schweizer Musik das Ass war.

juerg kilchherr am 22.7.07 23:37

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