CH-Kultur pur - das Neuste aus der Schweiz

bundartikel zur kunstausstellung laupen 13.3.-16.3.08

Simon Wälti

Redaktor Stadt & Region Bern der Bund

Der Gaffer und die Kalligrafin
«Frauen und Männer – Begegnungen mit dem eigenen Geschlecht», so lautet der Titel einer Ausstellung im Gemeindehaus in Laupen, die heute eröffnet wird.
Any Kobel-Lemke und Jürg Kilchherr aus Laupen widmen sich in einer Kunstausstellung im Gemeindehaus dem unerschöpflichen Thema Mann und Frau. Kilchherr zeigt Bilder von Männern im Popartstil, die Schrift- und Wortkünstlerin Kobel-Lemke porträtierte Frauen, die ihr begegnet sind und sie inspiriert haben. Zu sehen ist zum Beispiel eine Installation für die Leinwandgöttin Greta Garbo, aber auch eine Hommage an die Grossmutter der Künstlerin. «Garbos Talent hat mich inspiriert, ihre Stimme und ihre Sinnlichkeit, die sie in ihren Filmen ausstrahlte.» Dazu war die Grossmutter, eine Bäuerin, wie ein Gegenpol: «Sie war immer zufrieden und fröhlich, ruhte in sich selber.»

Während ihre Werke fein und filigran sind, arbeitet Kilchherr mit kräftigen Farben. Steht bei ihr eher die Sinnlichkeit im Vordergrund, so ist es bei Kilchherr die erotische Spannung zwischen Männern. Es gehe um «Mann und Sein», sagt er. Kilchherr fand die Motive für seine Bilder bei täglichen Begegnungen, zum Beispiel im Zug oder im Fitnesscenter. «Ich gehe mit offenen Augen durchs Leben, mein Spitzname ist ,Gaffer vom Sensental‘», sagt er mit einem lauten Lachen. Aus den Beobachtungen forme er mit «viel Eigeninterpretationen» ein Bild, ein «Abbild». Die Traumwelt funktioniere als Ergänzung zur realen Welt. Auch das Thema Bisexualität greift er in seinen farbigen Bildern auf. Das war auch der Ausgangspunkt für die Ausstellung. Kobel-Lemke las das Buch «Ménage à trois» von Kilchherr, ein Roman über eine Dreiecksbeziehung zwischen zwei Männern und einer Frau. Kobel-Lemke las das Buch und lud Kilchherr zu einem Gespräch in ihr Atelier ein. «Der Roman war süffig zu lesen und bildete eine Brücke zu ihm», erzählt die 45-jährige ausgebildete Kalligrafin. «Ich wollte ihn kennen lernen und wissen, was er macht.» Bald war die Idee einer gemeinsamen Ausstellung geboren. Allerdings war es für die Künstlerin, die seit 14 Jahren in Laupen lebt, eher ungewohnt eine Ausstellung zu gestalten: «Normalerweise arbeite ich auf Aufträge.»

Kobel-Lemke wollte für die Ausstellung zuerst Frauen aus der Region Laupen interviewen und porträtieren, doch sie musste diesen Plan wieder verwerfen. «Die Frauen machen ein relativ grosses Geheimnis um sich und wollen ihre Weiblichkeit nicht öffentlich machen.» Anderseits sei sie wohl auch über ihre Schüchternheit gestolpert. Es liege ihr nicht besonders gut, auf die Leute zuzugehen und sie mit Fragen «zu löchern». Begegnungen ist sie aber nicht abgeneigt. Während der Ausstellung wird Any Kobel-Lemke im Gemeindehaus anwesend sein und künstlerisch tätig sein. «Die Leute können mir über die Schulter blicken, das macht am meisten Spass.»
Kilchherr wird seine Bilder unter dem Titel «Das Männer-Wunder von Bern» auch noch in Berlin und in Linz zeigen. Zudem wälzt er Pläne für einen neuen Roman, wobei er sich ein sehr ernstes Thema ausgesucht hat. Der 42-Jährige beschäftigt sich mit dem Fall von sexuellem Missbrauch in Schmitten im Kanton Freiburg. Mehrere Männer sind angeklagt, drei Mädchen sexuell missbraucht und zur Prostitution gezwungen zu haben.

juerg kilchherr am 12.3.08 16:05

bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL