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montreix jazz festivaöl 2008


Montreux Jazz Festival
 
Von einem Höhepunkt zum anderen
 
Es brauchte Claude Nobs 42. Ausgabe des Montreux Jazz Festival und nicht die Euro, um der Westschweiz vom 4. bis 19. Juli ein völkerverbindendes Ereignis mit Höchstleistungen und internationalem Flair zu bescheren. Zwar ist der heimiliche Sieger dieser Veranstaltung die Atmosphäre mit ihren Ständen, Strassenkünstlern und die grandiose Natur des Genfersee, doch davon soll hier nicht die Rede sein, sondern von Sheryl Crow, Joan Baez, Sophie Hunger - Frauen, die mit Gitarre und ihrer Stimme ihr Inneres nach aussen öffneten.
Nach 15 Jahren kehrte Leonard Cohen auf die Bühne in schwarzem Anzug und Hut als 73-jähriger Mann zurück mit dieser dunklen Stimme, die die Kraft hat alle Herzenschmerzen, alle Schwermut in dieser Welt zum Gebet zu erheben. Als er sich dann noch auf die Knie warf, um für die Flüchtlinge in den Krisengebieten mit drei Backgroundsängerin zu singen, war es auch um die Herren neben viele Frauen geschehen und eine Ovation folgte der nächsten über zweieinhalb Stunden.
Der Neuling Santogold brachte es nur auf magere vierzig Minuten Konzert.
Die Tage, wo Travis und Gnals Barkley mit ihren Debuts Euphorie hervorriefen, sind vorbei und ihre Auftritte mit aktuellen Material war lau, ihre englischen Kollegen Adele, Mark Ronson oder Kate Melua sind halt die Stars der Stunde und bewiesen, dass sie Handwerker in Sachen Musik von Dauer sein werden.
Wer sich über die überrissenen Ticketpreise (waren darum soviele neureiche Araber in der Stadt?) oder die schlechte Belüftung im Audoitorium Stravinski ärgerte, hatte bei The Raconteurs mit Jack White aus Detroit, die Möglichkeit bei dem brachialen Krach der heulenden Gitarren seine Wut loszuwerfen. Hier spielte eine Band und nicht ein Star mit Mitmusikern, die abrupte Breaks einbauten in den harten Rock.
Im Casino Montreux gibt es ja keine Konzerte mehr, da wird nur noch Roulette gespielt, doch der Brand des Gebäudes haben Deep Purple mit "Smoke on the water" verewigt und trugen ihren Hard Rock dieses Jahr routiniert vor.
Beide wohnen auf Jamerika. Der eine, Eddy Grant fragte vor zwanzig Jahren, ob wir seine Liebe fühlen und der andere Lenny Kravitz ruft heute, dass es Zeit sei für eine Liebesrevolution. Beide hatten Sexappel, Eddy mit funky Gitarrenrythmen und Lenny als Typ aber weniger mit dem neuen Soundmaterial.
Sie kam, sang und siegte. Alica Keys war dank einer atmenraubenden Performence der Höhepunkt an einem Festival, dass den Glauben an die Musik als Handwerk und nicht Plastik für viele zurückgab. Merci Claude.
 
 

juerg kilchherr am 18.7.08 10:38

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