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buchkritik mit seitenhieb von banzini


Buchtipp aus dem Monat Februar 2006

M?nage ? trois von Juerg Kilchherr



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Der spanische Stierk?mpfer Juan ist verlobt mit der Politikjournalistin Antonia, die er seit seiner Kindheit kennt. Antonia f?hrt als emanzipierte Frau ein sehr selbst?ndiges Leben in Madrid, was dem im Machismo verwurzelten Juan ganz sch?n zu schaffen macht, obwohl die Situation andererseits recht bequem f?r ihn ist. In der Abwesenheit von Antonia kann er in die Parks gehen, um dort seine nicht eingestandenen homosexuellen Neigungen auszuleben. Diese Parkbesuche werden im Buch nur angedeutet und es ist nicht ganz sicher, ob Juan in den Parks Sex mit M?nnern hat. Jedenfalls lernt er bei einem dieser Ausfl?ge den Schweizer Kunstmaler Gustav kennen und verliebt sich augenblicklich in ihn. Da ist es dann recht praktisch, dass Gustav gerade ausgeraubt worden ist und Juan einen Vorwand hat, den sch?nen jungen Mann mit nach Hause zu nehmen, um ihm dort Obdach zu gew?hren.
Als Antonia aus Madrid anreist, hat sie sofort Ahnungen, worauf das Alles hinauslaufen wird und ist entsprechend eifers?chtig, da sie Juan lieber f?r sich allein h?tte. Zun?chst kann sie ihre Stellung als Juans Partnerin noch behaupten, aber nach einigen Verwicklungen haben alle drei Sex miteinander. Daraus ergibt sich aber alles andere als eine Idylle. Juan gewinnt als Begehrender am meisten, w?hrend seine Partner Antonia und Gustav eher geben, denn bekommen.
Nach einigen dramatischen Verwicklungen und ?ffentlichen Skandalen hat Juan sein Outing als bisexueller Mann, was ihm sogleich ein fr?hzeitiges Ende seiner Karriere beschert. Und im Hintergrund brodelt der aufkommende Terrorismus in Europa und legt seine dunklen Vorzeichen ?ber die Protagonisten des Romans. Gerade, als sich Juan, Antonia und Gustav einigerma?en zusammengerauft haben (nat?rlich Mal wieder durch die Opferbereitschaft der Frau, ihrem Mann die Freiheit zu schenken, seine Sehns?chte zu verwirklichen), wird Antonia bei dem Bombenanschlag in Madrid get?tet.
Nun stehen Juan und Gustav ohne Antonia da und trauern um sie. Schmerz um einen geliebten Menschen kann als Schl?sselerlebnis dazu f?hren, sich zu ?ndern, nicht so bei Juan. Er bleibt in der Beziehung mit Gustav weiterhin der Nehmende und hat auch bald eine Aff?re mit einer h?bschen Italienerin, wogegen nun nichts einzuwenden ist, wenn er seinen Gustav nicht so penetrant dabei au?en vor lassen w?rde. Verzicht, um das partnerschaftliche Gl?ck zu erhalten, ist Juans Sache nicht, er genie?t seine Sexualit?t in vollen Z?gen. Er fordert von Gustav Toleranz nicht, nimmt sie aber doch irgendwie als selbstverst?ndlich, auch wenn der andere darunter leiden mag.
Juan ist ein feinf?hliger, sensibler Mann, doch auf seine Weise r?cksichtslos auf die Erf?llung seiner sexuellen W?nsche konzentriert. Ob dies im Angesicht von Terrorismus und zahlreichen Naturkatastrophen (am Ende sterben Juan und Gustav w?hrend eines Weihnachtsurlaubs auf Sri Lanka, als die Wellen des Tsunamis ihr Ferienhaus ?berrollen) legitim ist, muss jeder f?r sich selbst beantworten.

M?nage ? trois ist ein bemerkenswertes Buch ?ber die Liebe zu dritt in Zeiten von Terrorismus und Naturkatastrophen. Manchmal habe ich mich gewundert, wie beil?ufig und scheinbar ohne dramaturgische Zusammenh?nge die Katastrophen ?ber die Figuren des Buches hereinbrechen. Aber genauso passiert es ja auch in der Realit?t. Jeden kann es treffen zu jeder Zeit.

Sprachlich wandelt der Autor Juerg Kilchherr in M?nage ? trois auf einem schmalen Grad. Obwohl er wahrscheinlich W?rme und emotionalen Aufruhr zwischen den Protagonisten zum Ausdruck bringen wollte, f?hrt sein mitunter allzu knapper Satzbau dazu, dass sich in den Roman eine gewisse K?lte einschleicht an Stellen, wo doch eigentlich das Temperament der Figuren ?berkocht. Dem kleinen W?rtchen 'Und' ist der Autor g?nzlich abgeneigt. Wann immer er kann, z?hlt er auf, was dem Text eine gewisse Kantigkeit verleiht und dem eleganten Fluss des Lesens schadet. Seine Ausf?hrungen ?ber das Leben, die Liebe, die M?nner und die Frauen waren mir zu dick aufgetragen und ich kam mir vor, als l?se ich einen Ratgeber in Beziehungsfragen und nicht einen Roman. Man hat zu sehr die Meinung des Autors gesp?rt. Im Idealfall vergisst man w?hrend der Lekt?re eines guten Buches den Autor und konzentriert sich ganz auf die Figuren und deren Erlebnisse. Meinungen, Erkenntnisse und Erlebnisse von Autoren flie?en immer auf die eine oder andere Weise in dessen B?cher ein, gar keine Frage. Die Kunst beim Romanschreiben aber ist es, die Charaktere, deren Handlungen und deren Abenteuer davon durchdringen zu lassen. Passagen, in denen der Erz?hler ?ber was auch immer nachdenkt und somit seine Meinung neben die Geschichte stellt, geh?ren nicht zu einem Roman und sind ?berfl?ssig.

Ihre Norma Banzi



banzini

juergkilchherr am 11.2.06 18:29

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