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Interview mit younggay.de zum Buch und Person

Interview mit dem Autoren Juerg Kilchherr (2006-02-15)

Juerg Kilchherr wagt sich mit dem Verfassen des ersten bisexuellen Buches in der Schweiz auf ein neues Terrain. Wir wollten von Ihm wissen, wie es dazu kam und was wir weiter aus seiner Feder erwarten d?rfen.


Ihr Roman "M?nage ? trois" thematisiert Bisuexualit?t. Warum haben sie
keinen reinen Roman ?ber Homosexualit?t geschrieben?

Nach dem Besuch eines Bisexuellen-Themenabends in Z?rich, sp?teren Gespr?chen mit bisexuellen V?tern, aber auch den Beobachtungen im Sportverein hatte ich den Eindruck, das bisexuelles Verhalten, nicht sosehr die Sexualit?t, in der Gesellschaft eine immer gr??ere Rolle spielt. Die oft reine Kopfphantasie der M?nner, sich mit einem Mann zu vergn?gen, reizte mich literarisch zu verarbeiten mit einem Mann, der f?r die Machos steht, der Stierk?mpfer Juan aus Andalusien, der im meinem Buch aber mit der Rolle des Hetero bricht, dank der Erfahrung mit Gustav dem Maler und so wahrhaftiger wird. Mich interessierte auch das Herantasten eines Hetero an die Homosexualit?t in einer konservativen Gegend wie Andalusien, die hat noch klischeehaft denkt, aber wie ganz Spanien oder andere Staaten durch die neuen liberalen Gesetzte mit der Tatsache konfrontiert wird, das heute Ehe und Partnerschaft auch vor dem Gesetzt eine Sache zwischen zwei liebenden Menschen ist und nicht die zwischen Frau und Mann. Wie aber bei den meisten Bi-Geschichten ist die Frau, die Leitragende. Zwar ist es am Anfang extrem spannend Neues zu dritt auszuprobieren, doch der Spagat mit allem und immer f?r zwei zu gen?gend , sich teilen m?ssen, gelingt meist nicht, weil Frauen eher konservativ denken, ihre Liebe nicht teilen m?chten, sehr besitzergreifend sind.


Spielen in Ihrer Erz?hlung pers?nliche Motive eine Rolle, wenn ja,
verarbeiten Sie pers?nliche Erfahrungen in Ihren Texten?

Die Frage kommt immer wieder. Also eine Liebe zu dritt habe ich nie erlebt, nur ertr?umt, daf?r lebe ich wohl in der falschen Gegend der Schweiz, m?sste von der Provinz in die Stadt. Zwar gab es M?nnergeschichten w?hrend meiner Verlobungszeit mit einer Frau, aber nur one-night-stands. Doch das Buch ist ja nicht nur eine Sexgeschichte, sondern eine Chronik der politischen, gesellschaftlichen Ereignisse des jungen 21. Jahrhunderts und da bin ich auch Teil davon. Au?erdem sind viele seelischen Eigenheiten der drei Hauptfiguren von mir und ganz besonders die poetischen Augenblicke. Wichtig schein mir aber auch bei Schreiben, der ver?nderte Sprachgebrauch und die Sehensweise. Meine S?tze sind kurz wie SMS und die Bilder rasant wie Videoclips.

Warum thematisieren Sie gerade den Terrorismus als aktuelles Thema in
Ihrem Werk?

Ich komme gerade von einem Thailandurlaub zur?ck mit Zwischenstation in den Arabischen Emiraten. Was man heute an Sicherheitsvorrichtungen im Hotel, auf ?ffentlichen Pl?tzen, am Flughafen aufgrund der t?glichen Bedrohung durch den Terror ?ber sich ergehen lassen muss, ist gro? und die unsichtbare ?berwachung des Privatmannes hat ein schier unendliches Ausma? angenommen. Im Buch recherchiert Antonia, die Politjournalistin, die Anf?nge des Terrorismus in Marroko, der dann nach Europa ?berschwappt und schlie?lich im gr??ten Terrorakt der europ?ischen Geschichte dem Anschlag von Madrid m?ndet, wo Antonia stirbt. Das ist zwei Jahre her und seither geht der Kampf
der Kulturen weiter. Mir wird dabei ganz ?bel, zumal ich reale Opfer aus der Verwandtschaft zu beklagen habe in diesem Terrorkrieg. Mir war aber auch ein aktuelles Buch wichtig, wo Menschen mit einer besonderen Sexualit?t Opfer des Alltags werden. Realit?t und Fiktion vereinen, ein Trend in Film und Literatur, das wollte ich, zumal ich ja auch als Journalist arbeite, mit meinem Buch aufzeigen.


Viele Buchl?den, auch in Deutschland, wollen immer noch keine Literatur
in ihr Sortiment aufnehmen, die sich um Homosexualit?t dreht. K?nnen Sie
diese Position nachvollziehen? Beziehungsweise wie k?nnen Sie als Autor
diese Stimmung ?ndern?

Diese ablehnende Haltung haben nicht nur Buchl?den sondern auch Buchbesprecher, Veranstalter etc. Ich habe mit meinem Buch viel Mut bewiesen Bisexualit?t zu thematisieren und den ersten Bi-Roman der Schweiz zu schreiben. Das wird mir k?nstlerisch den R?cken st?rken, aber finanziell schaden. Ich habe deshalb auch angefangen im Kollektiv mit einer Lesbe Lesungen selber zu veranstalten und siehe da, es hat funktioniert. Das brachte mir Lob und Respekt ein, so dass auch eine gro?e Zeitung mein Buch besprach und Provinzbuchhandlungen das Buch ins Sortiment nahmen.

Und zum Schluss: Sind weitere Werke aus Ihrer Feder geplant? Wenn ja,
wann darf man damit rechnen?

Bereits erschienen ist k?rzlich das erotische H?rbuch "Erogene Zonen", dann folgt im M?rz die ?sterreichische Fassung von "M?nage ? trois" als "Liebe zu dritt" in der Edition nove. Au?erdem gehe ich das Thema Bisexualit?t mit der Malerei an. Zusammen mit dem Roman gehe ich zu dritt auf Tournee ab sofort. Gerne w?rde ich das Thema Bisexualit?t auch an weiteren Orten im deutschsprachigen Raum zeigen. Wer Interesse hat an einer Ausstellung mit Lesung und Musik kann sich bei mir melden.
Infos zum Autor www.juergkilchherr.ch

Wir bedanken uns bei Herrn Kilchherr f?r das Interview und w?nschen weiterhin viel Erfolg bei seiner Arbeit.



Links: Rezension seines Buches bei younggay.de

Autor: Ayu
Quelle:


young gay

juergkilchherr am 15.2.06 21:06

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