CH-Kultur pur - das Neuste aus der Schweiz

Das lange Interview

Interview mit Juerg Kilchherr durch den Verbund deutscher junger Autoren, erscheint im Herbst

Interview mit Juerg Kilchherr

 

 

Q:        Wie entstand die Idee für das Buch?

 

Ich wollte eine fiktive Geschichte in einem realistischen Umfeld schreiben, die den Aspekt einer Männeremanzipation in Form von fördern nicht formen enthält. Was konkret heißt, ich begeleite zwei Männer und eine Frau über eine gewisse Zeit, in der sie lernen, Erfahrungen und Informationen vor die Moral zu stellen, modern denken lernen und sich dabei mehr annehmen, weicher werden. Doch dieser Weg sollte die sozialen und politischen Ereignisse dieses Jahrzehnts, die eines jeden Schicksal beeinflussen, nicht außer Acht lassen. Als zweites wollte ich mich an das erotische Schreiben wagen, was auch in einem Absturz hätte enden können, tat es aber nicht.

 

 

Q:        Wie lange dauerte es vom fertigen Manuskript bis zum fertigen Vertrag? Gab es

irgendwelche besondere Schwierigkeiten oder lief etwas besonders glatt?

 

Mit „Ménage à trois oder die Liebe zu dritt“ schreib ich eine Geschichte im Video-literaturstil. Kurze Bilder, wenige ausufernde Beschreibungen, schnelle Situationen. Dieser Stil ist in England neu, aber in der BRD und der Schweiz kommt innovatives bei den Verlagen schlecht an und so fand ich BOD, für das Hörbuch Edition Bärenklau, diverse E-Bookanbieter und Libri für die mp3 download - Sachen. Ich habe also auch mitgezahlt, aber es hat sich gelohnt.

 

 

Q:        Ein wichtiges Motiv in deinem Roman und auch in deinen Kurzgeschichtenbände ist

            die Liebe? Was bedeutet Liebe heute für sich?

Der Bibelspruch „liebe den Nächsten wie Dich selbst“ ist sicher der rote Faden von „Ménage à trois“. Auf der Entdeckungsreise zu sich selbst erfahren die Männer, dass die wichtigste Beziehung im Leben, die zu sich selbst ist. Wenn die harmonisch ist, unterscheide ich mich vom Wilden, lebe in Wahrheit und kann schöpferisch sein zu jeder Art von Liebe.

 

 

 

Q:        Wieso gibt es eine österreichische Version des Buches?

 

Eine Woche nach Vertragsunterzeichnung mit BOD kam Edition nove aus Österreich auf mich zu mit einen Angebot. Es hat sich mittlerweile gezeigt, dass es einen Vorteil ist für die Pressearbeit, wenn ein Buch aus dem eigenen Land stammt, wenn man Erstling ist.

 

 

Q:        Wie sieht deine tägliche Arbeit in der Schreibphase aus?

Bis auf die Überarbeitung habe ich alles dank Stipendien im Ausland geschrieben. In der Phase des Schreibens bin ich zu stark absorbiert, als dass ich da den täglichen Kleinkram erledigen will und kann. Auch ist es für ein persönliches Umfeld besser, wenn ich beim Schreiben weg bin, denn dann kann ich sehr egoistisch sein. Wichtig fand ich bei der Schreibphase die Nerven am Ende eines Tages zu beruhigen, denn man plündert ja auch seinem Universum. Dem Masseur des türkischen Bades Hamman von Rhodos, wo ich den größten Teil schrieb, sei hier nochmals gedankt.

 

Q:        Wie klappt die Zusammenarbeit mit dem Verleger oder anders gefragt: was muss ein

            Autor neben dem Schreiben tun, um sich und sein Werk zu vermarkten?

 

Neben den Inseraten und Hilfe bei der Pressearbeit habe ich besonders in der Schweiz alles selber gemacht und mein Networking ausgenutzt. Besonders die vielen kleinen Regionalzeitungen und Radios müssen auch bearbeitet werden. Auch fand ich es hilfreich ein gute Homepage zu haben, Weihnachtsmärkte mit einem eigenen Stand zu besuchen und dank meines Könnens als Maler, dem Buch mittels Illustrationen, die dann ausgestellt werden können, den Ganzen einen neuen Aspekt hinzuzufügen und so im immer engerwerdenden Kunstmarkt Nischen zu finden.

 

 

 

Q:        Existiert eine Szene zum Thema „homosexuelle Beziehungen“? Und gab es Schwie-

            rigkeiten einen Verlag für das Thema zu begeistern?

 

Männerliebe und noch viel mehr Männerfreundschaft ist stets präsent im Buch. Freundschaft als höchste Form der Liebe. Die schwulen Verlage fanden es halt zu wenig rosa, da es ein bisexueller Roman ist, die anderen Absagen wurden nicht begründet. Die Reaktionen des Publikums sind aber gut und da ich das erotische Schreiben beherrsche, habe ich auch die Fähigkeit Sex gehaltvoll darzustellen. Die Gaybewegung, die wie die Frauenbewegung viel für die Selbstbestimmung des Einzelnen getan hat, wird hier der der Männer entgegengesetzt mit dem Aufruf, Männer tut auch was für eure nicht wirtschaftlichen Interessen, sonst stirbt euere Seele.

 

 

 

Q:        Du bist ja nicht nur Autor, sondern auch Musiker, Schauspieler und Maler. Fühlst du

            dich in allen Bereichen zu Hause? Beeinflussen Bilder deine Geschichten und finden

            sich Geschichten auch in Liedtexten wieder?

 

 

Am Anfang steht immer das geschriebene Wort, dann versuche ich dazu Popart zu malen und Song auszuwählen. Mit diesem Dreierpaket bin ich unter dem Titel „Ménage à trois“ seit neun Monaten auf Tournee und merke, das Publikum braucht zum Wort auch visuelles, akustisches.

 

 

 

Q:        Tipps für angehende Autoren?

 

Es ist zwar schwer heute einem Menschen zu sagen, nimm dir Zeit, wir leben anders, doch ich habe auch zehn Jahre gebraucht, bis nach anderen Publikationen ein Roman fertig war. versucht auch selber aktiv zu sein mit Lesungen zu organisieren, benutzt die neuen Medien wie Prodcast, mp3, realisiert ein selbstfinanziertes Buchprojekt nur, wenn wirklich viel Geld da ist, den es braucht viel Werbung. Lebt den Stoff über den ihr schreibt. Gute Literatur schreiben, fängt bei sich selber an

 

Q:        Wann kann man dich - egal ob als Autor, Musiker oder Schauspieler - in Deutschland

            bewundern?

 Im Herbst bin ich auf Deutschlandtournee, wer vorher Erotisches mit Stil genießen will, schaue auf www.juergkilchherr.ch vorbei.

 

juerg kilchherr am 11.7.06 10:51

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