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Der Roman macht den Mann

Der Roman macht den Mann


Es steht ein grosser Tag f?r J?rg Kilchherr an: Dieses Wochenende tritt der Laupener an der Schwulen- und Lesbenparade in Berlin auf. Der 40-J?hrige sagt, er sei erst durch seinen Roman bisexuell geworden.

J?rg Kilchherr ist keine schillernde Erscheinung. Im Gegenteil. Eher unauff?llig, ruhig, gesetzt. Er lacht ein bisschen zu laut ?ber ein bisschen zu wenig lustige Aussagen. Und der Laupener hat ein Buch geschrieben, ?M?nage ? trois?, nennt es sich. Dort liebt der Mann die Frau und den J?ngling. Der J?ngling liebt den Mann und die Frau. Die Frau liebt beide M?nner, zerbricht aber daran. ?Nicht autobiografisch? ist das Ganze. Aber J?rg Kilchherr sagt, er h?tte die Handlung nachgelebt, um es besser erz?hlen zu k?nnen. ?Ich habe mich selbst in den Hauptdarsteller hineinversetzt.? Was aber hiesse, dass er die wilden Sexorgien, die Liebe zu dritt, wie sie im Roman mit teils unpassenden, pseudoerotischen Worten erz?hlt wird, selbst erlebt h?tte. Dazu sagt J?rg Kilchherr nicht allzu viel. Ausser, dass er durch den Roman seine bisexuellen Seiten kennen gelernt habe, ja, das k?nne man so sagen. ?Es hat mich weicher, zufriedener und vielf?ltiger gemacht?, sagt der 40-J?hrige.


Singen wie Robbie


Am kommenden Wochenende also f?hrt J?rg Kilchherr ins ?offene? Berlin, wo er an die Schwulenparade unter der Schirmherrschaft von B?rgermeister Klaus Wowereit eingeladen ist, ?als einziger Schweizer K?nstler?. Dort m?chte J?rg Kilchherr nicht nur aus seinem Buch, ?dem ersten bisexuellen Roman der Schweiz?, lesen, sondern auch singen. ?Ich mache Interpretationen von Popsongs, zum Teil ?ndere ich die Texte ab, damit sie passen.? Und dann h?rt man Robbie Williams? ?Feel? ab Tonband und ohne Robbie Williams? Stimme, weil die Stimme, die ist J?rg Kilchherr. ?Das alles mache ich, weil es auch einen Teilaspekt des Buches beleuchtet.? Genauso wie die Bilder, Popart nennt sie der K?nstler. Ganz passend ist auch eine der Hauptpersonen in ?M?nage ? trois? Maler.


?Zu wenig schwul?


Das alles reift in J?rg Kilchherrs Wohnung in Laupen. Er wohnt allein dort, war einmal verlobt, wie er sich entlocken l?sst, jedoch ist die Beziehung dann gescheitert. Man weiss nicht genau, wann, denn J?rg Kilchherr redet nicht gerne von sich selbst. Er verallgemeinert lieber, t?nt Sachen an, ?ber die er dann ?nicht mehr? sagen will. Zum Beispiel, dass er 1997 ?berfallen wurde, ?eine schlimme Sache?, und seither arbeitsunf?hig ist. Das hat seine Sinne der Kunst ge?ffnet, zwei Jahre schrieb er an seinem Roman ?M?nage ? trois?.


In die bisexuelle Szene, die er in seinem Buch beschreibt, hat J?rg Kilchherr heute keine grossen Kontakte, wie er sagt. ?Das sind sehr exklusive Bereiche?, und diese Leute lebten ihren Fantasien lieber diskret nach. Jedenfalls in der Schweiz. In Deutschland seis leichter. Vielleicht darum hat Kilchherr mehr Lesungen dort. ?In Berlin kommt man einfacher an die Leute heran.? Obwohl gerade Schwule das Buch kritisieren: ?Es ist ihnen zu wenig schwul?, sagt Kilchherr und lacht ein bisschen zu laut.
Marina Bolzli

Berner Zeitung

juergkilchherr am 1.8.06 23:27

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