CH-Kultur pur - das Neuste aus der Schweiz

Pluesch eine Schweizer Mundartband

Trendmagazin Redaktion Bern
 
 
Der Waschtag bei Plüsch
 
 
Wer als Musiker nach 5fachem Platinerfolg im Alter von 25 Jahren sein Konzept radikal ändern würde, wäre blöd oder kein Berner Oberländer, der Bewährtes liebt. So gibt den Bassist Simon Ryf sofort zu, dass der Albumtitel „Früsch Gwäsche“ nicht hiesse, die Band komme in einem neuen Gewand daher. Viel mehr habe Plüsch ihren Sound genommen wie ein altes T-Shirt und einer Vollwäsche unterzogen und wieder angezogen. Der Hörer findet den bei den dreizehn Songs der neuen Platte ausser zu Beginn, wo es richtig rockt, wie immer Herz- und Schmerzgeschichten. Das Flirten der Traditionalisten liebt eben das Unvorhergesehene nicht, sondern das sensible und gefühlvolle Vorgehen. Wieder singt Sänger Ritschi in der Ichform von Gefühlen und meint dabei oft nicht sich selbst. Es sei ein Trugschluss zu meinen, der Sänger schreibe seine Text alleine. Vielmehr stehe das Ich für die Gefühle der fünf Männer. Aber auch Simon Ryfs Freunde und ihr Beziehungsstress müssten für das Plüsch-Feeling herhalten, gibt der Berner zu.
 
Neu an der aktuellen Schreibe war die Entstehungsweise. Nach den Geld- und Goldregen, dem zweimonatigen Kanadaurlaub, sei die Band viel entspannter als beim Zweitling an die Schöpfung von Neuem gegangen. Auch feilten sie sehr lange im Interlaker Probelokal an der Liedstruktur, ging mit fast fertigem Material zum Produzenten Thomas Fessler ins Zürcher Tonstudio 571. Im Gegensatz zu den beiden Vorgängern hat Thomas Fessler an der Neuen wenig verändert, gesteht der Bassist.
 
Bei der Melodiesuche hat Simon Ryf seine begonnene Ausbildung an der Jazzschule Biel, die sein Ohr für Nuancen öffnete, geholfen. Diese Feinheiten schafften den Weg aufs Album.
Auch wenn er seine Bandmitglieder über zehn Jahre kenne, das Finden eines Kompromisses aus dem Sammelbecken an Ideen, sei nicht leichter geworden. Es könne vorkommen, dass sie sich bei der Entstehung an den Karren fahren, aber an Solokarrieren denke niemand. Sagt es und verschwindet im Berner Bahnhof in der Masse, wo kein Mädchen sich nach ihm umdreht.
Plüsch ist eben eine Band, deren Magie, Mundartrock und nicht Image ist. Noch bis Ende Jahr sind die Lausbuben auf Tournee mit einem Programm vergangener Teenagernträume, die wie die ihrer Fans erwachsen geworden sind und den Glauben an die Liebe nicht verloren haben.
 
Alle Konzertdaten unter www.pluesch.ch
 
Juerg Kilchherr

juergkilchherr am 31.8.06 11:44

bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL