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schmittener openair 2009

Festival für jedermann? Bei der vierten Mal Ausgabe des Schmitten Openair vom 18.-21. Juni spielte sich die alljährlich gleiche Szene ab, die den ersten Act Matterlive fast zur Weissglut brachte. Schmittener treffen auf dem Festgelände hinter dem Wald fortgezogene Deutschfreiburger, die für das Festival wieder in die alte Heimat zurückkehren und tauschen in fremdklingenden Senslerdeutsch Neuigkeiten aus. Da hatte es der Kassensturzmoderator Ueli Schmettzer auch nach fünf Jahren auf der Bühne mit den Hits vom Berner Liedermacher Mani Matter schwer. Das Publikum stand in der Zeltbühne mit deutlichem Distanz zur Band, die auf einem Irrtum aufgebaut ist. Ueli Schmetzers Vater arbeitete als Jurist wie auch Mani Matter und beide hatten ihre Büros auf der gleichen Etage, wo bald eine Freundschaft fürs Leben entstand. Nun tingelt Ueli Schmetter, der übrigens seit seiner Jugend singt und auch mal einen Discohit in Spanien hatte, als Matterinterpret durchs Land und meint, er könne was. Doch seine Gesangskunst ist beschränkt und der Unterhaltungswert der Lieder für ein Openair wohl zu kopflastig, jedenfalls wurde auch ihm trotz einer guten Band bewusst, dass dies war nicht sein Tag war und er morgen wieder an die Arbeit ins Fernsehestudio muss. Das geistreiche Texte mit Ganzkörpereinsatz funktionieren, bewies am gleichen Abend Stiller Has. Von der ersten Minute hatte der Vulkan Endo Anaconda mit seiner Hassliebe zu seiner ehemaligen Heimat Oesterreich, existenziellen Ansichten über das Chaos der Welt und den irren Alltag im Griff. Der Schweiss floss dem Herrn im Schlapperlook mit Hut in Strömen über die Stirn und seine Fitness auf der Bühne gegen sein Uebergewicht war die Kraft der Stimme, die das eher ältere Publikum bewegte. Allerdings können Stiller Has trotz neuer Gitarristin auch nichts anders als tausende andere Unterhalter, den ewiggleichen Songs varieren. Zum Plus des Schmiitener Openairs gehört, dass die Veranstalter Urs Zosso und Kevin Auderset sich auch als Förder der einheimischen Szene verstehen. Sie geben Bands, die sich Monate vorher bei Bandscontest in Jugendräumen bewährt haben, die Möglichkeit vor grossem Publikum aufzutreten. Mit dem schlechten Wetter kämpfen am Freitag die alternativ Bombastrocker Unhold. doch für den Rotschopf aus der Zürcher Altstadt Gigi Motto lachte am Samstag die Sonne und mit ihr die Herzen des Publikums. Bis zum letzten Drittel riss die grosse Stimme mit nur einem Gittaristen mit, bevor zuviel Halbplaybackinstrumente und Balladen gegen Schluss die Euphorie dämpfe. Doch für eine Frau, die ohne Marketingstrategie ins Musikbuisness einstieg, heute noch da ist, gehörte sie zu den Gewinner des Festivals wie auch Ten Years After aus den Staaten. In der Woodstockzeit gegründet, hatte der Altherrenrock genug Druck und ihr Spiel war erstklassig, wenn auch ohne grosse Begeisterung vorgetragen und zu routiniert gespielt. Den jungen Besucher wars dann mit dem besten Bluessoulrockgitarristen Europas Hank Shizzoe gegen Mitternacht der soliden Handwerker zuviel und zu wenig Show fürs Auge, was sich auch in einem Besucherrückgang zeigte.

juergkilchherr am 19.6.09 00:11

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