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Grace Jones in Montreux

Montreux Jazz Festival Teil 3 Der zweite Samstagabend gehörte den Latinos. Frage: Was ergibt das Klonen von Shaggy mit Manu Chaou und Sean Paul? Richtig Trypez aus Paris. Die Entdeckung des Festivals noch bevor das Debut im Herbst erscheint. Ein Sound aus Hip Hop, Latino, Reaggae, vorgetragen von zwei Sänger und eine Frau in einer nicht jugendfreien Show, ergibt einen heissen Sprach-, Gesang und Musikmix, so als hätte diese Band aus Spanier und Franzosen, alle Länder und deren Musik vereint, die Columbus und Napoleon je erobert haben. Mit Spannung wurde der Auftritt einer Gay-Ikone nach 19 Jahren Bühnenabsenz erwartet. Nur die Ausnahmekünstlerin Grace Jones liess auf sich warten. Der Saal, wie immer ohne Klimaanlange, das Festival spart beim kleinen Mann, war die Hölle als plötzlich gespengstische Musik vom aktuellen "Hurricane-Album" ertönte, bevor die Selbstdarstellerin aus Jamaika im Nachtfalterkostüm übergross und von Dämmerlicht eingehüllt, "Cannibale" anstimmte. Die Band war stets im Dunkel, lieferte aber einem kompakten Sound und führte Madame mit ihren 60 Jahren ähnlich wie beim Comeback Tina Turners ein letztes Mal durch einen Querschnitt ihrer Hits, die stets mehr gesprochen den gesungen wurden. Die kräftige männlichwirkende Stimme ohne Gefühl passte ideal zum Powerset im aggressiven Lasergewitter. Viele Kostumwechsel später war aber die Diva immer noch nur von einem Spot beschienen, so dass über die Häfte des Saales sie nie zu Gesicht bekam ausser auf der Leinwand. Ein schwacher Trost angesichts der hohen Eintrittspreise. Jedenfalls leerte sich der Saal etwas und ihr Auftritt hinterliess einen zwiespältigen Eindruck nicht vom musikalischne Standpunkt her, hier war sie top, sondern weil einfach die Bühne zu nichts war für Grace Jones Show in Netzstrumpfhosen und extravagantem Kopfschmuck, tanzend an einer Animationstange, dann wieder mit zwei Paukenschlägen bewaffnet. Wenn man eine Einzelperson schon vierzig Minuten alleine in den Vordergrund stellt, sollte sie erhöht wahrgenommen werden. Oder der Beleuchter am Schluss einfach gepennt, schliesslich rief Grace schon zu Beginn: "Darling you can put my in spot now" und es tönte wie damals im James Bond Film, gefürchig.

juergkilchherr am 12.7.09 01:48

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