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greis - 3 - album und interview

Der Rapper Greis auf der Reise um die Welt und zu sich selbst
Mit Piano und Gesang beginnt Greis seine drittes Album "3"  ungewohnt sanft und zeigt später, dass er als Berner Freigeist den Spagat zwischen Hip-Hop mit Elektro- und Popeinflüssen mit jeder Menge Gastmusiker, Texten mit Einblicke in die seelischer Angründe seiner Person, Kommentaren zu politischen Vorgängen und harten und weichen Grooves ein weiteres Mal gemeistert hat. Ich stellte ihm einige Fragen zum neuen Scheibe per Mail.  
-Neun Monate warst du mit Claud in New York, Damaskus und St. Gallen um dein Album 3 aufzunehmen. Wer ist Claud und wieso brauchtest du verschiedene Kulturorte für das Material des Albums?

Claud ist ein guter Freund und ein absolut genialer Musiker. Er ist Mitglied von Sektion Kuchikäschtli und bucher & schmid (claud & gimma) und arbeitet auch viel mit deutschen Künstlern zusammen. Wir wollten schon immer mal ein Album zusammen machen, nun hat es sich glücklicherweise ergeben, dass wir ganze neun Monate dafür Zeit hatten. Die meiste Zeit waren wir in St.Gallen in seinem Wohnzimmer, wo wir auch die meisten Songs aufgenommen haben, doch als wir in Damaskus ein Konzert gegeben haben, nutzen wir die Zeit auch gleich, um dort einen Song zu produzieren.


-Hip-Hop war Angebermusik für junge Männer. Du hast dich nun mit "3" auch dem Chanson, französischen Elektro geöffnet. Warum dieser Flirt mit anderen Stilen?

Hip-Hop ist nun 30 Jahre alt, und je etablierter, je gefestigter eine Musikrichtung ist, je mehr kann sie sich auch gegenüber anderen Musikgenres öffnen. Es ist ja auch so, dass Rock- Pop- oder Elektromusiker immer mehr Stilelemente aus dem Hip Hop gebrauchen. Gute Musik ist gute Musik, egal ob Elektro-rock oder Orchester-reggae.

-Künstler leben in ihrer eigenen Welt, Du warst immer sehr politisch engagiert, hat sich deine Sicht verändert mit 3, lässt du mehr Privates nach aussen zu?

Ich bin auf jeden Fall selbstsicherer geworden und frage mich vielleicht weniger, was die Leute von mir hören wollen. Ich traue mich mehr, über Dinge zu sprechen, die mein eigenes Leben betreffen. Mit ein bisschen Glück werden sich die Leute trotzdem damit identifizieren, obwohl oder vielleicht gerade auch, weil mein Leben oft genug langweilig ist und sich immer die selben Situationen wiederholen.

-HipHop hat viele Wörter für Alltagsdinge neu kreiert. Wie gehst du heute mit der Sprache, dem Versbilden als Mann um die Dressig um und beiflusst die Zusammenarbeit mit diversen Musiker und Künstlern oder das Aufnehmen an verschiedenen Orten deine Sprache?

Der Alltag, der Umgang mit deinen Nächsten ist das, was dein Sprachgebrauch beeinflusst, das ist mit 16 genauso der Fall wie mit 66.

-Von Dir gibt es nur Fotos in ernsthafter Pose, ist das Zahnbürstlicover auf 3 auch ein Schritt Richtung  ich kann über mich lachen?

Beim letzten Album mag dies der Fall gewesen sein, doch von mir gibt es auch genug Fotos in denen ich der Clown spiele. Und ja, manchmal sterbe ich fast vor lachen ab mir.

Das Interview ist Teil eines Berichtes im kommenden Trendmagazin

juerg kilchherr am 14.10.09 15:19

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