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stars of sounds -aarberg -kritik- 2010

 

Wo Polo das Fürchten lernte
 
An den ersten beiden Sommertagen des Jahres am ersten Wochenende Juni begrüsste das historische Städtchen Aarberg zum zweiten Mal Stars of Sound. Für den Polo Hofer wurde der Freitagabend aber zum Desaster. Seine Stimme war heiser und er wirkte gealtert. Auf dem Stadtplatz vor ausverkauften Freiluftsaal hatte er sichtlich Mühe die Massen zu bewegen. Dies mag zum einen daran gelegen haben, dass sein Soundmaterial von seinem neusten Solowerk stammte und erst gegen Ende des Konzertes die Gassenhauer hervorgeholt wurden, damit überhaupt Stimmung aufkam und die gelegentlichen Buhrufe verstummten. Ein anderer Grund für Polos schlechtes Abschneiden, liegt sicher auch darin, dass das Publikum zu jung war. Nach fast einer Stunde Umbau und schlechten Sanitäranlagen erschütterte Rock die Stadtmauern. Von der ersten Minute an machte Steve Lee mit seiner einzigartigen Stimme bei Gotthard klar, hier wird Dampf abgelassen. Der Funke sprang sofort rüber und endlich flogen die Hände des Publikums in die Luft und es tanzte. Im Gegensatz zu Polo zeigte Gotthard trotz 12 Jahre Rockzirkus keine Ermüdungserscheinungen. Ihre Show war im Gegensatz zu früher rockiger, aber auch bis ins letzte Details einstudiert und überhaupt nicht spontan. 
Da unterlegt Seven den Feinheiten seines Funks aus dem Studio für die Bühne einen Extrabeat und denkt sich, die hab ich von ersten Minute in der Tasche und dann tanzt das Publikum erst eine Stunde später. Mühsam kämpfte der frischgepackene Vater um die Gunst der Aarberger mit Songs, die nur eine Handvoll davon Wiedererkennungswert haben. Auch war seine Stimme dünn oder schlecht abgemischt. Zwischen den zwei Backgroundsängerinnnen wirkte er etwas verloren. Mangels Kommunikation reagierte das zusammengepferchte Volk zwischen den Stadtmauern erst spät, dann aber richtig.
Wie vor zwei Jahren auf den Gurten wirkte Joss Stone kurz nach elf Uhr als Hauptakt angekündet,  verträumt, introvertiert und doch konzentriert auf ihr Handwerk bedacht. Das ihr Soul aber von der ersten Minute an warme Gefühle, Liebe zauberte, lag sicher auch an der Qualität des Songsmaterials und der gut eingespielten Band. Ein Joss Stone Konzert erinnert immer an die 60er Jahre und das Blumenkind in Jeans liess das Publikum wegen seines gewaltigen Stimmorgans vor Ehrfurcht erstarren und doch glücklich aussehen.

 

 

juerg kilchherr am 6.6.10 00:51

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