CH-Kultur pur - das Neuste aus der Schweiz

Massive Attack- Montreux

Zwei Tage nach dem tragischen Badetod eines Saxophonisten bei Schloss Chillion schien die Stimmung unter den Musiker am 8.7 etwas gedrückt.
Martina Topley Birds Bühne bestand aus schwarzen Tüchern, die wie Beduinenzelte aussah und der Schalgzeuger trug eine Burka. Ein Seitenhieb an die Schweizer. Die Miniarettabstimmung wirkt noch nach. Doch über Politik liess sich die englische Sängerin in einem roten Baalkleid und aufgemalter Gesichtsmaske nicht aus, sondern sang sparsam arrangierte Popsongs mit Gefühl. Der experimentelle Charakter kam von ihrer Stimme und verlieh dem Ganzen eine Poesie.
Den Spruch, dass die Musiker von Massive Attack ihre Instrumente wie im Schlaf beherrschen müssen, ging dem Besucher mehrmals durch den Kopf, standen doch die Briten mehrheitlich im Dunklen während an der Wand hinter ihnen Neo-SMS und Zahlen und Fakten zum Zustand der Welt liefen. Zwischen dem TripHop der Band schoss aus dem Dunkel zeitweise grelles Licht, das die Leute blendete und die gefürchige Atmosphäre des Massive Attack Sounds noch verstärkte. Mit drei verschiedenen Sängern, die etwas Wärme mit ihren Organen in den kalten Sound mischten, trugen Massive Attack die ausverkaufte Halle durch Abgründe des Daseins. Fast wie eine Messe aus Computern und Schlagzeug endete das zweistündige Set und die Leute waren wie erschlagen oder tief aufgewühlt, den selten ging Musik so tief und setzte soviel von einem frei.  
 

juerg kilchherr am 9.7.10 17:34

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