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Die Ausgehstadt Lausanne

Die Ausgehstadt Lausanne
 
Der Hauptort des Kantons Waadt ist berühmt für seine Musiker wie Stress oder Sens Unik. Doch wie lebt sich heute in der Stadt der Kultur? Trendmagazin besuchte mit dem Musiker Gallavin die Stadt am Genfersee.
 
Nur sechs Treppen trennen den Bahnhof vom Quartier Sous-Gare, wo der junge Gallavin wohnt. In der Rue du Simplon ist der Musiker aufgewachsen, hat seiner Mutter beim Jazzsingen zugehört und die Lausanner und ihre savoir vivre beobachtet im Restaurant Trois Rois. Die Sitze hier sind aus alten Bahnwagon aus Holz. Gallavin weist bei unserem Spaziergang durch die Strassen sowohl auf die Leute, die sich wie es für Welsche gehört, schon am Morgen chic gemacht haben für das Flanieren in diesem Quartier wie auf die viele kleine Tante Emma-Läden hin. Im Cafe Simplon wird bereits morgens um zehn Uhr philosophiert.  Ja, die Waadtländer lieben den Wein und sie lieben es auszugehen und mit ihnen Tausende von Menschen aus der ganzen Schweiz, die jedes Wochenende hierher kommen, sich überall niederlassen und feiern. Diese Art des Sich zeigen und seine Erotik ausleben, wollte auch Gallavin auf seiner ersten CD "Mad about the boy" widergeben, indem er Klassiker des Jazzs neu interpretierte und mit Gitarren und anderen Instrumenten mehr Leben einhauchte.
Wir sind bei der einzigen Metro der Schweiz angekommen, die uns nach Quchy bringen würde. Dieses Quartier am See war lange verrucht, so wie es heute der Lausannervorort Rollens als Getto der Schweiz ist, doch heute haben in Ouchy die wichtigsten Firmen ihren Sitz und Gallavin will nicht zum See. Die ganze Promenade sei nur noch was für Touristen, das ganze Kulturleben spiele sich eh im Quartier Flon ab.  War das Flon in den 80/90er der Anziehungspunkt der Alternativen und Kreativen, sind diese seit fünf Jahren verschwunden und hier ist es tagsüber sehr kommerziell mit den Boutiqueketten, aber abends geht die Post ab auf dieser Ausgangsmeile, wo viele internationale DJs ihre Scheiben in der Disco Mad drehen, sich die Subkultur trifft oder unter den Bögen der Brücke im Cafe des Arches geflirtet wird.
Das Cinema Oblo in der l'avenvue de France ist Gallavins Lieblingsort der Stadt, zeigt doch dieses Filmtheater unbekannter Meister und wechseln sich in der Strasse viele indischer, türkischer, afrikanischer Läden und ihr buntes Angebot. Die fünftgrösste Stadt der Schweiz hat nämlich geschafft, was anderen Deutschschweizerstädten noch bevorsteht, eine gute Durchmischung der Kulturen und Rassen.
Wer in Lausanne lebt muss gerne steigen, liegt die Stadt doch am Hang, der uns nun in die Altstadt führt, wo viele Bäume den Weg säumen, aber die Parks fehlen. Das die Universitätsstadt mit ihren ausgehwilligen Studenten das Unterhaltungsangebot fördere sei ohne Zweifel, doch das sehr hohe Mietpreisniveau könnten auch sie nicht beeinflussen, meint der Musiker zusammenfassend über das Leben in Lausanne. Und so endet unser Spaziergang vor dem Jazzlokal Chorus unweit des Bahnhofs, wo Gallavin davon träumt ein grosses Konzert zu geben, doch der Zug zu seinem Arbeitsort dem Bundesamt für Aidsprevention in Bern wartet schon und während  sich Trendmagazin im Buffet de la Gare mit seinem alten Chic einem Café creme gönnt und dem Wohlklang des Französisch zuhört.

juerg kilchherr am 15.7.10 21:20

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