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tommy vercetti - seiltänzer

Z'Vieri mit dem "Seiltänzer"Rapper
Als Simon K. aus der Menge der Menschen zum Trendmagazininterview im Bahnhof Berns auftaucht, ist er zwar als Tommy Vercetti der erfolgreichste Berner Rapper der Stunde, der mit seinem Debut "Seiltänzer" für Furore sorgt, weil er schneller rappt mit hoher Stimme als die Berner denken können, doch auch nach 40 Minuten Gespräch über den Musiker ist kein Rappercliche bestätigt. Liegt es daran, dass er aus einem behüteten Elternhaus in Ostermundigen stammt, kein Problemkind war und erst jetzt nach zehn Jahren als Freizeitrapper im Underground als gesetzter 29-jähriger an die Öffentlichkeit tritt? Vielleicht ist der als Grafiker Arbeitende einfach etwas scheu und nimmt den Mund nie voll sondern sucht lieber nach den richtigen Worten in seiner Alltagssprache wie auch für seinen Sprechgesang? Zwar hat er als Mittelschichtskind eines Druckers immer Rap gehört, weil dieser Stil mehr erzählen kann als Liederstrophen, mag noch heute die US-Rapper, suchte aber nie direkten Kontakt zur Bernerszene, geht auch heute fast nie an Konzerte. Doch er hat mit Gameboismusiker Pablo Nouvelle und Onur als Produzenten und  Kool Savas  DJ Sir Jai als Mischer drei Spezialisten gefunden, die seine dreijährige Arbeit am "Seiltänzer" mit Beats und einem Schuss Pop versahen, die die Stimmungen Vercettis auf den Punkt brachten, so das sie gleichzeitig leicht und echt rüberkommen. Als Student der visuellen Kommunikation lernte er Inhalte verpacken mit einer Ästhetik und so sucht man auch auf der Platte vergeblich nach vulgären Kraftausdrücken. Für ihn sei das Texten eine Freude an der Sprache, sagte Tommy, die er auch beim Lesen von Klassikern empfindet zusammen mit seiner Sucht nach Schoggi. Ansonsten liebt der Mann, der nun mit seiner Freundinn in der Stadt wohnt, Greis zu seinem Freund zählt, die Philosophie und Politik. Als Junger sei er im letzten Jahrzehnt oft in der alternative Kulturstätte Reithalle gewesen und habe sich viele Gedanken über die Globalisierung und den Sozialismus gemacht und diskutiere noch heute gerne darüber mit seinen Freunden. Er hasst den Stress und Zynismus oder Autoritäten, viel lieber sucht er seine Ruhe, wo er seinen Gedankengeburten nachhangen kann. So sei sein Debut auch der Versuch gewesen, sein Haltung zum Leben, seinen Mann zu stehen, rüberzubringen. Interessant ist beim Gespräch über diese Haltung, dass Tommy Vercetti den Tod und die Religion und die Ethik nicht ausklammert wie auch seine Angst, dass vielleicht der "Seiltänzer", weil er so kompakt ist, sein einziges Werk sein könnte, indem er schon alles gesagt und gegeben hat. Doch in den nächsten Wochen stehen Gigs an und dann wird sich zeigen, ob der Simon K. mit dem geliehen Namen aus einem Playstation-Spiel als Rapper Tommy Vercetti mit viel Hirn die Leute auch live begeistern kann .www.tommyvercetti.ch  

juergkilchherr am 26.10.10 20:28

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