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rushit- Der Rapper aus Berns Ghetto

Dort, wo Bern hässlich ist, liegt Bethlehem mit den vielen Wohnblocks mit dem hohen Ausländeranteil und Drogenhandel und der Gewalt. Hier wohnt der Rapper Rushit Hazeri seit seinem dritten Lebensjahr. Es ist das Gäbelbachquartier, das ihn roh gemacht, den Slang gelehrt hat und trotz oder gerade wegen seiner albanischen Wurzel hat er hier ein Durchsetzungsvermögen und scheinbares unverwüstliches Selbstvertrauen antrainiert. Ueber Rushits 14. bis 16. Lebensjahr läuft momentan der Film “moi c’est moi” in den Kinos und der schlanke Junge mit dem lebenhaften Blick spricht da wie heute gerne über sich selbst und seinen Traum mit seiner Musik und Raps über das Leben als Kosovo-Schweizer berühmt zu werden. Nun ist er fünf Jahre älter und an der Schwelle zum Mannsein und hat ein Problem. Seine Familie wird aus der Wohnung geworfen, über die Gründe möchte der Rapper nicht sprechen. Dabei hatte sich Rushit doch in letzter Zeit so Mühe gegeben. Zwar hat er auch nach vier Jahren Suche keine Lehrstelle gefunden, aber er steht nun vor dem Mittag auf, holt später die Freundin von der Schule ab und hat nachts innert Wochen 18 Songs für ein kommendes Mixtape, das im Mai unter dem Titel “ Die Strassen von Bern” erscheinen soll, fertiggesellt. Darauf werden keine Gastsängerinnen sein, aber seine Hip-Hop Combo Blockjunge. Anders als das im Internet kursierende Video “Wie so’” rappt Rushit nun auf Berndeutsch und spricht dabei nur von sich selbst und seiner Familie. Wie der Film soll die Platte ein Dokument sein von einem Mensch am Rande der Gesellschaft, den die Schweiz straft für seine fremden Wurzeln und der eigentlich, das will und braucht, was jeder braucht um zu überleben: Aufmerksamkeit und Anerkennung. Sein Vorbild ist Bushido und die Antriebsfeder Angst in die Kriminalität abzurutschen, wenn es nicht klappt mit der Musik und er keinen Lebenssinn findet, aber auch das, wie er glaubt grosse Geld. Dafür hatte Rushit früher gedealt und stets ein Messer bei sich getragen. Heute wirkt er ruhig, gefasst, spricht auch über Klamotten, sein Lieblingsgetränk Icetea und seine Freundin. Sie scheint ihn etwas geläutert zu haben und den Egoismus eingedämmt, aber nicht den Wunsch Musik zu machen. Der ist riesengross. Nicht zuletzt darum, weil er dann andere Blicke als Verachtung und Hass wie einige Internetbeiträge zeigen auf sich ziehen würde und dafür lohnt es sich zu leben auf den Strassen der Hauptstadt.

juergkilchherr am 5.4.11 17:33

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