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Schmittener Openair

Singing in the rain Dank seinem Sieg bei der Fernsehesendung “Kampf der Chöre” war der Freiburger Musiker Gustav and the Black Poets zum Auftakt seiner Openairtournee bei der fünf Ausgabe des "Schmittener Openairs vom 16.-19. Juni ein zweites Mal dabei und exakt zum ersten Takt seines Konzertes setzte der Regen ein. So war sein Blick auf die Bewohner des Senslerdorfes von 1500 Regenschirmen zu Beginn seiner 90minütigen Darbietung versperrt. Der rockige Anfang mit richtig aggressiven Gitarrenriffs wollte der Stimmungsmacher aber nicht alleine und ohne Blickkontakt durchziehen. Also stieg er kurzhand von der geschützten Bühne aufs Feld und wurde nass im nicht ausverkauften Konzert. Dank des eigenartigen und gleichen Dialektes wie die Hörer hatte er die Zuschauer aber dann immer nur im Griff, wenn seine Band südamerikanische Klänge anstimmte und die Leute zu tanzen im Regen anfingen oder Gustav einen seiner zahlreichen Spässe und Witze machte. Die Mischung aus Rock, Pop, Polka war gewöhnungsbedürftig und wie immer in seiner zehnjährigen Karriere bewusst auf Spass getrimmt. Als dann der Regen aufhörte, sangen auch die letzten Freiburger mit und die Rampensau Gustav gab den Takt an. Am Freitag war das Gelände schon morastig oder gerade der richtige Boden, um die harten Töne der Mailander The Fire oder wiederum zweier Freiburgerbands Tar Queen und Overdrive amp explosion vor den deutlich weniger Zuschauer zu geniessen oder eben schlotternd im Regen in den Boden zu stampfen. Der Samstag begann vor wenigen Zuschauern mit Luk von Bergen, einen Berner Mundartlieder mit Wohnung in Zürich, der erst vor Monaten sein Debut “Blaumaler” rausgebracht hatte und selbstbewusst mit Bart und Holzfällerhemd das etwas eigenwillige Set mit Band vortrug. Da wechselten Cover von AC/DC (?) und seine Songs einander ab und am Schluss waren es trotz eines wuchtigen Beginns nur die Balladen gewesen, die Herzen erreicht hatten. Schon fast kitschig wie damals zu Zeiten der Hippies wars oder hatte der Wettergott einfach ein Herz mit den Schmittner am Samstagabend? Als die Altbluesrocker Canned Heart zum tausendensten Mal in ihrer Karriere “On the road again” spielten, erschien am Himmel ein Regenbogen und der Sänger der US-Band meinte: “It even rained in Woodstock”, was die Schmittener noch mehr animierte mit einem Lächeln Gesicht im Regen zu tanzen und mitsingen. Das Fazit des fünften Ausgabe dieses mittlerweile etablierten Openairs fällt durchzogen aus. Klar hatte der Veranstalter Wetterpech, aber er muss sich auch eingestehen, dass die alljährliche gleiche Programmvielfalt dieses Jahr schlicht und einfach zu wenig Musiker für die Zwanzig- bis Dressigjährigen sowie bekannte Namen aus der aktuellen Hitparade enthielt.

juergkilchherr am 16.6.11 22:41

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