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Erotik und Artistik am Rand zur Orgie - Ohlala-Zirkus

lDie Stunden vor Mitternacht gehören in den Schweizer Schlafzimmern der Liebe. Nachhilfestunden in Sachen Erotik und Körperverrenkung gab es im Beisein von viel Prominez an der Gala-Premiere in Dübendorf bei Gregory Knies "Ohlala"-Zirkus. Wurde beim fünften Mal eine Grenze überschritten?Als Sprössling der 7. Generation Knie hatte der heute 37-jährige Gregory Knie in der Kindheit einen tollen Spielplatz zwischen Tieren und Artisten, aber ein Problem. Er hat kein Talent, um in der Manege wie sein Vater den Clown zu spielen oder abseits Bilder zu malen. Also studierte er Wirtschaft und betreibt seit seiner Rückkehr von Mallorca und den USA in die Schweiz mit seinem Vater den "Salto Natale".Doch sein Lieblingsarbeitsplatz ist seit fünf Jahren als Produzent und Regisseur der "Ohlala" Zirkus. Jeden Herbst versucht er dem Untertitel "Sexy-Crazy-Artistic" gerecht zu werden, indem er Künstler aus der ganzen Welt in sexy Kleider steckt, sie ihre Artistiknummern vorführen lässt und weil das alles schon wie alles im Zirkus mal gesehen wurde, legen die Herren und Damen am Schluss manchmal ihre Kleider ab. So wie Jean Passos, der im zweiten Teil der zweistündigen Show in einer Badewanne plantscht, während über ihm Tücher hängen. In nassen Unterhosen zieht er sich dann hoch, macht seine artistische Darbietung und eigentlich starrt in diesem Moment jeder nur auch seine Stofffetzen. Wieder im Wasser entledigt sich der Brasilianer seiner Hose. Für einen kurzen Moment verzieht er sein Gesicht, die Haltung wird unsicher, doch das Publikum tobt und die Regieanweisung heisst, raus aus dem Wasser und nackt zum Bühnenausgang.Gregory Knie möchte mit seinem Zirkus bewusst Grenzen überschreiten und so müssen jedes Jahr neue Effekte her. Das Ballet des Zirkus spritzt sich im gedämpften Licht Neofarben auf die nackte Haut, am Schluss zieht eine Frau ein Plastikbaby aus ihrem Schnitt. Der Applaus ist verhalten, war wohl zuviel des schlechten Geschmacks.Dann kommt Latigos. Auf den ersten Blick ist es ein Latino mit Peitsche. Er holt eine Zuschauerin aus dem Zelt, greift sich dabei ein Dutzend mal in den Schritt, gibt ihr Papierrollen in den Mund und eine Rose in die Hand. Die Peitsche knallt, die Sachen sind entzwei, Noch komme etwas für die überrumpelte Zuschauerin, sagte der Mann, das Kostüm fällt und die Frauenbrust von Judith Perozo aus Venezuela verblüfft alle. Das war "fifty shades of grey" in einer Zirkusvariante. Die fünfte Ausgabe des "Ohlala-Zirkus" setzt im ersten Teil auf den ästhetischen Genuss von schönen, durchtrainierten Körpern in schrillen Kostümen und ein Verbesserung in der Chorografie, dem Ablauf und des Lichts. Wortlos gingen die Nummer des Sich-Verbiegens, Liebesklamauk, Partner- und Hula Hoop-Tanz in schnellem Tempo aber wenig provokativ über die Bühne. In der Pause lieferte das Zirkusballet eine Orgie im Aufenthaltsraum,was mache Zuschauer verärgerte und gab so den Ton an für den zweiten Teil der Show, der die grösste Boulevardzeitung der Schweiz dazuverleitete, Gregorys Knie Variante als "Sex-Zirkus" abzustempeln. Etwas hart, aber nicht ganz falsch. Die prickelnde Atmosphäre der Anfänge des "Ohlala"-Zirkus ist einer direkten Erotik gewichen. Es ist die Phantasie von Gregory Knie, eine männliche. Wäre schön, wenn er sich mal eine Frau als Regieassistentin holen würde. Dann käme vielleicht weniger Effekthascherei raus und mehr Herz und Intimität.

juerg kilchherr am 30.9.15 19:11

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