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Musik und Geschichte in Avenches - Spaziergang mit Singer/Songwriter Christian Tschanz

Sänger und Liedermacher Christian Tschanz ist Ambassador von Avenches, seine aktuelle CD heisst "Aventicum". Was bedeuted für Sie diese Kleinstadt mit rund 4200 Einwohner und Wurzeln bis 15 -13, Jahrhundert v. Chr.?Vor 21 Jahren wollte ich als Thuner ein Welschlandjahr machen und fand eine Lehrstelle als Metzger in Avenches, wo ich bald darauf meine Frau vor Ort kennen lernte und heiratete.Wir haben hier alle acht Kinder gezeugt, meine Musik der drei Alben ist hier entstanden wie auch meine Musikschule, wo ich täglich unterrichte. Als Ambassador singe ich bei Anfragen des Tourismusverbandes die offizielle Hyme "Aventicum"- ein Lied von mir oder trage es wie kürzlich bei einem Konzert in Albanien in die Welt hinaus.Die Geschichte ist in diesem Städtchen vor und hinter den Mauern sehr gegenwärtig. Wie gehen sie als Kleinkünstler mit dem Vergangenen um?Ich liebe Geschichte, weiss über den Ort und seine Spuren wie das römische Theater Bescheid. Ich bin auch ein Mensch, der gerne zurückschaut auf die Zeit mit meiner Frau, die ich seit dem 16. Lebensjahr kenne und wie wir gemeinsam etwas hier aufgebaut haben. Beim Spaziergang durch die Mauern und Ruinen mit meinen Kindern kommt das lange und das kürzliche Vergangene zusammen und es entsteht eine neue Geschichte.Sie haben sich hier im Waadtland eine Musikerkarriere aufgebaut, die in der Deutsch- wie Welschschweiz dank Texten in der jeweiligen Sprache funktioniert. Welche Charaktereigenschaften mussten sie entwickeln, um im Musikgeschäft als Berner Oberländer zu überleben?Ich wusste mit 13 Jahren, dass ich Musik machen wollte, musste aber zuerst etwas Bürgerliches lernen. Dann schrieb ich fast zehn Jahre Texte, lernte die Gitarre spielen und komponieren bis im letzten Jahrzehnt vor das Publikum trat. Das Musikgeschäft ist wie ein Boxkampf, man kämpft sich hoch. Stolz bin ich neben den drei Alben, DVD, unzähligen Konzerten auch auf die Musikschule mit 60 Schülern.Avenches mit Sicht auf historischen Bauten, den Mont Vully und Murtensee hat auch was Spirituelles? Sie machen Musik, haben viele Kinder, sind sie ein religiöser Mensch?Ueber Religion zu sprechen, ist bei mir eigentlich tabu. Es ist etwas sehr persönliches. Ich gehe bei der Geburt, Hochzeit und dem Tod in die Kirche. Religion ist für mich, das, was ich aus dem Leben mache. Ich lebe weniger nach einer Religion, als mit dem gesunden Menschenverstand. Die Musik hilft mir bei der inneren Entwicklung. Sie ist zuerst etwas für mich selbst, das ich später weitergebe. Und ich wusste schon früh, was ich will und bin kein Suchender mehr, das spart Zeit.Ihre Texte sind oft persönlich. Könnte es sein, dass sie in Zukunft auch Themen wie die Flüchtlingspolitik aufnehmen und darüber singen?Mein Song "au paradies" für die Vorentscheidung zum Eurovision handelte von einem Flüchtling. Meine Kinder erzählten mir die Geschichte, wie ein Mitschüler nicht mehr erschien, als er ausgeschaft wurde. Die Texte und ihre Themen haben mit mir zu tun, sie sind daher authentisch.Die Herbst ist da und der Nebel legt sich über die Felder, wie wir bei den Fotoaufnahmen sahen. Was kann man nun in Avenches machen und was steht bei Ihnen an?Im Sommer ist mit dem Open air und dem Klassikfestival und den vielen Touristen hier sehr viel los. Jetzt findet der Besucher Ruhe, kann stundenlang spazieren zum See oder durch Wälder, den Mont Vully Kuchen im Hotelrestaurant de la Couronne geniesen, wo mein erster Sohn gerade eine Kochlehre macht. Ich spiele noch einige Konzert diesen Monat, dann mache ich Weihnachtspause und bereite die Vorproduktion zur neuen Cd vor.

juergkilchherr am 7.10.15 14:49

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