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Von Afrika nach Düdingen - die ungewöhnliche Schrifstellerlaufbahn des Jean Pascal Ansermoz

Es ist kalt an diesem Herbstsonntagnachmittag, doch für den Schriftsteller Jean Pascal Ansermoz kein Grund sich nicht auf das Experiment einzulassen, sechs Fragen in einer Stunde beim einem Spaziergang durch seinem Wohnort Düdingen zu beantworten, kurz vor seiner Lesung bei Stef's Kultur Bistro.Literatur kann nichts verändern, ausser als ein Mittel gegen die Dummheit der Welt ankämpfen, behaupte ich. Warum sollen man Ihre Bücher lesen?Ich versuche mit meiner Literatur wie "Längs no zum pressiere?" Positive zu sein als ein Mittel gegen die täglichen negativen Schlagzeilen. Wie hier beim Kioskcafe im Zentrum Düdingen habe ich auch bei meiner sechsjährigen Tätigkeit als Buchhändler im Berner Bahnhofsbuchladen die Leute beobachtet und auf meinen Leserreisen nach Frankreich schnappe ich Alltagssituationen auf und bearbeite sie mit dem Stilmittel der Satire. Ich begann meine Schriftstellerkarriere 2004 auf französisch, heute schreibe ich auch auf deutsch. Als ich Sie das erste Mal sah im Buchladen oder der S-Bahn, so ein kräftiger Mann hat noch andere Spuren als schweizerische. Da lag ich nicht ganz unrichtig oder?Ich wurde in Dakar geboren, mein Vater war da Ingieuer Chemiker, ging in die französische Schule und war eine Leseratte, die immer mit einem Stapel Bücher in die Ferien ans Meer reiste. In den 80er Jahren kamen wir in einem Vorort von Basel zurück und ich ging nie mehr nach Afrika zurück, Nach dem Studium der Geisteswissenschaften in Lausanne lernte ich meine Frau kennen, die hier in Düdingen wohnte.Hier sind wir vor dem Brockenhaus, ein tolles Haus mit Geschichte. Auch wenn der Ort im Zentrum modern aussieht, findet man sofort in den Nebenstrassen Orte für meine Geschichten wie die Kirche oder die kommende Zugsbrücke.Düdingen ist ja ein Paradebeispiel für den Röstigraben mit den Gegensätzen Deutsch, Welsch. Auch Sie schreiben Gegensätzliches wie Krimis und Prosa?Schreiben von unterschiedlichen Literaturgattungen ist auch ein Spiegel von mir.Ich schreibe Bücher, die ich gerne auch lesen würde.Ich liebe Spannungsliteratur wie den Krimi, wo ich ein Thema extremer darstellen kann als in der Prosa. Eine Kurzgeschichte schreibe ich in 3-4 Stunden an einem Krimi bin ich 8 Monate dran und falle regelmässig in eine Depression, wenn ich ihn abschliesse und die Figuren darin verlasse. Da helfen mir Spaziergänge durch den Ort und die Natur. Nun gehen wir zu den Schrebergärten während über uns der Intercity rast.Sie haben gerade auf Ihr Smartphone geschaut, wie viele Junge oder die Pendler lesen Gratiszeitungen. Wie wollen Sie als Selfmademan Leser gewinnen?Ich bin aktive auf den social media, das gehört heute dazu. Ich mache nach negativen Erfahrungen mit Verlagen und Literaturagenturen alles selber. Publiziere auch on demand wie auf auch bei Verlagen und bin sehr viel unterwegs zu Lesungen. Ich schreibe 2-3 Bücher pro Jahr, habe eine Familie und es braucht Selbstdisziplin dieses Pensum durchzuhalten. Deshalb schreibe ich auch nachts, den 20 Seiten pro Woche müssen es schon sein. So nun gehts bergauf zum BahnhofNoch nicht auf dem Bahnsteig angekommen, hört man in Düdingen den Senslerdialekt, in der Freiburger Altstadt sprechen sie "Bolze" Ist dieses Umfeld für das Schreiben in Deutsch und Französisch wichtig?Es ist tatsächlich anregend und ich leiste mit meinem Baslerdialekt noch Eingabe zur Dialektvielfalt. Ich fühle mich hier sehr wohl, den hinter diesen Menschen mit den einzigartigen Dialekten sind Traditionen und das ist mir wichtig. Nun wird es aber kalt und die S-Bahn fährt ein..Mit oder ohne Zug. Was macht der Jean Pascal Ansermoz hier im Herbst?Als ich noch kein Vater war, ging ich gerne ein paar Tage ins Kloster Hauterive zum Rückzug. Nun gehe ich nicht mehr oft aus. obwohl Düdingen mit dem Bad Bonn oder anderen Orten Unterhaltung zu bieten hat. Mit den Kindern besuche ich gerne die Düdinger Möser, ein Naturschutzgebiet, das nah meiner Wohnung liegt. Meine Lesung bei Stef's Kultur Bistro in Ostermundigen findet am 22.10. statt und ich werde neben Gedichten,. Kurzgeschichten auch singen.

juerg kilchherr am 11.10.15 20:13

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