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Die verborgenen Naturschönheiten in der Urlandschaft Sense

Laut dem WWF ist die Sense zwischen dem Schwarzsee und Laupen der unberührtste Gebirgsfluss der Alpen. Peter Imhof aus Niederscherli zog bei jedem Wetter mit der Kamera durch die Auenlandschaft und wilden Schluchten. Sein Buch "sense" stellt er am 29. Oktober im Schloss Schwarzenburg vor.Ich als Laupener kenne nur das Ende der Sense. Wo fängt sie an und auf welchen Abschnitt haben Sie sich in Ihrem Buch konzentriert?Die Sense besteht aus der Warmen Sense - sie hat ihren Ursprung im Schwarzsee –und der Kalten Sense, die vom Gantrischsee und den Seitentälern der Gantrischlandschaft stammt.Die Sense mündet in Laupen in die Saane. Ihre Länge wird mit 35 km angegeben.Für mein Buch sind hauptsächlich die 15 km zwischen Guggersbachbrücke und Heiti-Büffelrelevant. Im Buch habe ich mich grösstenteils auf diesen Flussabschnitt konzentriert.Ich nehme an, der Fluss wurde durch das Abwasser der Alpen gegründet. Mir macht er auch etwas Angst und Freude zugleich, weil er so wild und ursprünglich ist. Geht es Ihnen auch so und welches sind ihre Geheimtipps und wo sieht man sein Leben an der Seite des Flusses am besten?Früher einmal war die Sense ein Gletscherfluss, mächtige Gletscher haben ihn mit Wassergespiesen, das bis heute eine 200 m tiefe Schlucht in den Molassegrund eingegraben hat.Der Name „Sense“ stammt angeblich aus der Keltenzeit (um ca. 600 Jahre v.Chr.) und bedeutet „die Mächtige“Wenn ich die Sense möglichst für mich geniessen will, dann investiere ich am liebsten ein bis zweiStunden Fussmarsch von der Sodbachbrücke flussaufwärts. Doch der Fluss kann immer und überallfaszinieren. Wichtiger ist, dass man all die schönen und spannenden Dinge sehen und entdecken kannIm Sommer baden nahe der Schwarzwasserbrücke viel nackt , machen Steinmännchen, die dann im nächsten Sommer verschwunden sind, weil das Wasser die Landschaft verändert. Gehen Sie nach jedem Unwetter dem Fluss entlang um Veränderungen zu fotografieren oder wie erleben Sie die Jahreszeiten am Wasser?Ehrlich gesagt, mich und noch viele Flusswanderer stört die FKK Szene von der Hängebrückebis praktisch vor die Ruchmühle extrem. Es scheint sich jedoch endlich etwas zu bewegen.Ich begegnete diesen Sommer Polizeipatrouillen, die die Aufgabe hatten, Nacktbadende mitzu büssen.Was mir auffällt ist, dass sich die Senselandschaft tatsächlich laufend verändert. Jedes Hochwasserhinterlässt seine Spuren. Natürlich bin ich jedes Mal gespannt, wie und wo sich die Senseverändert hat. 2014 hat es zwei Hochwasser gegeben, die zu sehr markanten Veränderungender Flusslandschaft geführt haben. Diese habe ich dokumentiert und teilweise im Buch abgebildet.Gerne würde ich einmal eine markante Flutwelle beobachten. Doch solche Ereignisse geschehennicht selten in der Nacht.Ich versuche, jede Jahreszeit an der Sense zu erleben. Die grösste Schwierigkeit besteht jedoch darin,dass der Wasserstand in der weglosen Senseschlucht für mein Durchkommen bestimmend ist.Bei einem Wasserstand zwischen 2 und 5 Kubikmeter/Sekunde (wie sehr oft in diesen Sommer) ist ein Queren des Flusses problemlos. Bei höherem Wasserstand wird es zum Risiko oder sogargefährlich. Bei einer Wanderung von ca. 5 Stunden in der Schlucht quert man dabei mindestens50mal das Wasser. Zu solchen Strapazen sind nur wenige bereit.Sehr eindrücklich war die Sense im Winter 2012 mit Temperaturen von 20 Grad minus.Grosse Teile waren damals zugefroren zu einer kompakten Eisdecke. Märchenhaft!Jede Jahreszeit hat hier ihre eigene Faszination.Der Landraub für Wohnhäuser ist in diesem Land extrem.Welchen Gefahren ist die Sense ausgesetzt?Die Sense steht grösstenteils unter Naturschutz – sowohl vom Kanton Bern wie auch vomKanton Freiburg. Sie ist ein Fluss von nationaler Bedeutung. Bauten in Flussnähe sind praktischnicht mehr möglich. Vor Jahren wurden einige Wochenendhäuser im Uferbereich sogar abgerissen.Jedes Hochwasser hat den Vorteil, dass es viel Unrat, den die Camper jeweils vergessen,nachsichtig wegschwemmt.In Ihrem Buch hats auch Tierfotografien. Nichts ist so schwierig wie Tiere vor die Kamera zu bringen. Uebernachten sie vor Ort oder sind Sie verkleidet als Naturmensch, um die Tiere so nah ran zu bekommen?Im Buch habe ich mich vorwiegend auf Reptilien, Amphibien und Schmetterlinge konzentriert.Diese Tiere sind tagaktiv und lassen sich mit der nötigen Geduld und entsprechender Kenntnisin der jeweiligen Tages- und Jahreszeit gut fotografieren.Gemsen, einen Hirsch, den Biber, den Luchs oder seltene Vögel vor die Kamera zuzu bekommen ist viel zu aufwändig und erfordert teure Fotoausrüstungen. Und dies würdetatsächlich bedingen, dass man in der Schlucht übernachten müsste. ln einer Glunggemit der Taucherbrille unter Wasser in einen Fischschwarm hineingeraten. Hunderte von Fischenum mich herum, die vor mir nicht geflüchtet sind. Ich hatte den Eindruck, dass sie mich als „Mitfisch“akzeptiert haben. Ein Erlebnis, das mich noch heute fasziniert.

juerg kilchherr am 16.10.15 10:48

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