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Paul Lascaux - Mehr als Mord in Bern

Ueber die letzten fünf Wochen lebte Paul Lascaux das, als was ihn die Leser kennen, einen viel schreibenden Krimiautoren aus dem Breitenrainquartier Berns. Heute unterrichtete er wieder als Lehrer, Doch nach der Amtausübung radelte er mit seinem Rad zur Heiliggeistkirche zum Interview. Noch mit einer Schweissperle auf der Stirn beantwortet er meine erste Frage:Eine Literaturagentin sagte, ein Buch müsse ein Autor in einem Satz zusammenfassen können, sonst interessiere es sie nicht. Worum geht es im neusten Werk "Nelkenmörder"? Es geht um die tödliche Faszination vom Supermodel der Renaissance und um das schräge Detektivenpaar aus dem Breitenrain.Natürlich war das sehr oberflächlich und salopp ausgedrückt, Der Krimi stochert in den Dunstkreisen von Raubkunst, Kunstfälscher und Geldwächserei. Auf der Front nah es Bundeshauses stellt sich Paul Lascaux vor den Marronistand und verrät, dass hier ein Berner Original bedient, das unter anderem Namen auch in seine Krimis von Bern eingeflossen sein könnte. Sie sind ein Literaturgeograh, der das Geschehen der Stadt und Kanton Berns mit Fiktion vermischt, warum?Ich liebe es Geschichten zu erzählen. Zum realen Hintergrund gesellt sich in meinen Krimis seit rund zwanzig Jahren eine fiktive Geschichte. Der Wiedererkennungswert für die Leser ist damit gegeben und deshalb meine Stärke. Ausserdem passt dieses Konstrukt in die Verlagsreihe mit Autoren mit einem lokalen Touch.Durch Marktgasse geschlendert, stellt Paul Lascaux fest, dass er in den letzten fünf Wochen nie shoppen war, nur geschrieben hat in seinem Haus im Breitenrain. Dazwischen sei er schnell ins Migros einkaufen gegangen oder habe das Brot vom Bäcker geholt, obwohl er eine Brotpackmaschine hätte. Er schliesst das Rad ab und stellt sich vor den Kindlifresserbrunnen und ich frage:Waren früher viele Ereignisse flüchtig, wird heute alles, was geschieht auf der Welt im Internet oder mit dem Handy dokumentiert. Ist es da als Autor nicht schwer fiktional zu arbeiten?Der Krimi ist ja die aktuellste Gattung der Literatur. Ich kann reale Probleme aufzeigen und trotzdem eine fiktionale Handlung drumherum schreiben. Ich bin bei der Recherche schon sehr genau, spreche mit Fachleuten, gebe ihnen das Geschriebene zum Nachlesen, den Leser lesen genau.Nachdem uns ein Abt und die Polizei beim Zytglockenturm begegnet sind, will Paul Lascaux zum Münzplatz und als St. Galler, der fast sein ganzes Leben in Bern verbracht hat, weiss er auch die Geschichte zu diesem Platz und zeigt mir diese mit der eingemeiselten Zeichnung hinter den Bäumen des Casinoparkplatzes. Dank eboobs sind heute Bücher Inhalt kein Gegenstand mehr. Schreiben sie Krimis um unerkannt zu bleiben und schnell verdauliche Ware zu produzieren?Nein, ich begann 1983 mit Schreiben und fünf Jahre später erschien mein erstes Buch im Alter von 32 Jahren. Als Lehrer, BZ-Kritiker wählte ich einen Künstlernamen, damit sich nicht beide Welten kreuzen. Mich interessieren Krimis, weil sie doppelt funktioneren. Auf der einen Seite vom Verborgenen ins Enthüllende und umgekehrt.Zwischen Trams und Autos wechseln wir rasch die Strassenseite, wo Paul Lascaux die Aare erblickt, lächelt. Ja, auch hier hat der Berner Autor schon eine Leiche verschwinden lassen. "Nelkenmörder" ist kein klassischer Krimi, eher Prosa mit Krimizügen. Raffiniert gemacht, aber auch irgendwie neu für Paul Lascaux oder irre ich mich da? Ich bin kein Actionautor. Ich verwebe immer etwas Geschichte von Bern in meine Bücher und im neusten " Nelkenmörder" gehen die Spuren bis nach Florenz in die Renaissance. Ich möchte Stimmungsbilder schaffen mit meinen Worten und die Sinne ansprechen, darum wird auch relativ wenig gemordet in meinen Büchern. Im "Nelkenmörder" wird viel gesprochen und ich habe lange an den Dialogen gefeilt.Es wird dunkel und im Casinocafe erzählt der Autor beim Kaffee und Tee, dass er sich seit neustem auch gerne in ein klassisches Konzert setzt, obwohl er doch Rockmusik liebe. Auch besuche er als ehemaliger Kunstgeschichtsstudent Ausstellungen und habe gerade bei einer Wanderung durch das Lötschental viel fotografiert, da sein neuer Krimi auch in dieser Gegend spiele. Bald habe er mehr Zeit zum schreiben, den nächsten Juni lasse er sich pensionieren. Doch so wie ich Paul Lascaux kenne, wird er sich auch dann selber disziplinieren, schon früh in den Garten setzten und täglich bis 12 Seiten von Hand schreiben über das Ermittlerehepaar Heinrich Müller und Nicole Himmel aus dem Breitenrain und einen Mord in Bern.Paul Lascaux Nelkenmörder Gmeiner Verlag

juergkilchherr am 2.11.15 20:59

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