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Ricco Wassmers Liebe zu Jünglingen und mehr im Kunstmuseum Bern

Diesen Winter geben gleich zwei Berner Institutionen homosexuellen Persönlichkeiten aus dem Kanton Raum. Während das Kornhausforum das Leben des Flaneurs und Dekorateurs Alfred Jonathan Steffen genannt "Bob" ausstellt,nimmt sich das Kunstmuseum mit einer Retrospektive dem Maler und Fotografen Ricco Wassmer an. 100 Jahre alt wäre der in Allschwil geborene aber ab der Jugend mit Bremgarten bei Bern eng verbundene Maler dieses Jahr geworden, dessen surreale Arrangements zwischen naiver Malerei, neuer Sachlichkeit und magischem Realismus ein Thema haben, sich selbst. Seine Bilder waren stets Mittel zu Selbstbehauptung und Ausdruck als Homosexueller.Im Erdgeschoss des Kunstmuseums werden die 200 Werke eng aneinander ausgestellt und bereits der erste Raum fordert den Betrachter heraus. Ist der erste Blick auf die Bilder mit kindlichem Charakter weil im Stil der naiven Malerei gemalt etwas enttäuschend, gehen die Mischungen aus Erzählerischem und Illustrativem tief und tiefer. Die zentralen Themen wie Jüngling, Stilleben, Matrose und Meer sind nicht einfach alleine im Raum. Dies hätte gegen die Denkweise des Grenzgängers und Abweichlers Ricco Wassmer verstossen.Er malt Geschichten, jedes Bild ist eine Mischung aus einer Seele eines Schriftstellers und eines Malers und enthält viele Symbole seiner homoerotischen Neigung. Die Vorliebe für Jünglinge und ihre Körper aber auch ihre Sicht auf die Welt ziehen sich wie ein roter Faden durch das Werk. Die Grenzen zwischen der Kindheitswelt und der Jugend vermischen sich auf den grossflächigen Bildern, die nie Gewalt zeigen sondern Träume oder Unbewusstes. Sinnlichkeit, Nähe und Distanz sind wichtiger als die Natur in der diese jungen Männer übergross dastehen.Ricco Wassmer war auch in Thaiti. Doch anders als Degas zeichnete er nur zwei einheimische Frauen, lieber sind ihm Männer, die dem Einfluss des weissen Mannes nicht abgeneigt sind.Seine Liebe zu den Jünglingen brachte Ricco Wassmer in Konflikt mit dem Gesetz und er wurde wegen Unsichtlichkeit mit Minderjährigen ins Gefängnis gesteckt.Die letzten Jahre verbrachte er im Schlösschen Bompré und Ropraz bei Lausanne. Der Magische Realismus und die Fotografie sind Themen dieser Zeit, doch an die Buntheit seiner Berner Jahre kommen diese Werke nicht mehr heran. Sie sind aber wie alles von Ricco Wassmer Rätsel, die es noch bis zum 13. März im Kunstmuseum Bern zu entziffern gilt.

juergkilchherr am 27.11.15 18:08

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